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Die Brandenburger Polizei rüstet auf

Eine Internetseite für Schusswaffen eines Shops im Darknet (Dunkles Netz) ist im Landeskriminalamt in Eberswalde auf einer Pressekonferenz über das neu geschaffene Cyber-Competence-Center zu sehen.
Eine Internetseite für Schusswaffen eines Shops im Darknet (Dunkles Netz) ist im Landeskriminalamt in Eberswalde auf einer Pressekonferenz über das neu geschaffene Cyber-Competence-Center zu sehen. FOTO: dpa
Eberswalde. Kriminelle haben das Internet als lukrative Einnahmequelle für sich entdeckt. Ob in Darknet-Waffenshops oder mit Schadsoftware: Cyberkriminelle verursachen laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Jahr für Jahr einen Milliarden-Schaden. Georg-Stefan Russew

"Es gibt ein hohes Dunkelfeld. Bislang werden nur fünf bis sieben Prozent der Cybercrime-Fälle entdeckt beziehungsweise angezeigt", erklärte der Chef des Brandenburger Landeskriminalamts (LKA), Dirk Volkland, gestern . Daher habe die märkische Polizei reagiert und und ein eigenes Cyber-Kompetenzzentrum am LKA gegründet.

"Im Rahmen der neuen digitalen Herausforderungen haben wir bemerkt, dass wir neue Kompetenzen bündeln müssen", betonte Volkland. Insgesamt sollen bis zum Jahresende 63 Spezialisten Jagd auf Internetkriminelle machen. "Im Internet ist nichts plastisch. Hier liegen keine Kokstüten auf den Tischen. Im Web ist alles virtuell. Deshalb müssen wir hier anders arbeiten", betonte Präsidiumssprecher Torsten Herbst. Deshalb gibt es bereits seit 2008 eine kleine Gruppe von Experten im LKA, seit 2011 die Fachdienststelle 121. "Jetzt haben wir die Dienstposten im neuen Kompetenzzentrum verdoppelt", fügte Volkland an.

In Zeiten des Darknet wandern Drogengeschäfte mehr und mehr in die Tiefen des Internets ab. Über Webshops können neben Kokain, Cannabis oder Crystal auch vollautomatische Waffen gekauft werden. "Es gibt im Darknet eine wahre Flut von Seiten, wo zum Beispiel auch Auftragsmörder geordert werden", erklärte Kriminalhauptkommissar Denny Speckhahn, Chef des neuen Cybercrime-Centers.

Zuletzt konnten die Eberswalder einem 29-jährigen Brandenburger das Handwerk legen, der über das Darknet Drogen verkaufte. "Das läuft ähnlich wie bei bekannten Online-Händlern wie Amazon ab: Der Käufer surft auf die Seite, wählt seinen Stoff aus, bezahlt per Kryptowährung Bitcoin und bekommt die heiße Ware per Post nach Hause", erklärte Speckhahn. Da im Darknet alles über Verschlüsselung läuft, sei es für die Ermittler nicht leicht, Täter zu fassen. Im Fall des 29-Jährigen sei es aber gelungen, seinen Rechner mit seinen Passwörtern zu übernehmen und ihn dingfest zu machen.

Beliebt bei Hackern ist auch die Kaperung von Rechnern mithilfe von Ransomware und der späteren Erpressung des PC-Besitzers. Bekanntester Fall in Brandenburg waren die gehackten Rechner in der Gemeinde Milower Land. Bei all den Problemen: "Ich will deshalb aber nicht das Darknet abschaffen. Menschen müssen auch über verschlüsselte Kanäle die Möglichkeit haben, sich zu bewegen", hob der LKA-Chef hervor.