| 06:20 Uhr

Cottbus
Handwerk im Aufwind – Kunden müssen warten

Cottbus. Die Stimmung im südbrandenburgischen Handwerk ist so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Cottbus (HWK), die am Mittwoch vorgestellt wurde.

Dem Handwerk in der Region geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Gut gefüllte Auftragsbücher sorgen dafür, dass sich Kunden gedulden müssen. Von jetzt auf gleich ist kaum noch ein Handwerker zu bekommen.

In den meisten Branchen, allen voran im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, herrscht auch Optimismus für die Zukunft. Dennoch stehen die Firmen vor einigen Herausforderungen. Dazu zählen der Strukturwandel in der Lausitz, insbesondere die Veränderungen im Energiesektor. Die Unternehmen müssen sich nach Ansicht der HWK auf Kostensteigerungen bei Energie, Personal und Material einstellen. Das bedeutet auch höhere Kosten für die Auftraggeber.

96 Prozent der Handwerksbetriebe sind mit ihrer aktuellen Situation zufrieden, 65 Prozent schätzen ihre Lage als gut ein. Eine 100-prozentige Zufriedenheit wird unter anderem im Ausbauhandwerk erreicht. Auch die Zufriedenheitswerte im Kfz-Gewerbe sind im Vergleich zum Vorjahr nach oben gegangen. Das betrifft allerdings nur die Werkstätten und nicht den Autohandel.

Knapp neun Wochen Auftragsvorlauf sind mittlerweile der Durchschnitt im Handwerk, im Baugewerbe und bei Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern sind die Vorläufe und damit die Wartezeiten für Kunden noch länger. „Havarien und Service werden noch abgedeckt, aber Bauprojekte sollten möglichst längerfristig geplant werden“, sagt Manja Bonin, Abteilungsleiterin Unternehmensberatung bei der HWK, die die Konjunkturumfrage ausgewertet hat.

Die gute Stimmung im Handwerk führe auch dazu, dass die Unternehmen gleichbleibend viel investieren, der überwiegende Teil seien Ersatzinvestitionen, die auch mit modernerer Technik und höherer Energieeffizienz verbunden sind. Jeder fünfte Unternehmer gab mehr Geld für Investitionen aus als in den Vorjahren.

Angespannt bleibt nach wie vor die Situation auf dem Fachkräftemarkt. Zwölf Prozent der Unternehmen konnten ihr Personal aufstocken, doch jedes dritte Unternehmen sucht Mitarbeiter. Trotz steigender Zahl der Ausbildungsverträge und mehr Interesse von Schülern an Gymnasien und Oberstufenzentren für das Handwerk gibt es noch zu viele freie Ausbildungsstellen. „600000 Menschen leben im Kammerbezirk Cottbus, nur neun Dachdecker haben in diesem Jahr ihre Ausbildung begonnen“, macht HWK-Geschäftsführer Knut Deutscher die Misere deutlich.

Das Südbrandenburger Handwerk kommt auch an der Digitalisierung der Wirtschaft nicht vorbei. Bei der Befragung haben 40 Prozent der Unternehmen geäußert, dass die Digitalisierung für sie ein sehr wichtiges Thema ist. Knapp 30 Prozent der Befragten haben bereits digitale Maßnahmen realisiert, weitere 30 Prozent haben solche geplant. Dazu zählen unter anderem Datenschutz, Datensicherheit und Betriebsorganisation.

Die Handwerkskammer will den Firmen auf diesem Gebiet weiter beratend zur Seite stehen. Darum wurde das Konzept e-Handwerk entwickelt. Am 14. November ist der offizielle Startschuss für das neue Digitalzentrum für das Bauhauptgewerbe, das Ausbaugewerbe und den gewerblichen Bedarf. Damit sei die HWK im Osten Deutschlands Vorreiter auf diesem Gebiet.

Nach der aktuellen Konjunkturumfrage der HWK erreichen die Betriebe des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes Spitzenwerte bei der Zufriedenheit. Kunden müssen allerdings mit langen Wartezeiten und höheren Kosten rechnen.
Nach der aktuellen Konjunkturumfrage der HWK erreichen die Betriebe des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes Spitzenwerte bei der Zufriedenheit. Kunden müssen allerdings mit langen Wartezeiten und höheren Kosten rechnen. FOTO: Sebastian Kahnert / dpa