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Die Modedroge Crystal Meth erreicht Berlin und Potsdam

Rauschgiftfälle mit Crystal Meth haben in Berlin zugenommen. Foto: J. Carstensen/Archiv
Rauschgiftfälle mit Crystal Meth haben in Berlin zugenommen. Foto: J. Carstensen/Archiv
Potsdam/Cottbus. Cannabis, Ecstasy, Crystal Meth – illegale Drogen sind in Brandenburg weiter auf dem Vormarsch. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik 2015 hervor. Während in der Lausitz Crystal das größte Problem darstellt, sind es in Ost-Brandenburg Cannabis und Amphetamine. Bodo Baumert

Cannabis bleibt in der Drogenstatistik der Brandenburger Polizei weiter auf Platz eins. Rund die Hälfte der 8188 Rauschgift-Delikte im vergangenen Jahr entfallen darauf. Auf Platz zwei folgen die Amphetamine, darunter auch die Meth-amphetamine, wie Crystal Meth, das erst seit Mitte 2014 einzeln in der Statistik erfasst wird. Heroin, Kokain und Ecstasy hat die Modedroge aus Tschechien schon auf die hinteren Plätze verdrängt - Tendenz stark steigend. Binnen eines Jahres hat sich die Zahl der Crystal-Fälle von 274 auf 495 beinahe verdoppelt.

Damit ändert sich auch die Wahrnehmung. Galt Crystal noch bis vor Kurzem in der Landespolitik wie auch im Polizeipräsidium in Potsdam als reines Problem der südlichen Lausitz, setzt aufgrund der neuen Zahlen ein Umdenken ein. "Insgesamt ist eine leichte räumliche Streuung der Delikte im Zusammenhang mit Methamphetamin und den Erstkonsumenten von Crystal im Land Brandenburg erkennbar", räumt Karina Schulter, Sprecherin des Polizeipräsidiums in Potsdam, nun ein. Neben der Lausitz gebe es auch im engeren Verflechtungsraum zu Berlin zunehmend ein Problem. Selbst der bisher saubere Norden des Landes weist erste Fälle auf. "Jedoch gibt es immer wieder Händleraussagen aus dem nördlichen Brandenburg, dass Konsumenten in diesem räumlichen Bereich derzeit noch vor Crystal zurückschrecken", so Karina Schulter.

Gefahr zu lange ignoriert

Deutlich wird die Opposition im Landtag. "Die neuesten Zahlen zum Anstieg der Drogenkriminalität in Brandenburg verdeutlichen, wie groß der Handlungsbedarf der Landesregierung mittlerweile geworden ist. Viel zu lange haben SPD und Linke die wachsende Zahl der Drogenabhängigen ignoriert", kritisiert der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Raik Nowka. "Gerade der sprunghaft gestiegene Konsum der kreuzgefährlichen Droge Crystal Meth muss dabei ins Zentrum der Analyse gerückt werden."

Nowka fordert mehr Prävention und Aufklärung über Crystal Meth. In der Lausitz wird das schon versucht, allerdings bisher noch nicht mit großem Erfolg. In den Hochburgen Senftenberg und Cottbus steigen die Fallzahlen der Statistik zu Crystal weiter an, von 86 auf 172 im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Von 92 auf 141 in Cottbus.

Wer sind die Täter, die die Drogen verteilen? Hierzu hat die Polizei aus den Ermittlungen des vergangenen Jahres ebenfalls weitere Erkenntnisse gewonnen. "Bei den Händlerstrukturen wurde festgestellt, dass diese weiterhin hierarchisch organisiert sind und eine gut strukturierte Verteilung der Funktionen erkennbar ist", so Polizeisprecherin Karina Schulter. "Konkret kann gesagt werden, dass es sich zum Standard entwickelt hat, von verschiedenen Personen verschiedenartige Betäubungsmittel zu erwerben, um diese dann gewinnbringend weiterzuverkaufen." Auffällig sei, dass Personen, die mit der Beschaffung der Drogen beschäftigt sind, selbst nur selten etwas mit dem weiteren Vertrieb zu tun haben. "Man steht zwar im direkten Kontakt mit den Lieferanten, jedoch werden die Betäubungsmittel dann mittels Kurier abgeholt und an die Bunkerhalter weitergereicht", so Karina Schulter.