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| 18:45 Uhr

Berlin-Brandenburg
Die Baustelle BER auf dem Weg zur Normalität

Rainer Bretschneider ist inzwischen nur noch Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft.
Rainer Bretschneider ist inzwischen nur noch Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft. FOTO: dpa / Soeren Stache
Potsdam. Im brandenburgischen Sonderausschuss tauchen die ersten Silberstreifen am Horizont des künftigen Großflughafens auf. Von Benjamin Lassiwe

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. So war es im Januar 2013 auch in Brandenburg: Damals war die letzte gescheiterte Eröffnung des Großflughafens BER gerade ein halbes Jahr her. Und Politik und Öffentlichkeit hatten keine Ahnung, wie es mit dem Projekt wohl weitergehen würde. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte damals Verkehrsstaatssekretär Rainer Bretschneider zum Flughafenkoordinator gemacht, extra für ihn einen besonderen Posten in der Staatskanzlei geschaffen.

Als gestern der Sonderausschuss BER wieder im Potsdamer Landtag zusammentrat, konnte man merken: Die Ausnahmesituation ist wohl vorbei. Denn neben der Vorsitzenden Jutta Lieske (SPD) saß gestern erstmals der Chef der Staatskanzlei, Martin Gorholt (SPD). Seit Bretschneider als Staatssekretär zum 1. Juli in den Ruhestand ging, ist der bisherige Flughafenkoordinator nur noch als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft tätig. Bretschneiders Aufgaben in der Staatskanzlei werden von Gorholt mit übernommen. „Als Chef der Staatskanzlei bin ich für die Koordinierung vieler Themen zuständig, auch für den Bereich der Flughafenkoordinierung.“

Diese Normalisierung eines außergewöhnlichen Zustands passt zum Gesamteindruck, dass sich der BER allmählich auf einem guten Weg befindet. „Am Ende bestand der Eindruck, dass wir den Eröffnungstermin 2020 nach wie vor schaffen“, berichtete Bretschneider aus der letzten Aufsichtsratssitzung. Allerdings müssten bei den Kabelgewerken noch größere Anstrengungen geschafft werden. „Wir haben dort sehr differenzierte Arbeiten zu erledigen und kleinteilige und kleinstteilige Prüfungen zu absolvieren“, sagte Flughafengeschäftsführer Engelbert Lütke-Daldrup. So gebe es eine Vielzahl kleinteiliger Mängel bei den Sicherheitsbeleuchtungen und Sicherheitsstromversorgungen. Manche Dinge müssten schlicht „handwerklich in Ordnung gebracht werden“, etwa wenn irgendwo ein falscher Dübel verbaut worden sei. Es gebe aber auch Mängel, für die neue Dokumentationen nötig seien oder Gutachten erstellt werden müssten. „Es gibt Mängel, die die Betriebssicherheit und Wirksamkeit betreffen, und es gibt Mängel, die die Ordnungsgemäßheit der Anlage betreffen.“ Insgesamt zeigte sich Lütke-Daldrup im Ausschuss aber optimistisch. Man rechne mit einer Freigabe von Anlagen wie der Entrauchungs- und Sprinkleranlage im März 2019. „Der Terminplan hat sich deutlich stabilisiert“, sagte Lütke-Daldrup. Man rechne damit, dass man im Mai/Juni mit den Wirkprinzip-Prüfungen der Anlagen beginnen könne. „Mit Stand heute ist der Eröffnungstermin des Flughafens im Oktober 2020 nicht gefährdet.“ Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Axel Vogel, war da am Montag allerdings skeptischer. „Das kann man auch anders ausdrücken“, sagte der Politiker, der offenbar aus Schaden klug geworden ist. „Man kann derzeit noch nicht ausschließen, dass der Flughafen im Herbst 2020 eröffnet wird.“