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| 12:54 Uhr

Wetter
Der Regen kommt, das Niedrigwasser bleibt

Niedrigwasser an der Oder. Schifffahrt ist weiter nicht möglich.
Niedrigwasser an der Oder. Schifffahrt ist weiter nicht möglich. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Cottbus/Berlin. Die niedrigen Pegel an Spree, Neiße und Elbe bereiten zunehmend Sorgen. Besserung ist nicht in Sicht, auch wenn es endlich regnen soll. Von Bodo Baumert

45 Zentimeter Wasser am Pegel Podrosche an der Neiße, 43 in Klein Bademeusel, 87 Zentimeter in Guben. An der Neiße herrscht seit Wochen Niedrigwasser. Ähnlich sieht es an der Elbe aus. Dort und auf der Oder können weiterhin keine Güterschiffe fahren. Das teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde auf Anfrage mit.

Schon seit dem Frühsommer verkerren wegen fehlenden Regens und extremem Niedrigwasser keine Schiffe. Die Wasserstände bewegten sich konstant auf sehr niedrigem Niveau. Das Amt könne auf dem Oder-Grenzfluss zum Teil gar keine Tauchtiefen mehr messen, weil die Wasserfahrzeuge an die Stellen nicht herankommen.

Krisengipfel zur Spree am Montag

Ähnlich dramatisch sieht es an der Spree in Berlin aus. Nach monatelanger Trockenheit ist der Wassernachschub bereits so gering, dass die Fließrichtung der Spree sich teilweise umgekehrt hat: „Die Spree dümpelt rückwärts“, berichtet Derk Ehlert aus der Berliner Umweltverwaltung.

Am Montag soll es ein Krisengespräch mit Brandenburg und Sachsen geben. Denn noch sichert die Zufuhr aus den Speichern und Talsperren Berlin und den Spreewald ab. Das hatten Experten bisher aber nur bis Ende Oktober garantieren wollen.

Von den Oberläufen in Polen und Tschechien ist kaum Nachschub zu erwartet. Dort zeigen die Pegel ebenfalls seit Wochen Niedrigwasser auf konstant geringem Niveau.

Hoffen auf Regen

Um so dringender blickt alles nach oben. Wo bleibt der Regen? Er kommt. Das Hoch „Wolfgang“, das für die vergangenen sonnigen Herbsttage verantwortlich war, „beginnt über dem europäischen Kontinent zu schwächeln“, erklärte der Deutsche Wetterdienst am Sonntag. Stattdessen bilde sich allmählich eine kräftige nordwestliche Strömung aus, die frische Luft aus Island in Richtung Mitteleuropa treibe.

Von Nordwesten her zieht starke Bewölkung auf und für Norddeutschland wird leichter Regen erwartet. Ab Montag, spätestens Dienstag erwarten die Meteorologen Regen von der Nordsee bis Brandenburg.

Aktuelle Wettermodelle sahen am Sonntag erste kurze Regenschauer ab Montagnachmittag für die Lausitz vor. Ab Dienstagmittag ist weiterer Niederschlag zu erwarten.

Der wird allerdings kaum ausreichen, um die trockenen Böden oder die Flüsse kurzfristig aufzufüllen. Derzeit sind rund 70 Prozent der Fläche Deutschlands von extremer Trockenheit betroffen. Besonders stark ist das in der südlichen Rheinland-Pfalz, in Brandenburg und Sachsen-Anhalt zu sehen. In Bayern und Hessen hingegen sind die Böden auf das Jahr hochgerechnet noch vergleichsweise feucht.

„1947 war bisher das Maß aller Dinge“, sagt Agrarmeteorologe Hans Helmut Schmitt vom Deutschen Wetterdienst. Auch 1921, 1976 und 1991 seien ungewöhnlich trockene Jahre gewesen. Wo sich 2018 einreiht, stehe erst Ende des Jahres endgültig fest. „Was die Wärme angeht, fahren auf der Überholspur – was den Regen angeht, auf der Standspur“, sagt Schmitt.