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| 18:30 Uhr

Berlin
Zehn Mal Missbrauchsverdacht seit 1991

Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg.
Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. FOTO: ZB / Anne Pollmann
Berlin. Die Evangelische Kirche will auch weiter zurückliegende Fälle aufarbeiten lassen. Von Benjamin Lassiwe

In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat es seit 1991 insgesamt zehn Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch gegeben. Das sagte Bischof Markus Dröge am Donnerstag vor der in Berlin tagenden Synode der 960 000 Gemeindeglieder in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen zählenden Landeskirche.

Der Verdacht habe sich gegen drei Pfarrer, einen Küster, zwei Erzieher, drei Kita-Mitarbeiter und ein ehrenamtlich aktives Mitglied eines Gemeindekirchenrats gerichtet. „Gegen die Pfarrer sind Disziplinarverfahren geführt worden“, sagte Dröge. „Zwei sind im Ruhestand, einer arbeitet nicht mehr im Gemeindedienst.“ Die übrigen kirchlichen Mitarbeiter seien „nach Verdachtserhärtung sofort entlassen“ worden, zudem sei Anzeige erstattet worden. Allerdings habe sich der Missbrauchsverdacht nicht in allen Fällen bestätigt.

Dröge sprach sich vor den Kirchenparlamentariern dafür aus, auch weiter zurückliegende Fälle aufzuarbeiten. „Ganz wichtig ist es, dass wir nicht selber zum Richter über das werden, was in unseren Einrichtungen geschieht, sondern dass wir bei erhärteten Verdachtsfällen immer auch die Staatsanwaltschaft einschalten“, sagte Dröge. Denn es sei Aufgabe der Staatsanwaltschaft, zu ermitteln, was tatsächlich passiert sei.

In der EKBO gebe es seit 2010 einen Handlungsplan zum Umgang mit sexuellem Missbrauch. Bei sich erhärtendem Verdacht werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Verdächtige würden bis zu einer Klärung vom Dienst freigestellt. Im katholischen Erzbistum Berlin waren bis September 77 Missbrauchsfälle aus der Zeit seit 1946 bekannt geworden. Dabei handelte es sich allerdings nur um Vorwürfe gegen Priester und Diakone. Kita-Mitarbeiter, Ordensangehörige oder Ehrenamtliche sind in dieser Zahl nicht enthalten.

In seinem „Wort des Bischofs“ bezog Dröge auch Stellung zur Situation in der Lausitz und zur Lehrer-Melde-Plattform der AfD. Der Bischof erinnerte daran, dass die Kirchenleitung der EKBO bereits im September kritisiert hatte, dass „derzeit zwar über unterschiedliche Vorstellungen eines Ausstiegsdatums aus der Kohleförderung debattiert wird, dass dabei aber nicht in ausreichendem Maße darüber verhandelt wird, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um zugleich den notwendigen Strukturwandel in den Kohleregionen zum Erfolg zu führen.“

Scharfe Kritik äußerte Dröge an den von der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ eingerichteten Lehrer-Melde-Plattformen. Die EKBO ist über ihre Schulstiftung Träger von insgesamt 32 evangelischen Schulen in Berlin und Brandenburg. „Mit den Spitzel-Plattformen zeigt die AfD in aller Klarheit, dass sie nicht an offener, demokratischer Kultur interessiert ist, sondern sich Schüler wünscht, die ihre Lehrer denunzieren“, sagte Dröge. „Wenn die AfD versucht, auf diese Weise Einfluss auf die Schule zu nehmen, dann sollte dies ein Anlass sein, sich im Unterricht noch kritischer als bisher mit dieser Partei auseinanderzusetzen.“