ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:36 Uhr

Gast im Landtag Brandenburg
Demonstration enger Freundschaft

Parlamentspräsidentin Britta Stark hat gestern Jeremy Issacharoff, Botschafter von Israel in Deutschland, im Brandenburger Landtag begrüßt.
Parlamentspräsidentin Britta Stark hat gestern Jeremy Issacharoff, Botschafter von Israel in Deutschland, im Brandenburger Landtag begrüßt. FOTO: Nestor Bachmann / ZB
Potsdam. Der israelische Botschafter wirbt im Landtag für Verständigung und Lehren aus der Geschichte. Von Benjamin Lassiwe

Der zweite Weltkrieg war gerade vorbei, der millionenfache Mord an den Juden beendet. Da wurde er Wirklichkeit, der Traum vom jüdischen Staat: Am 14. Mai 1948 deklarierte David Ben Gurion die Unabhängigkeit Israels. Heute, 70 Jahre später, ist der jüdische Staat eine stabile Demokratie, eine Seltenheit im Nahen Osten. Und die unheilvolle Geschichte von Deutschen und Juden ist um ein Kapitel stabiler Freundschaft reicher.

Das war am Mittwoch auch im Brandenburger Landtag zu spüren. Über dem Innenhof des Parlaments flatterte die blau-weiße Flagge mit dem Davidsstern. Denn als erster Landtag in Deutschland hatte das Potsdamer Parlament den israelischen Botschafter Jeremy Issacharoff aus Anlass des 70-jährigen Bestehens seines Landes zu einer Rede vor dem Plenum eingeladen. „Brandenburg ist für uns ein wichtiger Partner“, sagte der Diplomat und würdigte die Zusammenarbeit in der Wissenschaft, der Wirtschaft, bei Schüleraustauschen oder durch Städtepartnerschaften.

Doch Issacharoff verwies auch auf den in Deutschland wachsenden Antisemitismus. Erst vor einigen Tagen war ein Kippa tragender Tourist von einem jungen Araber in Berlin mit einem Gürtel geschlagen worden. „Es darf Null Toleranz für Antisemitismus geben“, sagte der Botschafter. Oft käme der Antisemitismus in Deutschland unter dem Deckmantel der Israelkritik daher. Dem müsse man vor allem durch Bildung begegnen.

Vor den Abgeordneten begrüßte Issacharoff zudem die auf Initiative von Barbara Richstein (CDU) und Andrea Johlige (Linke) geplante Gründung eines überfraktionellen Arbeitskreis Israel im Potsdamer Landtag. Dies sei ein „starkes Symbol“ für die Beziehungen zwischen Brandenburg und Israel.

Brandenburgs Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) nannte die Entwicklung Israels eine „große Erfolgsgeschichte des 20. Jahrhunderts.“ Für die mutigen Frauen und Männer, die nach der Shoah das Land aus dem Nichts entwickelt haben, sei der Traum von einer jüdischen Heimat in Erfüllung gegangen. „Israel feiert, und wir dürfen sagen, wir feiern mit“, so Stark. „Für uns in Brandenburg ist es immer noch ein Wunder, dass sich Deutsche und Israelis nach der Shoah die Hand gereicht haben.“

Und Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte der RUNDSCHAU, ihm sei „die Freundschaft zu Israel wirklich eine Herzenssache“: In der kommenden Woche wird Woidke in Begleitung einer Unternehmerdelegation sowie von Schülern des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums, die seit zehn Jahren eine Schulpartnerschaft mit Israel pflegen, auch selbst ins Heilige Land reisen. Auf dem Programm steht dann unter anderem die Auszeichnung von Zeitzeugen der Shoah mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg, die Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zwischen Brandenburg und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Va-
shem sowie ein Besuch in der christlichen Schule Talitha Kumi, die vom Berliner Missionswerk seit mehr als 160 Jahren in den palästinensischen Gebieten betrieben wird.

Doch auch Woidke warnte am Mittwoch vor den Gefahren des Antisemitismus: „Man bekommt ein ganz eigenes Gefühl, wenn man, so wie ich, vor zwei Wochen in Ausch-
witz gestanden hat, und dann daran denkt, was im Bundestag und im Brandenburger Landtag hin und wieder an ausländerfeindlichen, rechtsradikalen und teilweise auch antisemitischen Reden gehalten wird“. sagte Woidke der RUNDSCHAU. „Ich glaube, gerade wenn man an solchen Gedenkstätten steht, dann schämt man sich als Deutscher auch dafür, dass es in Deutschland wieder so viel Antisemitismus gibt, wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr.“

Erst am Dienstag hatte die Potsdamer Staatskanzlei neue Zahlen zum Antisemitismus in Brandenburg veröffentlicht: In der Antwort auf eine „Kleine Anfrage“ der SPD-Landtagsabgeordneten Klara Geywitz erklärte der Chef der Staatskanzlei, Thomas Kralinski, dass es 2016 insgesamt 69 antisemitische Vorfälle in Brandenburg, darunter einen Fall von schwerer Körperverletzung, gab. 2016 waren es allerdings noch 92 Fälle. Trotzdem wird etwa die Synagoge in Cottbus dauerhaft von der Polizei geschützt, um weitere Übergriffe zu verhindern. Am Mittwochabend gingen auch in Potsdam zahlreiche Menschen auf die Straße, um nach den jüngsten antisemitischen Vorfällen in Berlin unter dem Motto „Potsdam trägt Kippa“ ihre Solidarität mit dem jüdischen Volk und dem Staat Israel zum Ausdruck zu bringen.