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| 02:44 Uhr

Der RE 2 steuert auf Krisengipfel zu

Damit der RE 2 immer so pünktlich ist, soll ab Dezember ein neuer Fahrplan her. Doch an dem Entwurf entzündet sich heftige Kritik.
Damit der RE 2 immer so pünktlich ist, soll ab Dezember ein neuer Fahrplan her. Doch an dem Entwurf entzündet sich heftige Kritik. FOTO: Ch. Taubert
Cottbus/Potsdam. Ein RUNDSCHAU-Interview mit Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) löst heftige Reaktionen aus. Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verbänden wehren sich vehement gegen die Schließung dreier Bahnhalte in der Lausitz. Das Thema soll jetzt das Landesparlament erreichen. Christian Taubert

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus ist es außerordentlich bedauerlich, dass die Ministerin bei der Begründung der Teilstilllegung der Bahnhofshalte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz die Wirtschaft in der Region völlig außen vor gelassen habe. Es werde keine Antwort gegeben, wie etwa Radtouristen - die von Bussen nicht mitgenommen werden - Raddusch oder Kunersdorf erreichen. "Wie so oft wird von der Politik vergessen, auf die Unternehmerschaft einzugehen", erklärt IHK-Verkehrsexperte Jens Krause. "Dabei ist sie es, die Wertschöpfung generiert, Steuern zahlt und Arbeitsplätze schafft."

Der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnet es als "regelrechten Unsinn zu glauben, dass mit den Schließungen der drei Haltepunkte der Regionalexpress 2 auch nur den Hauch einer größeren Pünktlichkeit bekäme". Das Fachverständnis des Ministeriums sollte eigentlich ausreichen zu erkennen, betont Landeschef Dieter Doege, dass die Zeitprobleme im Nordwesten und auf der Stadtbahn in Berlin nicht in der Lausitz gelöst werden können. "Die sind nur dort zu lösen, wo sie entstehen - zwischen Ludwigslust und Berlin-Ostbahnhof", erklärt Doege.

Regionen nicht ausspielen

Zugleich wehrt sich der Verbandschef gegen den Versuch, die Prignitz gegen die Lausitz und umgekehrt auszuspielen. "Das ist ein ganz schlechter Stil gegenüber dem privaten Betreiber des RE 2, der sich redlich müht, seine Fahrgäste zufriedenzustellen."

Vor diesem Hintergrund fordert der Deutsche Bahnkundenverband (DBV) "ein grundsätzliches Umdenken bei den Anforderungen an die Verkehrsunternehmen und den Fahrplan". DBV-Landeschef Frank Böhnke macht deutlich: "Anstatt nur an den Symptomen ein wenig herumzudoktern, brauchen Berlin und Brandenburg ein neues Regionalbahnkonzept." Pro Bahn verlangt einen sofortigen Stopp der Umsetzung des VBB-Fahrplanvorschlages ab Dezember 2015 für den RE 2 und stattdessen neue Fahrplanverhandlungen.

Der Finsterwalder CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Genilke will dafür im Potsdamer Landtag ein Forum schaffen. "Wir brauchen ein Sachgespräch mit allen Beteiligten, um letztlich die drei Haltepunkte nicht abbestellen zu müssen", sagt Genilke. Von der Ministerin fordert die CDU-Opposition ein Mobilitätskonzept für den Regionalverkehr. Drei Haltepunkte zu opfern, um vier Minuten Zeit einzusparen und dann "als Ministerin zu hoffen, dass der RE 2 pünktlicher verkehrt - das ist ein Offenbarungseid", bezieht sich der Verkehrsexperte auf eine Aussage im RUNDSCHAU-Interview.

Darin hatte Brandenburgs Infrastruktur-Ressortchefin Kathrin Schneider erklärt, dass der RE 2 von Cottbus über Berlin nach Wismar mit dem Fahrplanwechsel im Dezember pünktlicher werden soll. Dafür nimmt sie auch die Teilstilllegung dreier Bahnhalte in der Lausitz in Kauf.

"Wir schließen keine Halte"

Zugleich wehrte sie sich, von Schließung der Haltepunkte zu sprechen. "Wir schließen keine Halte. In Kunersdorf, Kolkwitz und Raddusch halten alle Züge vor 7 und nach 22 Uhr", betonte die SPD-Politikerin. Für die übrige Zeit des Tages werde es ein Buskonzept geben. Zurzeit würden 70 Prozent der Züge des RE 2 fahrplangerecht verkehren. Mit dem neuen Fahrplan "hoffe ich sehr, dass der RE 2 pünktlicher wird", sagte Schneider.

Der IHK Cottbus ist es zusätzlich ein Dorn im Auge, dass in dem Ministerinterview über das Kappen der Direktanbindung mit der Regionalbahn 19 aus der Westlausitz an den Flughafen Schönefeld/BER hinweggegangen wird. "Diesen Fakt mit dem RE 2 und dessen Umsteigezeit in Königs Wusterhausen zu vermischen, geht an der Realität und an den wirklichen Problemen ab Dezember 2015 klar vorbei", sagt Krause.