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Rückblick
Was die Lausitz 2017 geschafft hat – oder nicht

17 wichtige Dinge: So blickte die RUNDSCHAU am 2. Januar 2017 auf das neue Jahr.
17 wichtige Dinge: So blickte die RUNDSCHAU am 2. Januar 2017 auf das neue Jahr. FOTO: Behnke, Helbig, dpa / LR
Cottbus. Was RUNDSCHAU-Reporter für das Jahr 2017 in Politik, Sport, Wirtschaft und Tourismus für wichtig ansahen und was daraus wurde. Christian Taubert

Was ist daraus geworden? RUNDSCHAU-Reporter hatten in der ersten LR-Ausgabe dieses Jahres „17 Dinge, die 2017 für die Lausitzer wichtig werden“ zusammengetragen. Wichtig waren die 17 Dinge allemal, aber sind sie auch wie prognostiziert eingetreten?

Sie war als richtungsweisend für Deutschland vorhergesagt worden: die Wahl zum Bundestag am 24. September. Dass im Ergebnis der Versuch zur Bildung einer Jamaika-Regierung herauskam, war wenig überraschend. Das Sondierungs-Aus und die andauernde Zeit ohne neue Regierung dagegen schon. Und aus Lausitzer Sicht ist die Dominanz der CDU bei den fünf Direktwahlsiegern gebrochen worden: Neben Michael Stübgen, Klaus-Peter Schulze und Jana Schimke (alle CDU) gewannen Karsten Hilse und Tino Chrupalla (beide AfD).

Rot-Rot in Brandenburg wollte mit der Kreisreform ein Zukunftsprojekt auf den Weg bringen. Das Vorhaben, die Struktur im Land ab 2019 auf das kreisfreie Potsdam und zehn statt bisher 14 Landkreise zu reduzieren, ist gescheitert. Die Macher der Reform müssen sich vorwerfen lassen, die kommunale Familie nicht ernst genommen zu haben. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) blies die Reform ab. Für die Cottbuser und ihre Stadtspitze hat es sich gelohnt, fast zwei Jahre lang um die Kreisfreiheit zu kämpfen.

Den Plan Wiederaufstieg in die dritte Liga hat der FC Energie Cottbus nicht wie beabsichtigt erfüllt. Dafür war der Mannschaft von Trainer Pele Wollitz Tabellenführer Carl Zeiss Jena schon zeitig viel zu weit enteilt. Aber zu 2017 zählt auch, dass der Viertligist im neuen Anlauf als Tabellenführer schon 14 Punkte Vorsprung hat – zur Freude der Fans.

Tausende Besucher hat es am 9. und 10. September in das Spreewalddorf Raddusch gezogen. Der 700 Einwohner zählende Ortsteil von Vetschau hat das 14. Brandenburger Dorf- und Erntefest ausgetragen. Es war ein Spektakel mit Internet-Störchen, Slawenburg, Hafen, Alpaka-Finca oder Buschmühle. Und: Die Bahn hat an den beiden Tagen gezeigt, dass Raddusch auch tagsüber nicht vom Schienenverkehr abgekoppelt sein muss.

Als Frank-Walter Steinmeier im Februar auf der Bundesversammlung zum Staatsoberhaupt gewählt wurde, hatte Brandenburgs SPD ein Zugpferd verloren. Immerhin hatte er 2013 den einzigen Bundestagswahlkreis für die Sozialdemokraten im Land direkt gewonnen. Das gelang diesmal nicht. Dafür scheint Steinmeier der richtige Mann, um die Parteien zur Regierungsbildung zu ermahnen.

Nach dem Kauf von Vattenfall hat die Leag ein Revierkonzept vorgelegt, das bis in die 2040er-Jahre reicht. Ob dafür die Kohle aus den Tagebauen Nochten II und Welzow-Süd II in Anspruch genommen wird, ist noch nicht komplett entschieden. Von Nochten II soll nur noch das Sonderfeld Mühlrose mit 200 Einwohnern in Anspruch genommen und umgesiedelt werden. Die Entscheidung zu Welzow-Süd II lässt auf sich warten.

Im Spreewald ist die 12. Aquamediale zum Thema „Glaube, Liebe, Hoffnung“ mit dem neuen Kurator Harald Larisch eher lautlos über die Bühne gegangen. 16 Arbeiten von 15 Künstlern haben diesen Sommer die Ufer der Fließe rund um die Lübbener Schloss- und Liebes­insel beherrscht. Hat es der Neue nun geschafft, den Standort weiter zu etablieren? Vielleicht, wenn er in zwei Jahren noch einmal die Gelegenheit erhält, die Aquamediale zu kuratieren.

Mit einer Stimme in Sachen Strukturwandel in der Lausitz zu sprechen, das ist der Region auch 2017 noch nicht gelungen. Doch Berlin und Brüssel erwarten einen Ansprechpartner. Die Lausitzrunde aus 23 Landräten und Bürgermeistern in der länderübergreifenden Kohleregion hatte das Angebot gemacht, als Dach zu fungieren. Doch nun soll diesen Part die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH übernehmen. Sie geht im Januar an den Start, sucht aber noch einen Geschäftsführer.

Ab 2017 ist zusätzlich Wasser aus der Neiße in den ehemaligen Tagebau Meuro geflossen. Und im Dezember ist das Wasser im künftigen Hafen des Großräschener Sees aufgestiegen. Strukturwandel mithilfe gelungener Bergbausanierung – das wird im Lausitzer Seenland immer mehr gegenwärtig. Großräschen wird seinen „Traum“ von der weißen Stadt über dem See zwei Jahre vorfristig – schon 2018 – realisieren können.

Ein Jubiläum hat Senftenberg und Gäste 2017 wie erwartet in seinen Bann gezogen. Am Universitäts-Standort ist „70 Jahre Studieren in Senftenberg“ gefeiert worden. Die RUNDSCHAU ist in einer Serie auf die Spur ehemaliger Absolventen gegangen und hat Forscher, Gründer und Geschäftsführer entdeckt. Die neue BTU ist damit 2017 zu ihren Wurzeln in Senftenberg zurückgekehrt.

Dass das so dringend notwendige zweite Bahngleis zwischen Cottbus und Lübbenau in diesem Jahr näher gerückt wäre, ist relativ. Die Bahn plant weiter, das Vorhaben hat im neuen Bundesverkehrswegeplan an Priorität gewonnen – aber noch gibt es natürlich keine Auswirkungen, auf der Strecke zwischen Berlin und Cottbus mit Anschlüssen nach Sachsen mehr Pünktlichkeit zu erreichen.

Cottbus präsentiert seit Juli nach Experteneinschätzung die größte DDR-Kunstsammlung der Welt. Die Cottbuser Sammlung besteht aus etwa 30 000 Werken der Malerei, Fotografie, Plakatkunst und Zeichnung. Hinzu kommen 11 000 Werke aus Frankfurt (Oder). Möglich ist das durch die vom Potsdamer Kulturministerium vorangetriebene Gründung des Landesmuseums für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt (Oder) geworden. Dafür sind das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus und das Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) verschmolzen.

Von einem deutsch-polnischen „Parkfest“ in Bad Muskau und Lek­nica wollten die Organisatoren von der Stiftung Fürst-Pückler-Park sowie von der Stadt Leknica in diesem Jahr zwar nicht sprechen. Eher war es ein grenzüberschreitendes „Miteinander“. Dennoch: Tausende Besucher haben die Veranstaltungen im zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Ensemble diesseits und jenseits der Neiße sehr gut angenommen. Wie immer ein Spektakel: das Klassik-Open-Air-Konzert.

In Elbe-Elster sollte es 2017 kommunalpolitisch spektakulär weitergehen. Nach der vom Land finanziell unterstützten Fusion der Elbe-Elster-Städte Bad Liebenwerda, Falkenberg, Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück zur künftigen Kurstadtregion sollte das Zusammengehen der Städte Finsterwalde und Sonnewalde folgen. Doch das Land stoppte das Vorhaben, will das Amt Kleine Elster mit berücksichtigt wissen. Das Papier ist inzwischen überarbeitet.

Es sollte ein Brückenschlag von 1517 bis 2017 werden, und die evangelische Kirchengemeinde Finsterwalde hat am Reformationstag zum großen Fest rund um den Marktplatz eingeladen. Der 500. Jahrestag der Reformation wurde dabei auf besondere Weise gefeiert. Mit Theaterspiel, Einweihung eines Stelenweges, Pop-Oratorium, Segen zum Glockengeläut und wie es die Finsterwalder mögen – einem großen Chorsingen.

Amtsinhaber Torsten Pötzsch (Klartext) wollte Oberbürgermeister von Weißwasser bleiben – und er hat es geschafft. Damit kann sich der Chef in dem ostsächsischen Rathaus weiter als ein Sprecher der Lausitzrunde für den Strukturwandel in der Region engagieren. In dem Gremium von 23 Landräten und Bürgermeistern ist er der sächsische Sprecher. Fußnote: Weißwassers OB-Kandidat Rico Jung lässt zurzeit noch rechtlich prüfen, ob Pötzsch Wähler unzulässig beeinflusst hat und die Wahl für ungültig erklärt werden muss.

Um die Kai-Mauer für den Cottbuser Ostsee mit trockenen Füßen fertigstellen zu können, muss die Stadt Tempo aufmachen. Denn im November 2018 soll die Flutung des Ex-Tagebaus Cottbus-Nord vor den Toren der Stadt beginnen. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) sieht das Projekt Kaimauer im Zeitplan. Zudem habe das Land signalisiert, Fördertöpfe für die Sanierung und Gestaltung des ersten Tagebausees in der Lausitz ohne wesentlichen LMBV-Anteil zur Verfügung zu stellen.