Ab dem 9. Mai 2020 gelten in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen jeweils neue Eindämmungsverordnungen. Das Land Brandenburg lockert zunächst die Corona-Regeln in den Kitas nur im Detail. Das Betreuungsangebot von Kitas, Krippen und Horten soll aber nach und nach wachsen, kündigte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) an. Schon durch die erweiterte Notbetreuung im April sei die Betreuungsquote von 7 Prozent auf gut 26 Prozent erweitert worden berichtete die Ministerin. Nun soll die Anzahl der Kinder in den Gruppen leicht erhöht werden, um mehr Kinder aufnehmen zu können. Ab dem 18. Mai ist es Kitas, Horten und Krippen dann erlaubt, mehr Kinder in einer Gruppe zu betreuen. Bisher ist die Größe der Gruppe auf fünf Kinder beschränkt. Im Bereich Krippe soll die Gruppengröße auf maximal sechs Kinder, in Kitas auf zehn Kinder und in Horten auf fünfzehn Kinder erweitert werden.

Die ältesten Kita-Kinder sollen vor der Sommerpause noch einmal in die Einrichtung kommen können. „Wir wollen die Planungen dazu in der kommenden Woche konkretisieren, um den Eltern eine Perspektive bis zu den Sommerferien zu geben“, versprach Ernst.

Wie sieht die Notbetreuung in den Brandenburger Kitas aus?

Seit dem 27. April 2020 gilt die sogenannte Ein-Eltern-Regelung für alle Berufs- und Bedarfsgruppen der kritischen Infrastruktur. Ein-Eltern-Regelung bedeutet, dass nur ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf tätig sein muss, um Anspruch auf die Notbetreuung zu haben. Voraussetzung ist jedoch, dass die Sorgeberechtigten eine Betreuung nicht im häuslichen Umfeld organisieren können.

Welche Berufs- und Bedarfsgruppen gehören zur kritischen Infrarstruktur in Brandenburg?

  • Gesundheitsbereich
  • gesundheitstechnischer und pharmazeutischer Bereich
  • medizinischer und pflegerischer
  • Bereich, der stationären und teilstationären Erziehungshilfen, in Internaten gemäß § 45 SGB VIII, der Eingliederungshilfe sowie der Versorgung psychische Erkrankter
  • Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktionen sowie der Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltung,
  • Polizei, Rettungsdienst, Katstrophenschutz und Feuerwehr sowie sonstige nicht-polizeiliche Gefahrenabwehr
  • Rechtspflege,
  • Vollzugsbereich einschließlich Justizvollzug, Maßregelvollzug und vergleichbare Bereiche,
  • Energie, Abfall, Ab- und Wasserversorgung, Öffentlicher Personennahverkehr, IT und Telekommunikation, Arbeitsverwaltung (Leistungsverwaltung),
  • Land- und Ernährungswirtschaft, Lebensmitteleinzelhandel und Versorgungswirtschaft,
  • als Erzieherin und Erzieher oder als Lehrerin und Lehrer in der Notfallbetreuung,
  • Medien (Journalismus einschließlich Produktion und Lieferung),
  • Veterinärmedizin,
  • für die Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs erforderliches Personal,
  • Reinigungsfirmen, soweit sie in kritischen Infrastrukturen tätig sind.

Alleinerziehende können - unabhängig von einer Tätigkeit in den genannten kritischen Infrastrukturen - die Notfallbetreuung ebenfalls in Anspruch nehmen, sofern es keine andere Betreuungsmöglichkeit gibt.

Kita-Betreuung in Sachsen

Der Freistaat Sachsen sieht in den Corona-Regelungen vor, dass alle Kinder ihre Kitas wieder aufsuchen können - in strikt voneinander getrennten Gruppen. Für alle gelten umfassende Regeln. Ein Überblick.

Wer darf ab 18. Mai in Sachsen wieder in die Kitas?

Es gilt in Sachsen ab dem 18. Mai ein eingeschränkter Regelbetrieb, der die bisherige Notbetreuung ablöst. Krippen- und Kindergartenkinder dürfen wieder in die Einrichtungen. Eltern müssen aber laut Städtischem Städte- und Gemeindetag (SSG) mit eingeschränkten Kita-Öffnungszeiten rechnen.

Welche Regeln gelten für die Wiederöffnung der Kitas in Sachsen?

Wenn Kinder erkältet sind, dürfen sie die Einrichtung nicht betreten. Eltern müssen jeden Tag eine Bescheinigung ausfüllen, dass es in der Familie und beim Kind selbst keine Symptome gibt. Eltern sollten zudem beim Bringen und Abholen einen Mundschutz tragen, auch Erziehern wird das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung empfohlen, wenn es die Situation zulässt. Kinder müssen keine Maske tragen. Es gelten zudem verstärkte Hygiene-Regeln.

Wie soll die Wiedereröffnung der Kitas in Sachsen in der Praxis aussehen?

Sachsen setzt in den Kitas auf eine strikte Trennung der Gruppen anstatt auf Abstandsregeln und kleine Gruppengrößen. Gerade kleinere Kinder könnten Abstände nur schwer einhalten, eine Betreuung im Schichtsystem sei zudem nur schwer zu realisieren, begründet Kultusminister Christian Piwarz (CDU) das Modell. Das heißt, dass es feste Gruppenräume und Erzieher gibt. Sowohl im Gebäude als auch im Kita-Garten dürfen sich die jeweiligen Gruppen nicht begegnen. ‎

Wenn eine Corona-Infektion an einer Kita in Sachsen auftritt, wird dann die Einrichtung geschlossen?

Wenn es eine Corona-Infektion gibt, wird die Gruppe in Quarantäne geschickt. Das Kultusministerium erhofft sich von seinem Modell der streng getrennten Betreuungsgruppen aber, dass nur die jeweilige Kitagruppe in Quarantäne geht und nicht die gesamte Einrichtung. Letztlich entscheiden das aber die Gesundheitsämter.

Gibt es künftig mehr Erzieher in den Kitas in Sachsen?

In vielen Kitas gibt es offene Konzepte und einen Austausch zwischen den Gruppen und Erziehern. Künftig müssen die Kitas sich so organisieren, dass es feste Gruppen mit festen Bezugspersonen gibt - ein personeller Mehraufwand. Am Betreuungsschlüssel an den Kitas soll sich laut Kultusministerium vorerst nichts ändern. Wenn Kollegen erkranken, muss die Leitung erklären, ob die Betreuung durch andere Kollegen abgesichert werden kann. Es sei nicht auszuschließen, dass die Betreuung dann teilweise eingeschränkt werden müsse, so Piwarz.

Warum hat sich Sachsen für diesen Weg entschieden?

Mit kleinen Gruppen und Abstandsregeln ist nach Einschätzung des Kultusministeriums über Monate hinweg kein Regelbetrieb möglich. Deshalb hat das Land unter anderem mit Medizinern nach einem anderen Konzept gesucht. Beteiligt war auch der Dresdner Infektiologe Reinhard Berner. Seiner Ansicht nach braucht es langfristige Modelle, die Kindern Zugang zu Gleichaltrigen ermöglichen. Die nächsten Sommermonate mit voraussichtlich geringen Infektionszahlen können genutzt werden, um Konzepte zu testen - und notfalls zu korrigieren. „Diese Zeit werden wir im Herbst oder Winter nicht mehr haben. Wir stehen vor einer zweiten oder dritten Welle“, so Berner. Größere, aber dafür feste und voneinander getrennte Gruppen haben laut Berner den Vorteil, dass Infektionen schnell nachverfolgt werden können.