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Die Brücke bleibt Zukunftsmusik

Der Damm am Grenzfluss bei Aurith: Das Brückenprojekt ist angemeldet, eine Finanzierung des Baus vor 2030 aber offenbar unrealistisch.
Der Damm am Grenzfluss bei Aurith: Das Brückenprojekt ist angemeldet, eine Finanzierung des Baus vor 2030 aber offenbar unrealistisch. FOTO: dpa
Ziltendorf. Über die geplante Oderbrücke beim Ziltendorfer Ortsteil Aurith im Amt Brieskow-Finkenheerd hatte sich in den vergangenen Jahren ein Mantel des Schweigens gelegt. Manch einen Kritiker mag das gefreut haben. Janet Neiser

Doch das umstrittene Infrastrukturprojekt ist noch längst nicht abgeschrieben.

Als Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) kürzlich in Groß Lindow weilte, lag Amtsdirektor Danny Busse nicht nur die schlechte Ortsdurchfahrt auf dem Herzen. Er wollte auch wissen, wie denn der Stand zur geplanten Oderbrücke in Aurith ist. Schließlich gab es dazu vor einigen Jahren eine erhitzte Debatte. Nicht nur die Bürgerinitiative "Ziltendorfer Niederung" hatte sich stets klar gegen ein solches Millionenprojekt ausgesprochen, sondern auch das Amt Brieskow-Finkenheerd. Doch in den vergangenen Jahren redete keiner mehr über die Brücke zwischen Aurith und dem polnischen Urad. Sie schien schon fast vergessen.

Viel konnte Verkehrsministerin Schneider zu dem Projekt nicht sagen, aber das, was sie sagte, lässt bei manchem Kritiker sicherlich die Alarmglocken schrillen. "Der Oderübergang ist angemeldet im Bundesverkehrswegeplan", erklärte sie, fügte aber gleich hinzu, dass dieses Projekt bis zum Jahr 2030 nicht ausfinanzierbar sei. Durch die Anmeldung könnte allerdings weiter geplant werden. "Wir wollen die Linienbestimmung abschließen", sagte die Ministerin. Diese liege bald beim Bund vor. Das heißt, in Potsdam selbst ist die Brücke noch längst nicht ad acta gelegt.

Amtsdirektor Danny Busse verwies darauf, dass eine Planung nun noch schwieriger sein könnte, weil das Land die Ziltendorfer Niederung ja auch als möglichen Flutungspolder bei Hochwasser nutzen wolle. Und eine Ziltendorferin wollte wissen, warum man die Brücke nicht in oder bei Eisenhüttenstadt bauen würde. Dort mache sie doch viel mehr Sinn. Doch diese Diskussion ist bei den Landesplanungsbehörden längst abgeschlossen. Die haben sich auf den Bau einer Brücke bei Aurith festgelegt, und zwar schon Ende 2010 mit dem mit der polnischen Nachbarwoiwodschaft Lebuser Land durchgeführten Raumordnungsverfahren.

Dort waren vier Varianten geprüft worden, von denen eine näher bei Frankfurt und zwei näher bei Eisenhüttenstadt lagen. Im Ergebnis sei jedoch festgestellt worden, dass die Variante mit der Oderquerung bei Aurith die raum- und umweltverträglichste sei und auch von polnischer Seite favorisiert werde, hieß es damals aus dem Infrastrukturministerium, dem zum damaligen Zeitpunkt Jörg Vogelsänger (SPD) vorstand. Die Baukosten wurden mit knapp 22 Millionen Euro beziffert.

Aurith ist letztlich eine Kompromisslösung. Ursprünglich hatten sowohl die Stadt Frankfurt als auch Eisenhüttenstadt Bedarf für je eine neue Verbindung angemeldet. Später war daraus der Vorschlag für eine Brücke zwischen beiden Städten geworden, woraufhin das Raumordnungsverfahren mit Polen eingeleitet wurde.

Die Bewohner des Amtes sind vor allem aus umweltpolitischen Gründen gegen eine solche Brücke, über die nicht nur Radfahrer, sondern eben auch Autos und Schwerlasttransporter rollen würden. Die unberührte Auenlandschaft würde dadurch zerstört, sagten und sagen viele. Zudem müsste die kleine Straße zwischen Ziltendorf und Aurith aufgrund der Hochwasser-Gefahr nicht nur höher gelegt, sondern auch ausgebaut werden. Ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Die Beschlusslage im Amt Brieskow-Finkenheerd ist klar, sagt Danny Busse: "Das Amt lehnt die Variante in Aurith ab."

Statt einer Brücke wünscht sich die Mehrheit der Bewohner eine umweltverträgliche Fährverbindung zwischen Aurith und Urad. Doch die liegt momentan aufgrund von Unstimmigkeiten bei der Finanzierung und über die Projektleitung auf Eis.