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| 01:04 Uhr

Denkmale akut gefährdet

Potsdam.. Politiker und Denkmalschützer haben bundesweit vor einer Streichung des Denkmalschutz-Programms „Dach und Fach“ gewarnt. Die Streichung des vom Bund geförderten Programmes ab 2004, wie von Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) angekündigt, hätte gravierende Auswirkungen auch auf die mittelständische Bauwirtschaft und den Kulturtourismus, so Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) gestern vor Journalisten.


Für das kommende Jahr gebe es in ihrem Land bereits 80 dringliche Vorhaben im Rahmen des Förderprogramms, um weiteren Verfall und unwiderbringliche Verluste von Denkmälern zu verhindern.
Nach Angaben des Ministeriums in Potsdam stellt der Bund für das Programm in diesem Jahr in den neuen Ländern 6,2 Millionen Euro zur Verfügung. Allein für Brandenburg sind es knapp 1,3 Millionen Euro. Neben den Bundesmitteln kommen etwa je ein Drittel der Gelder für das Denkmalschutz-Programm aus der Landeskasse sowie von Investoren.
Die bei einem Rückzug des Bundes fehlenden Mittel könne das Land keinesfalls ausgleichen, sagte die Ministerin. Die Sicherung des Denkmalbestandes in den neuen Ländern sei eine "Lebensaufgabe", die mindestens noch 30 Jahre in Anspruch nehme. Sie sei nur von öffentlichen wie privaten Partnern gemeinsam zu schultern. Der Bund habe im Einigungsvertrag zugesagt, dazu beizutragen. "Daraus kann sich der Bund nicht einfach verabschieden", betonte Wanka.
Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz kritisierte die Streichungspläne. Für private Spender sei der Rückzug des Bundes - und damit sicher auch bald der Länder - ein falsches Signal, sagte der Vorstandsvorsitzende Gottfried Kiesow.
Kulturstaatsministerin Weiss hatte dagegen argumentiert, dass der Bund seit 1999 etwa 160 Millionen Euro für das Förderprogramm "Kultur in den neuen Ländern" zur Verfügung gestellt habe, das laut Einigungsvertrag auch nur als Übergang gedacht gewesen sei. In Zukunft könnten die betroffenen Länder auch die neu zur Verfügung stehenden Mittel aus dem "Solidarpakt II" für die Kultur nutzen.
Der Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, Detlef Karg, sagte, für Brandenburg hätte das Auslaufen des Dach- und Fachprogrammes besonders verheerende Wirkungen. Denn es sei das einzige Bundesland, das keinen Denkmalfonds mehr habe und damit nicht auf akute Gefährdungen von Denkmälern reagieren könne. Derzeit habe das Land im Denkmalbereich praktisch nur noch Bundesprogramme kofinanziert. Laut Karg ist ein Viertel der 25 000 bis 30 000 Denkmäler im Land in gutem Zustand, die Hälfte sei im Bestand gesichert. Die andere Hälfte ist nach seiner Einschätzung vom Verfall bedroht. Von den 1164 Dorfkirchen in der Mark sei jede vierte akut gefährdet. Die Kommunen müssten stärker ihrer Pflicht zur Erhaltung nachkommen und Prioritäten setzen, welche Bauten sie erhalten wollten. (dpa/gb)