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| 03:05 Uhr

Die Spremberger und der Kupfer-Bergbau

Mehr als 120 Erkundungsbohrungen hat es auf der Suche nach Kupfer bei Spremberg gegeben. Foto: dpa
Mehr als 120 Erkundungsbohrungen hat es auf der Suche nach Kupfer bei Spremberg gegeben. Foto: dpa FOTO: dpa
Spremberg. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts wird es noch dauern, bis in der Region um Spremberg Kupfererz abgebaut werden kann. Zurzeit hat die Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) ein Raumordnungsverfahren beantragt. Ein Prüfungsmarathon steht vor den Entscheidungsträgern. Seit dieser Woche sitzen auch die Bürger mit im Boot, erwarten Antworten auf Fragen, die sich vor allem aus der Bergbau-Vergangenheit der Stadt im Spree-Neiße-Kreis ergeben. Christian Taubert

Nach der Braunkohle nun Kupferbergbau - dieses Thema bewegt in Spremberg. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass es am Montagabend im Saal des Hotels "Georgenberg" eng wurde. Kupferschiefer Lausitz hatte zum Bürgerforum geladen. Beinahe ein Jahrzehnt vor dem möglichen scharfen Start. "Wir wollen von Anfang an mit offenen Karten spielen", begründet Thomas Lautsch die überaus frühe Bürgerbeteiligung. Und der KSL-Chef fügt hinzu: "Salamitaktik ist nicht unser Ding."

Lautsch ist selbst Bergmann, hat 13 Jahre unter Tage gearbeitet. Und er kennt die Befindlichkeiten in der Region um Spremberg. Die Menschen hier sind froh, dass die Beeinträchtigungen durch den Braunkohlebergbau vorbei sind. Dass sich der Gestank des einstigen Gaskombinates Schwarze Pumpe nicht mehr über die Stadt legt. Dass sie nicht mehr mit Belastungen des Kraftwerkes Trattendorf oder der einstigen Sprelawerke leben müssen. Auf dem Bürgerforum schildert ein 1979 Zugezogener, dass er damals von der stinkenden Stadt erschüttert war. Das habe er nicht gekannt aus seiner Heimat im Thüringischen, wo Kupfererz abgebaut wurde. "Was uns jetzt bevorsteht", verkündet er mit viel Optimismus in den Saal, sei mit Sprembergs Vergangenheit überhaupt nicht vergleichbar.

Und dennoch bleiben kritische Fragen, von denen viele erst im Laufe der Genehmigungsverfahren erörtert und dann beantwortet werden können. So muss KSL salzhaltiges Wasser aus dem bis zu 1000 Meter tiefen Schacht abpumpen. Kann das Wasser in die ohnehin belastete Spree eingeleitet werden, will ein Einwohner wissen? "Das kommt auf den Salzgehalt an", erklärt Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt. KSL müsse die Belastungen bestimmen. Wenn der Salzgehalt zu hoch sei, "müssen andere Lösungen gefunden werden", gibt Genehr Auskunft und geht zugleich auf mögliche Auswirkungen auf Sprembergs Trinkwasserspeicher ein. Nach jetzigem Erkenntnisstand, so der Experte, werde der Wasserhaushalt vom Kupfererzabbau nicht betroffen. Doch auch dafür seien von KSL Nachweise vorzulegen.

Als Thomas Lautsch von der Lagerung des sogenannten Tailings - das sind Rückstände aus der Aufbereitung von Erzen, die in Form von Schlämmen vorliegen - informiert, kommen bei vielen Anwesenden Assoziationen an 200 Jahre Braunkohle auf. Lautsch erläutert: Entweder es müsse ein gut 40 Meter hoher, Pfannkuchen ähnlicher Berg auf einer Fläche von 160 Hektar (gut 300 Fußballfelder) in die Landschaft gebaut werden oder ein Tagebaurestloch kann mit Tailing gefüllt werden. Bei letzterer Variante würde das Material unter der Grundwasserline liegen. Für Experten ist das zurzeit kaum vorstellbar. Aber, so wird den Bürgern versichert, die Prüfungen hätten noch nicht einmal richtig begonnen.

Bürgermeister Klaus-Peter Schulze geht auf eine Frage zur Zukunft der Bahnlinie Görlitz - Cottbus ein. Zurzeit siecht die Strecke eher dahin, auch wenn ein zweispuriger Ausbau und Tempo 160 in Aussicht stehen. Der CDU-Politiker ist sich aber sicher, dass die Strecke mit einem Schienenanschluss von den KSL-Tagesanlagen an der B 156 zum Bahnhof Graustein deutlich an Gewicht gewinnen werde.

Wenn es eine Erkenntnis nach dem ersten Bürgerforum zur Spremberger Kupfer-Zukunft gibt, dann jene, dass es in der Stadt weder kategorische Ablehnung noch euphorische Aufbruchstimmung gibt. Das ist für KSL-Chef Lautsch kein Beinbruch. Dennoch wird er nicht müde stets zu wiederholen: "Wir haben keine unlösbaren Probleme, wir haben Chancen."