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| 16:11 Uhr

Denkmalstreit in Berlin - Marx und Engels sollen weg

Berlin.. Preußenkönige ja, Kommunisten lieber nicht: Mit seinem Vorschlag, das Denkmal von Marx und Engels aus der Mitte Berlins zu verdrängen, hat der Bayer Peter Ramsauer jetzt Ärger auf sich gezogen. Esteban Engel/dpa


Der eine sitzt, der andere steht: Karl Marx und Friedrich Engels stemmen sich in der Mitte Berlins gegen die Zeit. Um das Denkmal der kommunistischen Vordenker auf dem Marx-Engels-Forum zwischen Spree und Alexanderplatz gibt es Streit. Nachdem Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) vorgeschlagen hat, das vier Meter große Duo aus dem Zentrum der Hauptstadt zu verbannen, schlägt dem Bayern der Unmut von Berliner Stadtpolitikern entgegen.

Die beiden Figuren, die hinter der Baustelle des wieder auferstehenden Preußenschlosses auf das Ende des Kapitalismus warten, sollten auf den Gedenkfriedhof der Sozialisten im Ost-Stadtteil Friedrichsfelde verlegt werden, hatte Ramsauer gesagt. Dort ruhen die deutschen Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Der Friedhof, zu dem jedes Jahr die Linke pilgert, sei ohnehin „so eine Art sozialistisches Reste-Zentrum“.

„Geschichtsvergessen“, „blanker Populismus“ lauten einige Vorwürfe gegen den Christsozialen. „Eine Auslagerung nach Friedrichsfelde, um aus der dortigen Gedenkstätte eine Art sozialistischen Streichelzoo zu machen, kann hier nicht die richtige Antwort sein“, sagte Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz. Das Denkmal sei Ausdruck einer „ganz bestimmten Geschichtsepoche“ und sollte würdig erhalten werden. Der Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller (SPD), ließ mitteilen: „Schloss und Denkmal haben nebeneinander Platz“.

Für den Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, ist dagegen die Zeit reif für den Umzug. „Ich kann Herrn Ramsauer nur beipflichten. Wenn man weiß, wie viele Menschen im Namen von Marx und Engels umgebracht wurden, dann verbietet sich ein solches Denkmal eigentlich von selbst.“ Berlin-Besucher würden sich zu Recht fragen, wieso Deutschland immer noch die Urväter der SED-Diktatur ehrt.

Tatsächlich gehört die Statue zu den wenigen Denkmälern von einstigen DDR-Säulenheiligen in Berlin. Schon 1991 verschwand die riesige Granitfigur des sowjetischen Staatsgründers Vladimir Iljitsch Lenin im Stadtteil Friedrichshain. Im Film „Goodbye, Lenin!“ ist zu sehen, wie der 3,5 Tonnen schwere Kopf von einem Kran in die Luft gehoben wird.

Das Marx- und Engels-Denkmal wurde nur drei Jahre vor dem Mauerfall aufgestellt. Der Bildhauer Ludwig Engelhardt hatte die Autoren des „Kommunistischen Manifests“ in doppelter Lebensgröße gestaltet. Wegen der Anzüge, in denen die beiden Theoretiker des Kommunismus stecken, wurde es im DDR-Volksmund auch „Sakko und Jacketti“ genannt.

Ramsauers Haus stellte auf Anfrage klar, dem Minister gehe es um die Neugestaltung des Schloss-Umfelds. Der Wiederaufbau biete die Chance, im Berliner Stadtbild die alte historische Achse wieder sichtbar zu machen, das Denkmal könnte da im Wege stehen.

Seit dem Mauerfall waren immer wieder Forderungen laut geworden, die Statue zu versetzen. 2010 musste es dem Bau der U-Bahnlinie 5 etwas weichen. Seitdem blicken die Männer in Richtung Westen. Karl Marx (1818-1883) hätte über den Streit um das Denkmal am Schloss der Hohenzollern vielleicht den Kopf geschüttelt. „Scheißfürsten“ und „Lauspreußen“ sah er ohnehin dem Untergang geweiht.