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| 01:06 Uhr

Die Märker leben länger

Die Märker leben länger: Die Lebenserwartung in Brandenburg ist seit 1991 deutlich gestiegen. Sie erhöhte sich bei Männern um 4,7 auf 73,7 Jahre, bei Frauen um 3,6 auf 80,5 Jahre. Die Frauen haben damit das westdeutsche Niveau erreicht, während die Lebenserwartung der Männer noch zwei Jahre unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt. Von THORSTEN METZNER

Das geht aus dem ersten Brandenburger Gesundheitsbericht „Zwei Geschlechter - zwei Krankheiten“ hervor, den Sozialminister Günter Baaske (SPD) gestern in Potsdam vorstellte. Ursache für den positiven Trend seien verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie moderne Standards in der medizinischen Versorgung.
Der 80-Seiten-Bericht des Landesgesundheitsamtes untersucht Unterschiede in Krankheitsraten von Frauen und Männern, die ,anders' krank seien. „Sie sind in Körperbau und Psyche unterschiedlich“ , erklärte Baaske. Das Gesundheitssystem müsse deshalb bei der Behandlung von Krankheiten stärker als bisher diese Geschlechter-Unterschiede beachten. So würden frauentypische Herzinfarkt-Symptome noch zu selten erkannt. Geschehe dies nicht, führe das zu einer nicht optimalen Versorgung, koste Geld und gefährde das Leben Betroffener.
Nach dem Bericht lassen sich Bran-denburger Frauen auch seltener krankschreiben als Männer. Der Krankheitsstand liegt mit 5,5 Prozent leicht niedriger als bei Männern (5,7 Prozent) - im Bundestrend ist das Verhältnis umgekehrt. Bei Selbsteinschätzungen im Rahmen bundesweiter Befragungen fühlen sich Brandenburger Frauen allerdings häufiger krank als Männer. „Männer denken zu oft: Indianer kennen keinen Schmerz und sind weniger bereit, zum Arzt zu gehen“ , sagte Baaske. Frauen gingen hingegen sensibler mit ihrem Körper um. Eine besondere Rolle spiele für Frauen die Doppelbelastung durch Beruf und Familie, da Frauen in Ostdeutschland im Vergleich zu den alten Ländern häufiger berufstätig sind. Andererseits sind Frauen - deren Selbstbewusstsein auch aus der Familie rühre - durch Arbeitslosigkeit gesundheitlich weniger belastet. Hingegen würden arbeitslose Männer häufiger an psychischen Beinträchtigungen, Magen-Darm-Beschwerden und Herz-Kreislauferkrankungen leiden. Auch rauchen arbeitslose Männer deutlich mehr als Frauen und flüchten sich häufiger in Alkohol.
Auf solche Wechselbeziehungen zwischen Gesundheit und sozialer Lage weist auch eine brisante Regionalstatistik im Bericht hin: Danach sterben Männer in den an hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung leidenden Randregionen auffallend häufiger bereits vor dem 65. Lebensjahr als im Berliner Speckgürtel. Während es bei Frauen kaum Unterschiede gibt, ist die vorzeitige Sterblichkeit von Männern in Potsdam - mit rund 30 Fällen je 10 000 Einwohnern und Jahr - landesweit am geringsten, gefolgt von den Speckgürtel-Kreisen Potsdam-Mittelmark und Oberhavel. Am höchsten ist das Sterberisiko in der Stadt Brandenburg an der Havel mit rund 50 Fällen und den Kreisen der Randregionen wie Oberspreewald-Lausitz (rund 50), Elbe-Elster (rund 46), Prignitz (rund 45) und Uckermark (rund 42). „Worauf die Unterschiede zurückzuführen sind, ist nicht eindeutig zu bestimmen“ , heißt es dazu in dem Bericht. Mögliche Ursachen seien soziale Faktoren, „Unterschiede in der ärztlichen Versorgung“ und der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.

Information zum Thema Mehr Risiko für Männer
Herzinfarkt: Statistisch liegt Brandenburg bundesweit vorn. Dies liegt auch am Flächenland, den weiten Wegen für Rettungsdienste. So vergehen durchschnittlich 220 Minuten bis zum Beginn der Behandlung im Krankenhaus - bundesweit sind es 180. Das Herzinfarktrisiko bei Männern ist deutlich größer als bei Frauen, wobei sie auch bereits in früherem Alter betroffen sind als Frauen. So starben im Jahr 2000 1618 Männer und 1351 Frauen an akutem Herzinfarkt.
Krebs: Brandenburger Männer erkranken häufiger an Krebs als Frauen. Im Jahr 2001 wurden 4575 Neuerkrankungen bei Männern festgestellt, bei Frauen waren es 4074 Fälle. Auffällig sind die Unterschiede bei Lungenkrebs: Auf eine betroffene Frau kommen 4,5 an Lungenkrebs erkrankte Männer. Hauptursache: Männer rauchen häufiger. Bei Frauen treten 40 Prozent aller Krebsfälle an Gebärmutter, Eierstock und Brustdrüsen auf. Beim Mann ist die Prostata häufig betroffen. Männer erkranken auch häufiger an Dickdarmkrebs, wobei ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel wichtigste Risikofaktoren sind.
Todesursache Verkehr: Brandenburg führt zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern die bundesweite Unfallstatistik an. Auf 100 000 Einwohner kommen 14 Vekehrstote - der Bundesdurchschnitt liegt bei acht. Männer sterben häufiger durch Verkehrsunfälle als Frauen. Dies liegt daran, dass Männer riskanter und häufiger unter Alkohol fahren sowie öfter wegen „Rasen“ geblitzt werden. Außerdem schnallen sich besonders junge Männer seltener an. Sie sind in Brandenburg eine „Hochrisikogruppe“ .