Sie wollten in Südtirol ihren Ski-Urlaub genießen und sind nun unter anderen Umständen wieder in die Heimat zurückgekehrt: Eine Potsdamer Reisegruppe von Schülern und Lehrern wurde am Samstagmorgen unmittelbar nach ihrer Ankunft im Gesundheitsamt der Landeshauptstadt auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (Sars-CoV-2) getestet. Das teilte Amtsärztin Kristina Böhm mit. Zuvor war ihren Angaben zufolge die Gruppe aus 69 Jugendlichen, 22 Begleitpersonen und zwei Busfahrern mit zwei Reisebussen auf dem Gelände des Klinikums Ernst von Bergmann eingetroffen. Zunächst war von 17 Begleitpersonen die Rede gewesen.

Virus-Test im Akkord

Vier Teams des Gesundheitsamtes testeten mit Unterstützung von Ärzten des Klinikums nacheinander die Schüler der 11. bis 13. Klasse, ihre Lehrer und die Busfahrer. „Wir haben innerhalb von zweieinhalb Stunden 93 Abstriche nehmen können, wir haben alle Ankommenden untersucht“, berichtete Böhm. Niemand habe stationär aufgenommen werden müssen. Trotz Übermüdung gehe es allen gut.

Die Tests seien bereits nach Berlin an das Referenzlabor der Charité geschickt worden, sagte Böhm weiter. Die Testergebnisse sollten ihr zufolge spätestens am Mittwoch vorliegen.

Den Angehörigen hatte das Klinikum einen Aufenthaltsraum zur Verfügung gestellt. Dort wurden sie von Böhm und zwei Ärzten, darunter der Oberarzt der Infektiologie, Tillmann Schumacher, über die aktuelle Lage informiert. In persönlichen Gesprächen mit den Medizinern konnten die Eltern Fragen stellen, etwa zu der vom Gesundheitsamt angeordneten häuslichen Isolation für ihre Kinder. Die Angehörigen hätten „sehr besonnen“ reagiert und es habe „großen Applaus“ für die Informationsveranstaltung gegeben, beschrieb eine Sprecherin der Stadt die Atmosphäre.

Symptome bei einigen Schülern

Die Schülergruppe war am vergangenen Wochenende zu der Reise aufgebrochen. Die Leiterin des Potsdamer Gesundheitsamts hatte erklärt, einige Schüler hätten in ihrer Unterkunft in Südtirol Symptome eines Infekts gezeigt. Bei manchen Jugendlichen seien sie schon vor der Abreise aufgetreten. „Es gibt Infektionssymptome, diese entsprechen allerdings nicht den Kriterien, die laut Robert Koch-Institut zu erfüllen sind“, erklärte Böhm. Keine der Personen habe Fieber gehabt, so dass man nach der klinischen Bewertung momentan entspannt sei.

Die Kinder würden sich nach Angaben von Böhm in eine angeordnete „häusliche Absonderung“ begeben, bis die Testergebnisse aller 93 Personen feststünden. Erst wenn alle Ergebnisse negativ ausfielen, könne diese Maßnahme aufgehoben werden. Die Schüler sollten zuhause bleiben und keinen nahen Kontakt mit den Eltern haben. „Eine zeitliche und räumliche Trennung wird dringend empfohlen“, sagte Böhm.

Den Brandenburger Behörden ist inzwischen eine zweite Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet worden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Freitagabend handelt es sich um eine im Havelland gemeldete Frau, die mit ihrem Partner in Berlin-Reinickendorf lebt. Die 43-Jährige und ihr Ehemann wurden demnach positiv auf das Virus getestet; sie kamen in häusliche Isolation. Zuvor war bei einem 51 Jahre alten Mann aus Hohen Neuendorf (Oberhavel) der neuartige Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Er war aus einem Skiurlaub in Südtirol zurückgekehrt.