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Denkmalpflege
Brandenburgs Denkmalpfleger: „Wir sind im Notbetrieb“

Das Mausoleum von Frauendorf im Landkreis Spree-Neiße gehört zu den Objekten, dem die Denkmalpflege einen „alarmierenden Erhaltungszustand“ bescheinigt.
Das Mausoleum von Frauendorf im Landkreis Spree-Neiße gehört zu den Objekten, dem die Denkmalpflege einen „alarmierenden Erhaltungszustand“ bescheinigt. FOTO: Christina Schulenburg / BILDAM
Potsdam. Landeskonservator Thomas Drachenberg warnt vor den Folgen schlechter Personalausstattung. Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Denkmalpflege schlägt Alarm: „Wir sind im Notbetrieb“, sagte Landeskonservator Thomas Drachenberg am Dienstag in Berlin. Seit dem Jahr 2000 habe das Brandenburger Landesdenkmal­amt knapp 50 Mitarbeiter verloren. Damit sei man personell „unten aufgeschlagen.“ Derzeit habe das Landesdenkmalamt nach Angaben seines Direktors Franz Schopper 74 Stellen, die noch auf 72 absinken sollen. „Wir leben in den verschiedensten Bereichen aus der Substanz.“ Nötig sei eine Anhebung um mindestens 25 Stellen.

Bei der traditionellen Jahrespressekonferenz der Denkmalpflege zog Drachenberg eine Bilanz der wichtigsten Projekte der vergangenen Jahre. Einige langjährige Sorgenkinder des Denkmalamts seien mittlerweile gerettet worden: Dies gilt etwa für das Brauhaus der ehemaligen Klosteranlage in Himmelpfort (Kreis Ostprignitz-Ruppin), wo die Sanierung voranschreite.

Auch die Georgskapelle in Neuruppin und das barocke Kettenhaus in Prenzlau stünden nicht mehr auf der Notliste akut gefährdeter Objekte. Anders ist es mit einer ganzen Reihe Baudenkmale in der Lausitz, die von der Landesdenkmalpflege in der Rubrik „Bedrohungen und Verluste“ aufgelistet werden.

Dazu zählt etwa das Cottbuser Wichernhaus, das in Teilen in einen Neubau integriert werden soll. Bei den Abrissarbeiten wurden auch die Teile zerstört, die eigentlich erhalten werden sollten. Damit zählt das Gebäude ebenso wie ein barocker Prunksarg in der Dorfkirche von Schenkendorf (Dahme-Spreewald), der ohne Rücksprache mit dem Landesdenkmalamt einfach mit einem Trennschleifer durchschnitten wurde, zu den Objekten, für deren Zerstörung Drachenberg deutliche Worte findet: „Durch völlige Inkompetenz“ und „mangelnde Sorgfalt“ seien sie in einen „besorgniserregenden Zustand“ geraten oder schlicht nicht mehr vorhanden.

Nur wenig besser steht es um das ehemalige Braunkohlekraftwerk von Plessa (Elbe-Elster), dem der Verkauf von historisch wertvollen Maschinen und Anlagen droht oder um das Mausoleum von Frauendorf (Kreis Spree-Neiße), dem die Denkmalpflege einen „alarmierenden Erhaltungszustand“ und „dringende Sanierungsbedürftigkeit“ attestiert. Obwohl sich ein Förderverein „beispielhaft“ für die ehemalige Gutsanlage des Weinfabrikanten Franz Hitze einsetze, seien bereits Teile des Betongesimses abgebrochen. „Die Stahlgebinde liegen frei und korrodieren“, heißt es in dem Jahresbericht. „Auch die Kassettenmalerei und die Wandgestaltung im Inneren werden durch die eindringende Feuchte massiv gefährdet.“

Dagegen begrüßte Drachenberg gestern die vom Land neu geschaffene Denkmalhilfe für besonders dringende Fälle, die immerhin ein Jahresvolumen von einer Million Euro habe. Damit sei man„vom Wassereimer in der Wüste weg, den man einmal im Jahr mit einer großen Feier ausgeschüttet hat.“ Man habe stattdessen „einen kleinen Wasserhahn installiert, der mit einer Million Förderung einen kleinen, aber sichtbaren Wasserstrahl ermöglich.“ Kontinuität und Verlässlichkeit seien in der Denkmalpflege wichtig.

 „Wir wollen nicht die Wüste zum Schwimmbad machen, aber nachhaltige Oasen der Baukultur schaffen“, sagte Drachenberg. Dennoch stehe man mit der einer Million Euro immer noch Förderanträgen von fünf Millionen Euro gegenüber.

Landeskonservator Thomas Drachenberg fordert 25 neue Stellen.
Landeskonservator Thomas Drachenberg fordert 25 neue Stellen. FOTO: Nestor Bachmann / dpa