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Computer-Offensive mit Schattenseiten

Schon vor drei Jahren hatte das Bildungsministerium verkündet, fast alle Schulen seien mit Internet-Anschlüssen ausgerüstet. Nun heißt es, dass rund 80 Prozent der Schulen im Land über die Grundausstattung bei Computertechnik verfügen. Während Gymnasien und Gesamtschulen auf einen Ausstattungsgrad von 93 Prozent bzw. 91 Prozent verweisen können, sind es in Realschulen 79 Prozent und in Grundschulen 70 Prozent, die mit der entsprechenden Technik ausgerüstet sind. Lediglich bei den brandenburgischen Oberstufenzentren ist von einer vollständigen Ausstattung auszugehen. Von matthias krauß

Laut Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) wurden seit zwischen 1998 und 2001 rund 8200 Lehrer im Umgang mit dem neuen Medien fortgebildet. Die neuen Rahmenlehrpläne sehen laut Reiche den Einsatz dieser Geräte in allen Fächern vor. Unter anderem um diese Entwicklung pädagogisch zu begleiten, nahm am 1. Juli das neue Landesinstitut für Schule und Medien in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) seine Arbeit auf. Das Institut hat dem Gesetz zufolge weiter den Auftrag, Schulen und außerschulische Bildungseinrichtungen bei der Medienausstattung zu beraten.
Vor dem Start der "Medienoffensive an unseren Schulen" hatten Untersuchungen ergeben, dass Schüler vielfach ihren Lehrer in Gebrauchsfertigkeiten mit den neuen Medien überlegen sind. "Das alles nutzt nichts, wenn dann die Schüler die Lehrer einweisen und nicht umgekehrt", sagte der Bildungsminister damals. Von einem wirkungsvollen Einsatz der neue Medien im Unterricht verspricht er sich eine umfassende "Medienkompetenz".
Erst als die Computerwelle über den Schulen zusammenschlug, fiel den Verantwortlichen auf, welche Gefahren damit verbunden sind, wenn Schüler sich damit auskennen und Lehrer eben nicht. Die Gefahr des Missbrauchs der Schulcomputer war erheblich, wenn Kinder und Jugendliche "leicht den Zugang zu problematischen Angeboten finden, jedoch nicht über die Fähigkeiten verfügen, diese zu verkraften und zu verarbeiten". Dabei bezog sich die Sorge auf Angebote pornographischen und gewaltverherrlichenden sowie rechtsextremen Inhalts.
Rasch wurde vor einem Jahr ein Staatsvertrag nachgeschoben, wonach der Jugendschutz im Internet so weit wie möglich verstärkt werden sollte. Laut dem Vorsitzenden des Hauptausschusses, Gunter Fritsch (SPD), geht es darum, "Schutzmechanismen einzubauen". Dies solle im Zusammenwirken mit Schulen und Fachgremien geschehen.
Die Zentralstelle "jugenschutz.net" soll bei Verstößen gegen den Kinder- und Jugendschutz den Anbieter darauf hinweisen und sowohl die Justizministerkonferenz als auch die Freiwillige Selbstkontrolle darüber informieren. Laut Bildungsministerien wurden zwischen 1990 und 2002 über 150 Indizierungsanträge bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften gestellt. Das betraf u. a. ein Buch sowie sieben Magazine, drei Videos, zwei Computerspiele, 39 sonstige Tonträger und 102 Online-Angebote.