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| 01:33 Uhr

Der Alte Fritz leuchtet Letschin ein

Preußenkönig Friedrich II. hat sich zweifellos um das Oderbruch verdient gemacht. Ihm ist im 18. Jahrhundert die Trockenlegung und die Besiedlung des einst sumpfigen Landstrichs östlich von Berlin zu verdanken. Ein Heiliger ist der berühmte Monarch deswegen noch lange nicht. Von jeanette bederke

Trotzdem trägt der Alte Fritz im Oderbruch-Ort Letschin jetzt einen Heiligenschein.
Vor allem im Dunkeln ist der Lichterkranz um den Dreispitz des Friedrich-Denkmals in der Ortsmitte nicht zu übersehen. Was bei manchem Passanten für Verwunderung oder gar ein Schmunzeln sorgt, ist Teil eines Kunstprojektes, mit dem Letschin bis zum Jahresende "eingeleuchtet" wird. Auf Initiative des Berliners Petermichael Metzler haben Künstler Fassaden, Schaufenster, Dachterrassen, den Schinkelkirchturm und den Alten Fritzen mit Lichtinstallationen versehen, die der Adventsbeleuchtung in dem Ort eine ganz besondere Note geben.
"Im ländlichen Raum sollen ja nach dem Willen der Politik die Lichter ausgemacht werden. Wir machen sie gezielt wieder an", erklärt Metzler seinen durchaus ernsthaften Ansatz für das Projekt, das von vielen Letschinern dankbar aufgenommen wird. Doch nicht jeder kann dem Heiligenschein für den im Ort noch immer stark verehrten Preußen-Monarchen etwas Gutes abgewinnen. Allen voran Wolfgang Bartsch, Wirt der Kneipe "Zum Alten Fritzen" nur einem Steinwurf vom drei Meter hohen Bronze-Denkmal entfernt. "Bisschen seltsam ist das schon, sagen auch meine Gäste", knurrt der bekennende Preußen-Fan. Doch abstrakte Kunst müsse man ja nicht unbedingt verstehen.
Ein viel größerer Dorn im Auge ist dem Chef der Letschiner Interessengemeinschaft "Alter Fritz" die schlammige Bauwüste, in der das Denkmal bereits seit Wochen steht. Von seinem Kneipenfenster aus hat Bartsch den Schandfleck aus Kieshaufen, Brunnenringen, zerwühlten Baustraßen und aufgetürmten Pflastersteinen vor allem tagsüber stets vor Augen.
Eigentlich soll im Zuge der neuen Letschiner Ortsdurchfahrt hier ein Verkehrskreisel entstehen, doch die Arbeiten sind bereits sechs Monate im Verzug. Wenn es hier tatsächlich weitergeht, muss der Alte Fritz weichen. Bartsch hätte ihn in diesen Zusammenhang gern dorthin umgesetzt, wo das aus Spenden dankbarer Bürger finanzierte Denkmal 1905 ursprünglich aufgestellt worden war.
Dort war der bronzene Preußenkönig nach dem Zweiten Weltkrieg vom Sockel geholt worden. Der "preußisch-militärische Schrott" sollte eingeschmolzen werden, historientreue Letschiner versteckten das Denkmal jedoch in einer Scheune hinter Gurkenfässern. Erst seit 1990 thront er wieder in Letschins Ortsmitte, sein Sockel jedoch war inzwischen von den Russen für ein Ehrenmal mit Rotem Stern in eigener Sache verwendet worden. Ein Gesuch von Bartsch, die Original-Zustände von 1905 nun im Zuge der Straßenbauarbeiten wieder herzustellen, ist vom Brandenburger Innenministerium mit Hinweis auf die Verpflichtung zur Pflege russischer Kriegsgedenkstätten abgelehnt worden.
Deshalb soll der Alte Fritz nun direkt vor die Kneipe, die Bartsch über Jahre zu einer Art Preußen-Museum mit Kultstatus herausgeputzt hat. Allerdings wird die Skulptur - dann sicher wieder ohne Heiligenschein - den Gästen des Lokals nach dem Willen des Ortsbeirates wohl den Rücken zudrehen und in Richtung Oder schauen.