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| 18:52 Uhr

Waldumbau
Die Chance auf einen neuen Wald

Vitale Mischwälder als Ziel: Brandenburg sollte den Waldumbau konsequent fortsetzen, sagt Naturschutzwissenschaftler Pierre Ibisch.
Vitale Mischwälder als Ziel: Brandenburg sollte den Waldumbau konsequent fortsetzen, sagt Naturschutzwissenschaftler Pierre Ibisch. FOTO: Nicolas Armer
Eberswalde. Meterhohe Flammen, tagelang glimmende Glutnester: Brände setzen seit Wochen dem Brandenburger Wald zu. Ist ortsweise die grüne Lunge, der wichtige Raum für Fauna und Flora, damit verloren? dpa

Auch nach einem verheerenden Brand wie in den vergangenen Tagen in Brandenburg muss der betroffene Wald nicht komplett abgeschrieben werden. „Grundsätzlich kann er sich über natürliche Entwicklungen wieder erholen“, sagte der Naturschutzwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Je nach Schädigung dauere es aber Jahrzehnte, bis wieder ein produktiver Wald entstanden sei. Auf den verbrannten Flächen bestehe nun die Chance für einen ökologischen Waldumbau, und die müsse genutzt werden, betonte er. Dafür sei es wichtig, nicht mit Aktionismus vorzugehen, sondern mit Bedacht.

Brandenburg verfügt über 1,1 Millionen Hektar Wald. 70 Prozent des Baumbestandes sind Kiefern, die besonders anfällig für Brände sind. Seit vielen Jahren wird im Land der Waldumbau forciert: weg von reinen Kiefernwäldern, hin zu Mischwäldern mit vielen Laubbäumen. Das nehme Jahrzehnte in Anspruch, aber es sei auch nicht überall beherzt genug angegangen worden, sagte Ibisch. 84 000 Hektar sind nach Angaben des Brandenburger Forstministeriums bislang umgepflanzt worden.

Es hänge von vielen Faktoren ab, wie sich der Wald nach einem Brand entwickele. „Wie stark hat das Feuer gewütet und wie sind die örtlichen Bedingungen“, sagte Ibisch. Wenn das Feuer nur das Unterholz vernichtet habe, könne sich der Wald schneller erholen.

„Der Boden nach einem Brand ist in der Regel nährstoffreich. Das ist gut für das Pflanzenwachstum“, sagte er. In dem anfallenden Totholz werde Wasser gespeichert, und es schütze den Boden. „Das ist für die Zukunft wichtig, denn dies unterstützt die Pflanzen, die auf trockenen Sandböden aufwachsen müssen“, sagte Ibisch. Wichtig sei, die verbliebenen Waldstrukturen wie etwa noch lebende Bäume und Stümpfe klug zu nutzen. Mechanisches Bearbeiten und Pflügen der Flächen solle unbedingt vermieden werden.

„Die Erholung der Bestände hängt aber auch davon ab, wie sie in die Landschaft eingebettet sind“, sagte der Naturschutzwissenschaftler. „Sind sie umgeben von riesigen Monokulturen, gibt es wenig natürlichen Samenanflug, und es muss nachgepflanzt werden.“ Wichtig sei aber, auf keinen Fall neue Monokulturen anzulegen. Jetzt gebe es die Möglichkeit, einen vielfältigeren Wald zu begründen. Die Wälder müssten sich zunehmend an neue klimatische Bedingungen anpassen, betonte er. Aus waldökologischer Sicht seien Laubmischwälder zu empfehlen, auch wenn nicht klar sei, welche Arten in Zukunft erfolgreich sein können. „Laubwälder brennen nicht so schnell, sie trocknen nicht so stark aus“, sagte er.

Heimische Arten seien zu empfehlen. „Man muss auf bestimmten Flächen auch zulassen, dass die Wälder selbst experimentieren können“, betonte der Eberswalder Wissenschaftler. Es würde sich jetzt anbieten, in verschiedenen Bereichen eine spontane Waldentwicklung zuzulassen und von ihr zu lernen.