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| 16:12 Uhr

Landtag
Dicke Luft auf Flughöhe Null

Potsdam. Im Potsdamer Landtag wurde wieder einmal über den BER gestritten. Von Benjamin Lassiwe

Wieder einmal ging es um den Pannenflughafen BER. Doch dieses Mal platzte der Opposition im Potsdamer Landtag der Kragen. Einen Tag, bevor der Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft den neuen Termin für die Eröffnung des Pannenflughafens BER bekanntgegeben will, machten sich Abgeordnete von CDU und Grünen im Rahmen einer von den Christdemokraten beantragten „Aktuellen Stunde“ mit deutlichen Worten Luft.

Die Amerikaner sind früher wieder auf dem Mond als wir auf einem fertigen Flughafen“, erklärte etwa der Finsterwalder CDU-Landtags-
abgeordnete und Verkehrsexperte Rainer Genilke. Selbst wenn das Terminal eines Tages einmal fertig würde, werde es wohl Chaos geben. „Ich glaube Ihnen nichts mehr“, sagte Genilke an die Adresse von Landesregierung und Flughafengesellschaft gerichtet.

Deutlicher noch wurde der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Axel Vogel. Er forderte einen Baustopp am Terminal und eine Ausgliederung des Bauvorhabens in eine eigene Gesellschaft. „Im Extremfall kann am Ende auch der Abriss des Gebäudes und völlige Neuplanung und Errichtung durch einen Generalauftragnehmer stehen“, erklärte Vogel.

„Weil der Flughafen zur Entlastung von Tegel und aus Kostengründen aber so schnell wie möglich in Betrieb genommen werden soll, brauchen wir jetzt einen klaren Schnitt.“ Doch auch im rot-roten Regierungslager herrschte am Donnerstag Ernüchterung vor. Der SPD-Abgeordnete Helmuth Barthel, der sich früher einmal schon für einen Weiterbetrieb Tegels als Regierungsflughafen ausgesprochen hatte, musste einräumen, dass der Neubau „kein Ruhmesblatt“ für die beteiligten Bundesländer sei. Auch einen privaten Investor, der das Terminal weiterbaut, könne er sich nun vorstellen.

Dagegen erklärte der Flughafenstaatssekretär der Landesregierung, Rainer Bretschneider, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, er sei der festen Überzeugung, dass das Terminal in Betrieb genommen werden könne.

Skepsis kam auch aus Wirtschaftskreisen: Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck, machte deutlich, dass die immer wieder hinausgeschobene Eröffnung dem Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg schon erheblich geschadet habe. „Das Thema hängt der Region in der öffentlichen Wahrnehmung wie ein Mühlstein um den Hals“, so Amsinck.

Mit jedem Tag, an dem der BER nicht in Betrieb ist, verschenkten Berlin und Brandenburg Chancen, vor allem bei der Entwicklung des Flughafen-Umfelds. Nötig sei nun ein erfahrener Baufachmann als Geschäftsführer der Flughafengesellschaft.

„Er muss die Mängel am Hauptterminal zügig beseitigen und zudem den Masterplan für die Kapazitätserweiterung des BER-Flughafens umsetzen.“