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| 18:24 Uhr

Wegen Sommerhitze: gute Qualität, aber weniger Trauben
Lausitzer Winzer rechnen mit Einbußen bei Weinlese

Andreas Wobar von WeinWobar in Großräschen wirft einen Blick auf seinen Weinreben. Der Winzer rechnet damit, dass der Ertrag in diesem Jahr aufgrund der vielen Sonne und langen Trockenheit geringer ausfällt, die Qualität der Trauben aber sehr gut wird. Abgerechnet wird aber erst am Schluss im Weinkeller.
Andreas Wobar von WeinWobar in Großräschen wirft einen Blick auf seinen Weinreben. Der Winzer rechnet damit, dass der Ertrag in diesem Jahr aufgrund der vielen Sonne und langen Trockenheit geringer ausfällt, die Qualität der Trauben aber sehr gut wird. Abgerechnet wird aber erst am Schluss im Weinkeller. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Großräschen/Pillgram/Freyburg. Die anhaltende Hitze hat Auswirkungen auf die anstehende Weinlese bei Lausitzer Weinbauern. So müssten die Reben rund zwei Wochen eher vom Stock als sonst. Zudem gehen die Weinbauern davon aus, dass die Ernte geringer ausfällt. Aber: Sie erwarten eine gute Traubenqualität.

Dass es wenig Wasser von oben gegeben habe, sei den Pflanzen anzusehen, sagt Winzer Andreas Wobar, der in Großräschen auf einem Hektar Fläche Wein anbaut. Wie hoch das Ausmaß eventueller Trockenschäden aufgrund der anhaltenden Hitze ist, könne er derzeit nicht beziffern. Er rechnet aber damit, dass die gelesene Menge geringer ausfallen wird. Im Gegenzug geht er jedoch davon aus, dass die viele Sonne sich positiv in der Qualität der Reben niederschlagen wird.

Nach Angaben des Deutschen Weininstituts wird die Weinlese angesichts der Witterung in diesem Jahr nicht nur in Brandenburg, sondern bundesweit außergewöhnlich früh beginnen. Die Reben sind den Angaben zufolge im Vergleich zum langjährigen Mittel ihrer Entwicklung teils drei Wochen voraus. Im Vergleich zu anderen Weinanbaugebieten habe es in Ostdeutschland in den vergangenen Monaten viel weniger bis gar nicht geregnet, sagt Siegfried Boy, Präsident des Weinbauverbandes Saale-Unstrut.

Die Winzer an Saale und Unstrut rechnen laut Weinbauverband mit Einbußen bei der Erntemenge für den Jahrgang 2018 von 20 bis 30 Prozent. Grund sei die extreme Trockenheit und Hitze. Das mehr als 1000 Jahre alte und rund 770 Hektar große Anbaugebiet Saale-Unstrut umfasst Lagen in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg

Dass die Reben von Winzerfamilie Wobar bisher relativ gut durch die Hitze gekommen sind, kommt nicht von ungefähr. So verfügt Andreas Wobar einerseits über die Möglichkeit, seine Wein-Anbaufläche zu bewässern. Er hat also die Möglichkeit die Wein-Pflanzen vorm völligen Verdursten zu bewahren; vor 14 Tagen habe er davon Gebrauch gemacht.

Piwi-Rebsorten sind robuster

Außerdem setzt Wobar beim Anbau auf sogenannte Piwis, auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Diese entstehen durch die Kreuzungen „gewöhnlicher“ Rebsorten mit resistenten Arten. Diese sind nicht nur unempfänglicher für Pilzbefall, sondern auch generell robuster. So zeichneten sich die Piwi-Sorten durch Lockerbeerigkeit aus. Anders gesagt: Die Trauben sind an der Weinrispe nicht geballt, wachsen nicht so eng aufeinander, zudem ist auch zwischen den Blättern mehr Luft. Ist die Pflanze feucht, trocknet sie deshalb schneller und besser ab, und es bildet sich seltener Schimmel. Das hat auch noch einen anderen großen Vorteil: Es muss weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Andreas Wobar rechnet damit, dass er die ersten Trauben bereits Ende August lesen wird. Für gewöhnlich werden die Solaris-Reben gegen Mitte September abgesammelt. Doch die viele Sonne und Wärme hat sie schneller reifen lassen, sodass die Lese in diesem Jahr rund zwei Wochen eher beginnen wird. neben Solaris baut Andreas Wobar auch noch zwei weitere Weißweine, Johanniter und Cabernet blanc, an. Bei den Roten setzt der Winzer auf Regent und Pinotin.

Das Weingut Patke, das Anbauflächen in Pillgram (Oder-Spree) und Grano bei Guben bewirtschaftet, setzt nach wie vor auf „normale“ Rebsorten wie Phönix, Goldriesling oder Spätburgunder, nur der Regent ist eine Piwi-Sorte. Matthias Jahnke, einer von vier Inhabern des Weinguts, rechnet wie sein Kollege aus Großräschen mit Einbußen beim Ertrag. Er geht davon aus, dass die Lese etwa zehn bis Prozent weniger betragen wird. Dabei zieht er den Vergleich mit 2016, dass vom Wetter ähnlich gewesen ist, während 2017 besonders verregnet war.

Vielleicht kein Federweißer

Mit Blick auf seine Weinstöcke bereitet die intensive Sonne dem Winzer zunehmend Sorgen. „Die Sonne ist so intensiv, dass die Trauben Sonnenbrand bekommen und vertrocknen“, sagt Matthias Jahnke. Die vertrockneten Trauben wären zu nichts mehr zu gebrauchen. Auch aus diesem Grund müssten die ersten Trauben beizeiten vom Stock. Jahnke rechnet ebenfalls damit, dass die Lese in diesem Jahr aufgrund der Witterung rund 14 tage eher beginnen wird. In rund 14 Tagen werden wohl die Solaris-Trauben erntereif sein. Aktuell hätten diese 90 Oechsler, dieser Wert gibt den Anteil der gelösten Stoffe – vor allem Zucker an – im Most an und entscheidet am Ende darüber wie sehr der Most vergorenen wird und welchen Alkoholgehalt der Wein am Ende hat. Ist der Oechslegrad seh hoch, haben die Hefebakterien bei der Gärung viel Zucker, den sie in Alkohol umwandeln können.

Was Matthias Jahnke aktuell noch nicht weiß, ist, ob er den Gästen beim Granoer Weinbergfest am 29. September seinen beliebten Federweißen anbieten kann. Es wird sich wohl erst im Verlauf der Ernte zeigen, ob das, was an den Stöcken hängt, auch noch ausreicht, um den halb vergorenen, weniger süßen Wein herzustellen, oder ob alle Trauben für die Herstellung der anderen Weine verwendet werden müssen.

Doch wie gut oder wie schlecht dieses Weinjahr für die Lausitzer Winzer wird, und ob die Qualität der Weine eventuelle Ernte-Einbußen wettmachen kann, zeigt sich erst im Weinkeller.

Probiert werden können die Weine des aktuellen Jahrgangs dann kommendes Jahr bei der Jungweinprobe, die dann voraussichtlich Ende April oder Anfang Mai in Cottbus stattfinden wird.