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Tagebau-Seenkette
Alleinstellungsmerkmale im Lausitzer Seenland

Andreas Otto ist aus Berlin nach Halbendorf gekommen, so wie 14 weitere Fahrer, um hier die Rennboote das erste Mal 2016 zu testen.
Andreas Otto ist aus Berlin nach Halbendorf gekommen, so wie 14 weitere Fahrer, um hier die Rennboote das erste Mal 2016 zu testen. FOTO: Gabi Nitsche
Hoyerswerda/Cottbus. Ideen der IBA Fürst-Pückler-Land werden auch Jahre danach noch Realität. Das Speedboot-Zentrum ankert jetzt auf dem „lauten See“ vor Hoyerswerda. Von Christian Taubert

Im Lausitzer Seenland naht das Saisonende. Doch für Touristiker gibt es keine Winterruhe. Vielmehr wird an Ideen getüftelt, die Saison zu verlängern oder Attraktionen in die Region zu holen. Schließlich sollen Gäste angezogen und mit guter Qualität verwöhnt werden. „Dazu gehört es, dass wir auch unsere Herbergsmütter, Freizeitanbieter und Gästeführer auf eine ganztägige Informationstour durch das neue Reiseland in der Bergbaufolgelandschaft mitnehmen und ihnen zeigen, was sie nur vom Hörensagen kennen“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, Marcus Heberle.

Dieses Jahr war aus Sicht von Heberle auch ein Erfolg. Der Reisebus sei proppevoll gewesen, als die ausgewählten Attraktionen der jungen Urlaubsregion angesteuert wurden: der kurz vor seiner Nutzung stehende Partwitzer See, die „Glück-Auf-Ausstellung“ im Container in Lieske am Sedlitzer See, die Gartenstadt Marga in Brieske, das Hafencamp am Senftenberger See mit den neuen Baumhäusern und der Erlebnishof Krabatmühle in Schwarzkollm. „Touristen erwarten, dass sie auch von den Mitarbeitern der Herbergen konkrete Auskünfte zu Ausflügen in die nahe Region erhalten. Dazu wollen wir mit unserer inzwischen dritten Tour beitragen“, sagt Heberle.

Übrigens setzt auch der Spreewald unter der großen Überschrift Qualität seit dem Jahr 2015 auf jene speziellen Führungen exklusiv für Anbieter touristischer Leistungen. An den bisher fünf Terminen hätten nach Angaben von Tourismusverbandschefin Annette Ernst insgesamt 300 Fachleute aus touristischen Wirtschaftszweigen teilgenommen. Am 8. November geht es erneut auf Tour, um die Angebote und Eigenschaften der Oberspreewald-Orte Straupitz und Neu Zauche zu entdecken.

Während der Spreewald eher die Tradition vermarktet, kommt das Lausitzer Seenland mit immer neuen Attraktionen in Fahrt. Markus Heberle verweist auf den Großräschener See, der im Westen der zehn schiffbar verbundenen Kette von Seen im Jahre 2018 seinen Endwasserstand erreicht. Dort werde es ein Jahr der Zwischennutzung geben, bevor 2019 durchgestartet werden soll. Das Umfeld an der Großräschener Hafenkante präsentiert sich dabei mit IBA-Terrassen, Aussichtspunkt Victoria-Höhe, Allee der Steine oder Seehotel als Alleinstellungsmerkmal. In diesem Sinne geht unterdessen im Jahre 2018 eine Idee der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pücklerland (2000 bis 2010) vor Anker, die ebenfalls dieses Prädikat verdient: Am Spreetaler See – im sächsischen Ostzipfel des Lausitzer Seenlandes beginnen 2018 die Arbeiten für ein Speedboot-Nachwuchsleistungszentrum. An dem See, der im Wesentlichen dem ehemaligen Tagebau Spreetal-Nordost entspricht, soll künftig der Nachwuchs für diese Sportart bundesweit ausgebildet werden. Für Marcus Heberle, der im länderübergreifenden Tourismusverband auch für die Projektentwicklung verantwortlich zeichnet, gehört der scharfe Start am östlichsten der Seen im Inneren des Seenlandes zu den deutlichsten Fortschritten. Schon im Jahr 2019 könnten die Fans dieser Sportart auf ihre Kosten kommen, wenn mit den bis zu 1000 PS starken „Powerbooten“ die ersten Wettkämpfe vor den Toren von Hoyerswerda ausgetragen werden.

Für den  Deutschen Motoryachtverband und den ADAC ist das eine einzigartige Gelegenheit, diesen Sport in Deutschland auszuüben. Denn zum Teil musste  schon im Ausland trainiert werden. Am Ufer des „lauten Sees“ an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg wird der komplett bestätigte Bebauungsplan für das Speedboot-Areal jetzt umgesetzt.

 „Wir haben mehr als zehn Jahre um diesen See gerungen“,  sagt der Bürgermeister von Spreetal (Landkreis Bautzen) Manfred Heine. Aber es habe sich gelohnt.  Sport und Naturschutz seien unter einen Hut gekommen. „Und wir werden unser angestrebtes Alleinstellungsmerkmal haben.“

Powerbootstart im Stralsunder Hafen. Im Jahr 2019 soll es das Rennen auf dem Spreetaler See geben.
Powerbootstart im Stralsunder Hafen. Im Jahr 2019 soll es das Rennen auf dem Spreetaler See geben. FOTO: Stefan_Sauer / dpa