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| 01:24 Uhr

"Das Bistum Görlitz ignoriert mich beim Thema Ökumene"

Heilgard Asmus bringt aus Sibiu auch neue Erkenntnisse zum Thema „Bewahrung der Schöpfung“ mit.
Heilgard Asmus bringt aus Sibiu auch neue Erkenntnisse zum Thema „Bewahrung der Schöpfung“ mit. FOTO: Archivfoto: pr
2500 Kirchenvertreter aus ganz Europa treffen sich derzeit zur dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung im rumänischen Sibiu. Gemeinsam beraten sie dort über die Rolle der Christen in Europa und das Verhältnis zwischen Kirchen und Konfessionen. Die RUNDSCHAU sprach mit der Cottbuser Generalsuperintendentin Heilgard Asmus, die in Sibiu teilnimmt. Mit HEILGARD ASMUS sprach Benjamin Lassiwe


Frau Asmus, wie steht es um die Ökumene in Europa?
Besser, als man vielfach sagt. Hier in Sibiu sind Delegierte aus allen an der Ökumene interessierten Kirchen Europas vertreten: Katholiken, Orthodoxe, Protestanten. Keine Gruppe hat auf eine Teilnahme verzichtet. Das zeigt, wie groß das Interesse an der Ökumene nach wie vor ist.

In den letzten Wochen hat es massiven Streit zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Protestanten gegeben. Schuld daran war eine Erklärung der katholischen Glaubenskongregation, die den Protestanten den Status der „Kirche im eigentlichen Sinne“ abgesprochen hat . . .
Auch hier in Sibiu ist diese Erklärung wieder zum Thema geworden. Und mit Verwunderung nehme ich wahr, wie der Ökumenebeauftragte des Vatikans, Kardinal Walter Kasper, sagt, dass einerseits alle Wahrheit in der Welt von Jesus Christus kommt, und andererseits der Papst allein darüber entscheidet, wer nun eine Kirche sei. Ich freue mich deswegen darüber, dass unser Bischof Wolfgang Huber auch gestern betont hat, dass keine Kirche allein darüber entscheiden kann, ob die anderen eine vollwertige Kirche sind, oder nicht.

Wie wirken sich solche Ver stimmungen auf die Ökumene in der Lausitz aus?Wenn Sie mich zur Ökumene in der Lausitz fragen, dann habe ich den Eindruck, dass ich als Frau und Generalsuperintendentin vom katholischen Bistum Görlitz konsequent ignoriert werde. Wenn ich dagegen in die Gemeinden vor Ort komme, dann merke ich, dass es bei den katholischen wie den evangelischen Christen in der Lausitz ein sehr großes Interesse daran gibt, an den Themen der Ökumene weiterzuarbeiten. Dazu zählt die Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation ebenso wie die Frage nach dem gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken. Die Christen an der Basis wollen die Ökumene, unabhängig von den Ver stimmungen zwischen den Kirchenleitungen.

Was nehmen Sie aus Sibiu mit in die Lausitz?Ich erlebe hier in Sibiu einmal mehr die Bedeutung der Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Letzteres ist für uns in der Lausitz vor allem wegen der Braunkohle von Bedeutung. Ich merke aber zum Beispiel an der Reaktion der Versammlung auf die Flutkatastrophe hier in Rumänien, dass das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ noch wesentlich mehr Facetten hat, als wir in unseren Gottesdiensten und Gemeindeabenden bisher behandelt haben.