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Der Muskauer Park: Mehr als eine Heldensage

Das schöne Wetter hat diese Gruppe Radler aus Cottbus ausgenutzt, um durch den Muskauer Park zu fahren. Sie waren begeistert, wie schön hier alles geworden ist.
Das schöne Wetter hat diese Gruppe Radler aus Cottbus ausgenutzt, um durch den Muskauer Park zu fahren. Sie waren begeistert, wie schön hier alles geworden ist. FOTO: Weiß
Bad Muskau. 200 Jahre nachdem Hermann Graf von Pückler-Muskau seinen visionären Parkaufruf gestartet hatte, soll von Bad Muskau aus die nächste Landschaftsoffensive starten. Sie gilt dem Muskauer Faltenbogen. Regina Weiß

Das "Geburtstagskind" zieht in diesen Tagen sein "Festkleid" an. "Es ist großartig, diesen frisch aufbrechenden Park zu sehen. Man kann sich dabei immer wieder frisch verlieben", kommt Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park, am Mittwoch im Neuen Schloss regelrecht ins Schwärmen. Dorthin war eingeladen worden, um das Programm für die Festwoche 200 Jahre Muskauer Park vorzustellen.

Dabei soll laut Panning "nicht die Heldensage aufs Neue gesungen werden". Wobei Geschichten aus der Geschichte von Stadt und Park durchaus eine Rolle spielen werden, ebenso aber Neues, Modernes. Dazu gehört, dass von Bad Muskau aus "zur nächsten Landschaftsoffensive geblasen wird".

So wie der Fürst Visionen in seinem Neißetal umsetzte und aus Lausitzer Landschaft mit vielen Helfern einen Diamanten schliff, soll sich das beim Rohdiamanten Muskauer Faltenbogen wiederholen. Dieses 600 Quadratkilometer große Gebiet wird zu den landschaftlich schönsten Endmoränen gezählt. Der Muskauer Park sozusagen als Blaupause für den Landschaftsabschnitt zwischen Döbern, Weißwasser und Tuplice.

Kommunalpolitiker und Vertreter von Vereinen und Institutionen aus Brandenburg, Sachsen und Polen werden am 1. Mai - dem 200. Jahrestag von Pücklers Parkaufruf - mit ihrer Unterschrift bekunden, an einem Strang ziehen zu wollen. "Wir freuen uns darauf und hoffen auf neue Akzente", so Nancy Sauer, Leiterin der Geoparkgeschäftsstelle in Döbern.

Geht es nach Cord Panning, dann sollte ein solches Projekt noch mehr können, nämlich die Identität fördern. Auf diese Ebene begeben sich zum zweiten Mal 19 Studenten der Akademie der Künste Warschau. Im Rahmen des "Muskau Art Projects - auf der Suche nach der Identität des Ortes" haben sie Menschen aus Bad Muskau und Leknica porträtiert. Diese Bilder sind Teil einer Ausstellung und bilden den Kontext zu historischen Lithografien. Zu sehen ist die Schau ab 2. Mai im Kavalierhaus (Eröffnung um 17 Uhr im Festsaal).

Auch am 2. Mai wird um 19 Uhr das Grab des Unbekannten im polnischen Parkteil nach seiner Sanierung eingeweiht (Start am Viadukt). Dieses wurde 1832 unter Pückler angelegt und zwischenzeitlich zerstört. Neben Gartenkunst hatte Pückler auch ein Faible für Staffagen. Panning freut sich über die Wiederherstellung des Grabmales. "So wird der romantische Zeitgeist widergespiegelt."

Romantisch wird es auch am 5. Mai. Dann wird um 17 Uhr die Ausstellung "Sächsische Landschaften von Johann Alexander Thiele" eröffnet. Das ist die erste Kooperation zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Stiftung. "Damit bringen wir wieder eine ganz andere Saite des Schlosses zum Klingen", so Panning. Denn mit historischen Schätzen kann das wieder aufgebaute Haus nicht aufwarten. Um so froher sind die Muskauer über die Ausstellung des sächsischen Nationalmalers Thiele oder die Initiative von Hermann Graf von Pückler. Dieser stellt für eine Schau im Rittersaal das historische Tafelsilber zur Verfügung. Zu sehen ab 1. Mai 14 Uhr.

Graf Pückler ist auch zu Gast, wenn am 3. Mai um 10.30 Uhr ein fast vier Meter großes Eichenkreuz auf dem Kirchplatz in Muskau gesegnet wird. Der Bau, der dem Platz seinen Namen gab, den gibt es seit 56 Jahren nicht mehr. Die Stadtkirche war gesprengt worden. In der Gruft unter dem Platz liegen aber noch immer die sterblichen Überreste von Vater und Großvater des Parkgestalters Pückler.

Dieser empfängt dann wenige Stunden später gemeinsam mit seiner Frau Lucie hoffentlich viele Interessierte am Maßmannplatz. Dort beginnt um 15 Uhr eine gemeinsame Veranstaltung vom Historica-Verein und der evangelischen Kirchgemeinde. Sie wollen mit Schauspiel und Führungen auf dem alten Friedhof an Weggefährten Pücklers erinnern. So werden die Gräber von Jacob Heinrich Rehder, Leopold Schefer und Machbuba besucht.

Mehr Infos zum Programm unter www.muskauer-park.de

Zum Thema:
Am 1. Mai 1815 hat Pückler seinen Aufruf an die Muskauer gerichtet, Grundstücke für seinen Park zur Verfügung zu stellen. Das ist die Geburtsstunde des Muskauer Parks.Aus diesem Anlass findet 200 Jahre später eine Festsitzung (für geladene Gäste) statt. Um 19 Uhr beginnt im Schlossinnenhof das Konzert mit dem Cécile Verny Quartet. Um 21 Uhr gibt es auf der Schlosswiese die fantasievolle Show der Compagnie Quidams aus Frankreich. Der Eintritt für Konzert und Show ist frei.