ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 08:55 Uhr

RUNDSCHAU-Tipps bei Kälte
Eiskalte Winternacht in Deutschland – Dauerfrost auch tagsüber

Schön aber trügerisch – die Stärke des Eises auf dem Spremberger Stausee reicht noch nicht aus. Ein Betreten ist derzeit also lebensgefährlich.
Schön aber trügerisch – die Stärke des Eises auf dem Spremberger Stausee reicht noch nicht aus. Ein Betreten ist derzeit also lebensgefährlich. FOTO: Frank Hilbert
Lausitz. Die Temperaturen bleiben im Keller. Viele Obdachlose sind dem Frost schutzlos ausgeliefert. Erst das Wochenende soll laut Wetterdienst mildere Temperaturen bringen. Daher hier einige hilfreiche Tipps, wie man sich bei den derzeitigen Minusgraden am besten schützt. Von Frank Hilbert

Einen Tag vor dem meteorologischen Frühlingsbeginn hat Deutschland wieder eine bitterkalte Nacht erlebt. An der Ostsee fielen die Temperaturen auf minus 13 Grad, auf der Zugspitze wurden sogar minus 24 Grad gemessen.

„Die Nachttemperaturen liegen fast landesweit im strengen Frostbereich“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am frühen Morgen. Auch am Tag müsse weiter mit Dauerfrost gerechnet werden.

Gut eingepackt zum Schutz vor der Winterkälte werden alljährlich die fast 900 Rosensorten im 17 Hektar großen Forster Rosengarten (Archivbild).
Gut eingepackt zum Schutz vor der Winterkälte werden alljährlich die fast 900 Rosensorten im 17 Hektar großen Forster Rosengarten (Archivbild). FOTO: Frank Hilbert

Um Obdachlose vor dem Frost zu schützen, fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe Aufenthaltsräume, die auch tagsüber geöffnet haben. Es reiche nicht aus, nur nachts Unterkünfte anzubieten und die Obdachlosen morgens wieder auf die Straße zu schicken, kritisierte Geschäftsführerin Werena Rosenke. „Man kann auch tagsüber erfrieren.“ In dieser Saison habe der Verein deutschlandweit bereits vier Kältetote registriert.

Der Verkehr auf den Straßen lief in der Nacht ohne größere Probleme. „Es ist kalt, aber mehr nicht“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Nordrhein-Westfalen. Aus Bayern hieß es: „Alles ruhig, alles schön.“ Das sächsische Lagezentrum meldete: „Furchtbar kalt, aber von gefährlicher Glätte nichts zu sehen.“

Nicht schlecht staunte am Abend des 27. Februars die Besatzung eines Cottbuser Rettungswagens, als sie nach einem Einsatz ihr Fahrzeug auf der Feuerwache reinigen wollte. Beim Öffnen der Türen wurde ein ungewöhnlicher Patient im Transportraum entdeckt. Unbemerkt von der Besatzung hatte sich ein Hund Zutritt verschafft und wärmte sich an der Heizung des Fahrzeuges. Das Tier war durch den Besitzer bereits bei der Regionalleitstelle als abgängig gemeldet worden. Bis der Besitzer ihn abholen konnte, wurde Bill, so der Name des Tieres, durch die Einsatzkräfte betreut.
Nicht schlecht staunte am Abend des 27. Februars die Besatzung eines Cottbuser Rettungswagens, als sie nach einem Einsatz ihr Fahrzeug auf der Feuerwache reinigen wollte. Beim Öffnen der Türen wurde ein ungewöhnlicher Patient im Transportraum entdeckt. Unbemerkt von der Besatzung hatte sich ein Hund Zutritt verschafft und wärmte sich an der Heizung des Fahrzeuges. Das Tier war durch den Besitzer bereits bei der Regionalleitstelle als abgängig gemeldet worden. Bis der Besitzer ihn abholen konnte, wurde Bill, so der Name des Tieres, durch die Einsatzkräfte betreut. FOTO: Stadt Cottbus

Von Westen her wird es laut DWD in den kommenden Tagen langsam etwas wärmer. Am Wochenende besteht dann im Süden und Westen Glättegefahr – hier fällt vereinzelt gefrierender Regen.

Auch die Lausitz hat Väterchen Frost fest im Griff. Nach Angaben von RUNDSCHAU-Lesern gab es bereits am Dienstagmorgen zweistellige Temperaturen im Minusbereich. Hier eine kleine Auswahl: Beutersitz – 12,2, Spremberg – 13, Doberlug – 14, Lauta – 16,2, Guben (Kalteborn) –13, Finsterwalde –14 und Schönborn –16.

Spaziergänger und Radler sollten am besten Fäustlinge statt Fingerhandschuhe tragen, um dem sogenannten Kältebrand vorzubeugen. Damit bleiben die Hände länger warm, erklärt der Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Außerdem sollte man nicht zu enge Schuhe tragen, um die Durchblutung nicht zu behindern. Also: Winterstiefel etwas größer kaufen und dicke Socken anziehen. Im Gesicht kann bei Minusgraden eine Skimaske ratsam sein, die Mund und Nase bedeckt.

Reizvolle Motive bieten sich nach einige Frosttagen den Fotografen entlang von Wasserläufen wie hier an der Spree bei der Kutzeburger Mühle in Cottbus.
Reizvolle Motive bieten sich nach einige Frosttagen den Fotografen entlang von Wasserläufen wie hier an der Spree bei der Kutzeburger Mühle in Cottbus. FOTO: Frank Hilbert

Apropos Gesicht: Bei Kälte hilft, eine fetthaltige Creme aufzutragen. Das rät Hautarzt Christoph Liebich vom Berufsverband Deutscher Dermatologen. „Feuchtigkeitscreme dagegen bitte weglassen.“ Besondere Beachtung verdienen die Hände. Auch hier hilft fetthaltige Handcreme, die Haut vor Erfrierungen sowie dem Austrocknen zu schützen. Liebich empfiehlt bei niedrigen Temperaturen, auch Kindern die Hände einzucremen, bevor sie ins Freie gehen. Bei Temperaturen unterhalb von minus zehn Grad sollte man sich generell nicht lange draußen aufhalten.

Bei Minusgraden drohen Erfrierungen – an Zehen und Fingern zum Beispiel, an den Ohren oder der Nase. Vor allem Kinder fangen sich gleichzeitig oft eine Unterkühlung ein, warnt das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Diese sollte man immer zuerst behandeln. Anzeichen für eine Unterkühlung sind zum Beispiel Zittern und blaue Lippen, Erfrierungen machen sich durch weißgraue Haut an den betroffenen Stellen bemerkbar. Manchmal bilden sich auch blaurote Flecken.

Frostige Tage im Spreewald FOTO: Peter Becker

Betroffene sollten zunächst raus aus der Kälte und die kalte, eventuell nasse Kleidung ausziehen. Dann sollten Helfer Unterkühlte in eine Decke hüllen und ihnen warme Getränke geben – gerne mit Zucker, aber ohne Alkohol. Um den Kreislauf zu schonen, sollte man beim Aufwärmen eher behutsam vorgehen. Der Raum sollte daher auch nur normal warm sein, nicht überheizt.

Bei Verdacht auf Erfrierungen sollten die betroffenen Stelle locker abgedeckt und erwärmt werden. Hände zum Beispiel lassen sich in den Achselhöhlen gut aufwärmen. Rubbeln oder reiben sollte man an kalten Körperteilen aber nicht, warnt das DRK. Das kann zu noch schlimmeren Verletzungen führen. Verfärbt sich die Haut an der verdächtigen Stelle unter Schmerzen weiß, gelblich oder grau, sollten Betroffene zum Arzt gehen.

Autofahrer sollten prüfen, ob das Kühlwasser ausreichend Frostschutz hat. Temperaturen bis mindestens minus 25 Grad sollte der Kühler aushalten können, betont der ADAC. Das lasse sich etwa in der Werkstatt oder an Tankstellen mit einem kleinen Prüfgerät checken. Ist der Kühler erst einmal eingefroren, müsse er meist in einer Werkstatt wieder aufgewärmt werden. Durch einen eingefrorenen Kühler kann ein Motor überhitzen.

Auch im Scheibenwischwasser sollte ein passendes Wintermittel ausreichend vorhanden sein. Wer nachfüllt, benutzt danach die Anlage kurz, damit das Mittel bis in die Düsen gelangt. Friert das Wasser ein, sei es ebenfalls nötig, die ganze Anlage aufzutauen. Nachträglich Scheibenfrostschutz in den zugefrorenen Behälter zu füllen, bringe nichts mehr, erklärt der Autoclub.

Noch ein Hinweis für Schlittschuhläufer: Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes nennt als absolute Untergrenze eine Eisdicke fünf Zentimetern, damit eine einzelne Person nicht einbricht. Ab acht Zentimetern trägt die gefrorene Schicht auch Gruppen. Fließende Gewässer sollten jedoch erst bei mindestens 15 bis 20 Zentimeter Eisdicke betreten werden. Die genannten Werte seien jedoch als Minimalforderungen zu betrachten. Voraussetzung ist immer, dass die gesamte Eisfläche auf dem Wasser aufliegt und sich keine Luft darunter befindet. Ein Knacken der Eisfläche signalisiert ein zu dünnes Eis, also sofort runter vom Gewässer oder gar nicht erst drauf aufs Eis.

Vor dem Betreten der Spreewald-Fließe wird derzeit gewarnt. Obwohl langsam fließende Strecken hier und da tragfähig sind, sind die Übergänge zu dünnerem Eis nicht zu erkennen. Sicheres Schlittschuhlaufen ist nur auf den vom Winterstau betroffenen und dick überfrorenen Wiesen möglich, etwa in Lehde oder bei Boblitz. Die im Naturschutzgebiet liegenden Eisflächen/Fließe – etwa im Dreieck Burg-Leipe-Raddusch – sollten wegen der Beunruhigung der Wildtiere ohnehin nicht betreten werden. Hirsch und Reh verbrauchen bei der Flucht zusätzliche Energie und Nahrung, die im Winter naturgemäß schwerer zu beschaffen ist. Außerdem konzentriert sich das Wild an den sehr wenigen noch offenen Stellen, um seinen Wasserbedarf zu decken. (mit dpa/pb)