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| 01:03 Uhr

„Denkmalschutz nur fünftes Rad“

„Brandenburg ist das einzige Land dieser Republik, in dem die Landesdenkmalpflege keinen Etat hat, um auf akute Notfälle reagieren zu können und private Denkmaleigner zu unterstützen“ , sagt Landeskonservator Detlef Karg. In der Mark droht weiterhin tausenden Denkmälern wie Dorfkirchen, Gutshäusern und Fachwerkhäusern der Verfall. Nachdem die Landesregierung in den letzten Jahren die Landesdenkmalförderung systematisch nach unten gefahren hat, blieb Brandenburg auch unter dem neuen Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) dort Schlusslicht in Ostdeutschland. Von THORSTEN METZNER

Und Besserung ist nicht in Sicht, obwohl es ein reiches Erbe an rund 40 000 Denkmälern gibt, von denen nach vorsichtigen Schätzungen jedes vierte gefährdet ist. Alle anderen Länder hätten wenigstens einen Denkmalfonds, für den jährlich acht bis zehn Millionen Euro zu Verfügung stehen, weiß Karg. Doch dieser Fonds, den es auch in Brandenburg einmal gab, war 1995 unter dem damaligen Kulturminister und SPD-Landesvorsitzenden Steffen Reiche trotz vieler Warnungen abgeschafft worden - auf Druck der mächtigen Kommunallobby. Das Geld wurde fortan den Kommunen über den Topf der Gemeindefinanzierung direkt ausgezahlt - und prompt für andere Zwecke verwendet. Karg: „Eine Fehlentscheidung, die sich rächt.“ Zwar unternimmt Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) gerade wieder einen neuen Anlauf, im Zuge der geplanten Novelle des Landesdenkmalschutzgesetzes einen solchen Fonds aufzulegen, der finanzielle Mehrbelastungen für Denkmaleigner mildern soll. Angesichts des Milliardendefizits im Landeshaushalt stehen die Chancen jedoch eher schlecht, zumal dieser durch Innenministerium und Bauministerium mitfinanziert werden müsste.
Es sieht also ganz so aus, als ob die Möglichkeiten der Denkmalpflege, Investoren und Eigentümern finanziell unter die Arme zu greifen, in Brandenburg bescheiden bleiben werden: Es ist laut Karg das einzige Bundesland, in dem sich der jährliche Landesdenkmaletat des Kulturministeriums von ohnehin bescheidenen 2,5 Millionen Euro darauf reduziert, Bundesprogramme in etwa gleicher Höhe kozufinanzieren. Dies erklärt auch, warum dieser Tage der Aufschrei gegen die geplante Streichung des Bundesprogramms „Dach und Fach“ - betroffen wäre faktisch die halbe Denkmalförderung Brandenburgs - hierzulande besonders laut ausfällt. Trotz des bescheidenen Volumens von 2,4 Millionen Euro, je zur Hälfte von Bund und Land finanziert, konnten damit allein 2003 immerhin rund 50 Projekte in Brandenburg gefördert werden - was einem Bauvolumen von 4,8 Millionen Euro entspricht. 80 Projekte sind im kommenden Jahr geplant. Mit dem Programm werde mit geringen Summen eine große Wirkung erreicht, mit Effekten für Bauwirtschaft und Tourismus, mahnt auch Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). Das Geld fließt zumeist in die Sanierung maroder Dorfkirchen wie in Rogäsen oder Weseram im Havelland, aber auch in wichtige Vorhaben wie die Rettung des früheren Musterlandguts der Berliner Industriellenfamilie Borsig in Groß Behnitz nahe Nauen, wo man nun um den Förderbescheid für das kommende Jahr zittern muss. „Ohne diese Fördermittel geht es nicht, wäre das Projekt nicht begonnen worden“ , sagt Investor Michael Schobler.
Während im Land die jahrelangen Klagen der Denkmalpfleger ungehört verhallten, zeigen die Proteste und Mahnungen beim Bund bereits Wirkung. Es gebe entsprechende Signale von Bundes-Kulturstaatsministerin Christina Weiss, die Streichung von „Dach und Fach“ zu überdenken, bestätigt Wanka. Aber selbst wenn, an der prekären Lage der Brandenburger Denkmalpflege würde ein Einlenken des Bundes nichts ändern. Landeskonservator Karg hat in den letzten Jahren leidvoll erfahren müssen, dass jeder Vorstoß für eine Trendwende in der Landespolitik scheiterte, weil die Denkmalpflege hier faktisch fünftes Rad am Wagen ist. Brandenburgs „Ruinen-Denkmalpfleger“ hat er sich einmal sarkastisch genannt.