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Brandenburg
Der neue General in Brandenburgs SPD

Erik Stohn (r.) setzt gegenüber den Abgeordneten in den Kommunen auf Dialog. Genau den hatten sie bei Dietmar Woidke zuletzt vermisst.
Erik Stohn (r.) setzt gegenüber den Abgeordneten in den Kommunen auf Dialog. Genau den hatten sie bei Dietmar Woidke zuletzt vermisst. FOTO: Benjamin Lassiwe
Potsdam. Erik Stohn soll auf die zurückgetretene Klara Geywitz folgen. SPD-Vorstand nominiert 33-Jährigen einstimmig.

Erik Stohn trägt einen roten Pullover und blaue Jeans, als er am Montag abend neben Dietmar Woidke vor die Kameras der Potsdamer Journalisten tritt. Es gilt, den bislang größten Karrieresprung des 33-jährigen Jüterbogers zu verkünden: Erik Stohn wurde auf Vorschlag von Ministerpräsident Dietmar Woidke vom Landesvorstand einstimmig als Nachfolger von Klara Geywitz als Generalsekretär der Brandenburger SPD nominiert. Am 18. November soll der in Potsdam tagende Landesparteitag Stohn dann in dieses Amt wählen.

„Damit werden wir auch nächste Woche auf dem Landesparteitag eine gute Basis für ein gutes Ergebnis haben“, sagte Woidke. Stohn gilt als ehrgeizig, als jemand, der auch schon einmal mit dem Kopf durch die Wand will – etwa im Bundestagswahlkampf, als er versuchte, im später von Dietlind Tiemann (CDU) gewonnen Bundestagswahlkreis Brandenburg an der Havel gegen Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg (SPD) anzutreten. Und dass, obwohl Rautenberg der erklärte Wunschkandidat des damaligen Bildungsministers Günter Baaske war, der im Fläming zu Hause ist. Von 2013 bis 2015 war Stohn Landesvorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, unter Klara Geywitz wurde er zum Mitgliederbeauftragten der SPD. Dass Dietmar Woidke ihn anrufen und fragen würde, ob er für den Posten des Generalsekretärs zur Verfügung stehen würde, konnte man am Wochenende ahnen, nachdem der Innenpolitiker Daniel Kurth absagte. Kurth wird zudem sein Mandat als stellvertretender Landesvorsitzender der Brandenburger SPD niederlegen – denn die SPD hat eine Frauenquote in ihren Gremien. Stattdessen nominierte der Landesvorstand ebenfalls auf Vorschlag Woidkes Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner für den Posten der stellvertretetenden Landesvorsitzenden. Sie ist zugleich Vorsitzende der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft für Kommunalpolitik – nach der gescheiterten Kreisreform sucht die Partei also die Nähe zu den Kommunen.

Während der Sitzung des Landesvorstands gab es indes auch Kritik an Woidke. Mehrere Mitglieder beklagten die schlechte Kommunikation in der SPD, mindestens einmal wurde auch der Rücktritt des Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten gefordert. „Demokratie lebt von Mitmachen, aber auch vom Dialog“, sagte der designierte Generalsekretär. „Wir müssen uns darin verbessern, diesen Dialog zu führen.“ So müssten auch die Abgeordneten in den Kreistagen und Gemeinderäten wissen, was Landesregierung und Fraktion in Potsdam machten. Genau daran hatte es beim Rückzug Woidkes von der Kreisgebietsreform gefehlt. „Ich glaube, dass das Wichtigste das Reden, Zuhören und in der Fläche präsent sein ist“, sagte Stohn und machte den für viele Potsdamer vermutlich unerwarteten Vorschlag, Landesvorstandssitzungen auch in der Fläche des Landes, etwa in Finsterwalde oder Perleberg durchzuführen. Am Montag abend sprach jedenfalls viel dafür, dass Woidke die schlimmste Krise der Brandenburger SPD seit langem einigermaßen umschiffen konnte. Sollten Stohn und Hübner vom Parteitag gewählt werden, kann sich die Sozialdemokratie wieder auf andere Themen konzentrieren. Schon im nächsten Jahr stehen schließlich diverse Landratswahlen an, die bislang noch völlig unvorbereit sind: Sie sind die erste große Aufgabe für Erik Stohn.