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| 07:51 Uhr

Brandenburg
Demo nach angeblicher Vergewaltigung in Königs Wusterhausen

Ein Polizeisprecher bezeichnete die Situation als übersichtlich und ruhig. Bis zum Ende des Polizeieinsatzes sei es zu keinen nennenswerten Störungen gekommen.
Ein Polizeisprecher bezeichnete die Situation als übersichtlich und ruhig. Bis zum Ende des Polizeieinsatzes sei es zu keinen nennenswerten Störungen gekommen. FOTO: Fotolia
Königs Wusterhausen. Der Fall der vermeintlichen Vergewaltigung einer 15-Jährigen in Königs Wusterhausen ist von der rechten Szene für Kundgebungen benutzt worden. Mehrere Dutzend Menschen versammelten sich am Montagabend. Die Polizei hatte die Lage im Griff.

Trotz neuer Ermittlungsergebnisse, die die bisherigen Tatverdächtigen entlasten, hätten sich am Montagabend mehrere Menschen zu einem Aufzug des Vereins „Zukunft Heimat“ versammelt, sagte ein Polizeisprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Königs Wusterhausen. Unter den Rednern sei auch der brandenburgische AfD-Chef Andreas Kalbitz gewesen. An der Kundgebung sollen sich rund 75 Personen beteiligt haben. Als Hauptverdächtiger in dem Fall galt bisher ein 21-jähriger Flüchtling aus Afghanistan. Die „Märkische Allgemeine“ berichtet von etwa 300 Teilnehmern.

Am Montagabend waren nach Polizeiangaben in Königs Wusterhausen noch eine weitere Demonstration der rechten Szene sowie eine Gegendemonstration der Linksjugend angemeldet. Bürgermeister Swen Ennullat (Freie Wähler) rief zur Besonnenheit auf und forderte zu einem respektvollen Umgang miteinander auf. Dies sei „auch im sich aus dieser vermeintlichen Tat ergebenden politischen Diskurs unterschiedlichster Gruppen“ wichtig, erklärte Ennullat: „Gerade in den sozialen Medien war dieser in den letzten sieben Tagen nicht immer gewahrt.“

Er selbst und seine Verwaltung distanzierten sich „entschieden von Menschen, die solche vermeintlichen Taten für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren“, betonte Ennullat. Er gehe davon aus, dass Polizei und Staatsanwaltschaft gewissenhafte Ermittlungen führen, „egal zu welchen Ergebnissen sie führen werden“.

Zu der vermeintlichen Vergewaltigung in einer öffentlichen Toilette am 20. November teilte die Staatsanwaltschaft Cottbus am Montag mit, die Ergebnisse der Spurenauswertung hätten den Tatvorwurf nicht erhärtet, sondern die beiden Tatverdächtigen entlastet. Deshalb sei die Aufhebung des Haftbefehls gegen den bisherigen Haupttatverdächtigen beantragt worden. Gegen den inzwischen ermittelten zweiten Tatverdächtigen sei kein Haftbefehl mehr beantragt worden.

Die 15-Jährige hatte die Straftat am 22. November bei der Polizei angezeigt. Am 23. November war der 21-Jährige in seiner Unterkunft festgenommen worden, am Tag darauf wurde ein Haftbefehl erlassen.

Aufgrund der intensiven, auch über das vergangene Wochenende hinweg geführten Ermittlungen der Polizei habe nicht nur der zweite Tatverdächtige ermittelt werden können, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Auch weitere Zeugen seien vernommen sowie die Sachbeweise ausgewertet worden.

Der zweite Tatverdächtige habe die Vorwürfe zurückgewiesen und angegeben, nicht am Tatort gewesen zu sein, hieß es. Die 15-Jährige habe den Mann, den sie angeblich persönlich kenne, bei einer Wahllichtbildvorlage zudem nicht als den zweiten Täter identifiziert. Zeugen hätten die Vorwürfe nicht bestätigt. Ein dringender Tatverdacht, der zwingende Voraussetzung für Erlass und Aufrechterhaltung eines Haftbefehls ist, sei nicht zu belegen. Die polizeilichen Ermittlungen würden fortgesetzt.

(epd/dpa/bob)