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| 18:50 Uhr

Ministerporträt
Die Marathonläuferin

Die Cottbuserin Martina Münch (SPD) hat ein Herz für die Wissenschaft, den Denkmalschutz und den Marathon.
Die Cottbuserin Martina Münch (SPD) hat ein Herz für die Wissenschaft, den Denkmalschutz und den Marathon. FOTO: Soeren Stache / dpa
Potsdam. Wissenschaftsministerin Martina Münch: „Die Rufschädigung, die jetzt geschieht, hat Cottbus nicht verdient.“ Von Benjamin Lassiwe

Martina Münch ist eine Marathonläuferin. In Boston ist sie die 42,195 Kilometer schon gelaufen, und Ende Februar ging die Cottbuser Politikerin in Tokio an den Start. Im Sport hat sie die „Six Stars“, die sechs wichtigsten Marathons der Welt, geschafft. Politisch dagegen ist die Sozialdemokratin noch mitten auf der Strecke – doch den toten Punkt, den es bei jedem Marathon gibt, hat die Sozialdemokratin in den letzten Jahren überwunden.

Denn zu Anfang der Legislaturperiode sah es nicht sehr gut aus für Martina Münch: Als einzige nicht direkt gewählte SPD-Abgeordnete saß sie in der letzten Reihe der Fraktion. Der stellvertretende Landesvorsitz ihrer Partei und das Bildungsministerium waren verloren. Erst als vor zwei Jahren die damalige Wissenschaftsministerin Sabine Kunst zur Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität wurde, ging es wieder aufwärts. Münch übernahm das Ministerium für Wissenschaft und Forschung, das sie schon 2009 für einige Zeit geleitet hatte. „Es war ein sehr schönes Gefühl, wieder hier zu sein“, sagt Münch. Das Bildungsministerium hatte ihr ohnehin nicht sehr gelegen – die SPD-Politikerin verliert selbst kaum Worte über diese Zeit, die Meinung von Opposition und Gewerkschaften ist allgemein bekannt.

Im neuen Amt dagegen gelang es der Cottbuserin schnell, sich Respekt zu erarbeiten. Sabine Kunst hatte sauber vorgearbeitet, etwa bei der Erhöhung der Hochschulfinanzierungen: 100 Millionen Euro mehr gibt es allein in dieser Legislaturperiode für die Wissenschaftseinrichtungen. Aber Martina Münch konnte auch eigene Akzente setzen: Zum Beispiel bei der Landesstiftung für den Branitzer Park. „Dafür habe ich mich schon vor vielen Jahren als Stadtverordnete eingesetzt – jetzt haben wir die Stiftung solide ausfinanziert und arbeiten weiter am Unesco-Welterbestatus.“ Allzugroße Hoffnungen will die Sozialdemokratin aber nicht wecken: „Die Unesco kümmert sich um das weltweite Kulturerbe der Menschheit, und da haben viele Länder in Afrika oder Asien noch großen Nachholbedarf“, sagt Münch.

Freude hat die Politikerin auch am Thema Denkmalschutz. Ihre Amtskollegen in der Kultusministerkonferenz der Länder haben Martina Münch für die Zeit bis 2019 zur Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für den Denkmalschutz gewählt – obwohl die Präsidentschaft eigentlich alle drei Jahre zwischen den Bundesländern wechselt, und ihre Vorgängerin Sabine Kunst schon ab 2013 im Amt war. Auch das ist ein Zeichen der Anerkennung, die die Ministerin im neuen Amt genießt. „Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn man die Geschichte der alten Bauwerke hört, und sieht, wie sich Menschen dafür engagieren.“

Im Wissenschaftsbereich ist die SPD-Politikerin derzeit mit einem anderen Dauerthema befasst: der Lehrerbildung. „Da fehlt es in allen Bundesländern an Studienplätzen“, sagt Münch. Derzeit sei man mit den Hochschulen in Brandenburg im Gespräch, um dieses Thema auszubauen. Den Hochschulen? Die Ministerin benutzt bewusst den Plural, obwohl die Lehrerbildung bislang in Brandenburg nur an der Universität in Potsdam angesiedelt ist. „Wir sind in engen Gesprächen mit der BTU, was die Ausbildung von Berufsschullehrern betrifft. Und wir können uns auch vorstellen, andere Lehramtsstudiengänge an der BTU anzusiedeln“, sagt sie. Schließlich gehe es darum, Menschen nach Cottbus zu holen und die Attraktivität der Region zu erhöhen – auch wenn Potsdam natürlich die wichtigste Hochschule zur Leh-
rerbildung bleibe.

Beim Thema Cottbus indes wird die Ministerin schnell ernst. „Die Rufschädigung, die jetzt geschieht, hat Cottbus nicht verdient“, sagt Münch. „Wir sind essenziell darauf angewiesen, dass wir eine weltoffene Stadt sind, und Fremde bei uns willkommen sind.“ Zwanzig Prozent der Studenten in der Lausitzmetropole und ein gutes Drittel der Ärzte im Carl-Thiem-Klinikum seien Ausländer. „Wenn ein farbiger Arzt angespuckt und angepöbelt wird, ist das völlig inakzeptabel“, sagt die Ministerin. „Cottbus hat ganz klar ein Rechtsextremismusproblem, und das ist größer als das Problem mit den Flüchtlingen.“ Doch schnelle Lösungen wird es wohl auch hier nicht geben. „Wir müssen den Menschen zeigen, dass sie nicht abgehängt sind, dass wir ihre Lebensleistung ernst nehmen, und dass es sich lohnt, in der Region zu leben.“ Das zu schaffen, kann allerdings noch eine ganze Zeit in Anspruch nehmen. Aber als Marathonläuferin ist Martina Münch lange Strecken ja gewohnt.