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China will mehr als 1000 Arbeitsplätze in der Lausitz schaffen

Die Wirtschaftsminister Martin Dulig (r.) und Albrecht Gerber (2.v.r./beide SPD) auf der 13. Lausitzkonferenz des DGB in Hoyerswerda.
Die Wirtschaftsminister Martin Dulig (r.) und Albrecht Gerber (2.v.r./beide SPD) auf der 13. Lausitzkonferenz des DGB in Hoyerswerda. FOTO: Ch. Taubert
Hoyerswerda. 13. Lausitzkonferenz in Hoyerswerda schlägt mit einer angekündigten Großinvestition den Bogen von der Theorie in die Praxis. Ein chinesisches Unternehmen will 1,13 Milliarden Euro in Rothenburg investieren. Christian Taubert / ckx

Das hat die Regie der 13. Lausitzkonferenz des DGB nicht vorhersehen können: In die neuerliche Debatte um den anstehenden Strukturwandel in der Lausitz platzt Martin Dulig mit einer Nachricht, die anschaulich macht, wie Strukturentwicklung funktionieren kann.

Sachsens Wirtschaftsminister kündigt taufrisch eine Investition von 1,13 Milliarden Euro auf dem Flugplatzgelände in Rothenburg (Kreis Görlitz) an. Der chinesische Automobil-Zulieferer Beijing WKW Automotive will dort Elektroautos für den europäischen Markt bauen und mehr als 1000 Arbeitsplätze schaffen. Das börsennotierte Unternehmen sei seit Wochen in Deutschland unterwegs und habe sich nun für das Autoland Sachsen entschieden", so der SPD-Politiker.

In der Dresdner Staatskanzlei wird unterdessen bestätigt, dass sich Sachsen im Wettbewerb gegen andere Standorte im Süden Deutschlands, in Thüringen und Sachsen-Anhalt durchgesetzt habe. Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) bewertet die geplante Investition als ein Signal, das den Strukturwandel in der Lausitz befördern werde. Mit einer kaum noch für möglich gehaltenen Investition in dieser Größenordnung kann Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) in Hoyerswerda nicht aufwarten. Zuletzt habe der Windkraftanlagen-Hersteller Vestas in Lauchhammer die Erweiterung seiner Produktion und 300 neue Arbeitsplätze angekündigt.

Doch für die DGB-Konferenz waren das eher Sahnehäubchen, Bausteine auf dem Weg in die Zeit nach der Braunkohle. Gerber und Dulig, die ihr abgestimmtes Auftreten gegenüber dem Bund in Sachen Energiewende und Strukturwandel hervorheben, sollen vielmehr die Strategie ihrer Länder für die Zukunft der Lausitz darlegen. "Wir werden den Bund nicht aus seiner Verantwortung entlassen", betont Dulig und verweist auf Auswirkungen von Berliner Entscheidungen zur Energie- und Klimapolitik in der Lausitz. Albrecht Gerber nennt es einen wichtigen Erfolg, dass die ursprünglich vorgesehene Kohleausstiegs-Kommission jetzt eine Kommission zur Struktur- und Regionalentwicklung geworden ist. Dafür gibt es Beifall von den Gewerkschaftern. Denn das entspricht ihren Forderungen zur nachhaltigen Lausitz-Entwicklung mit Industriearbeitsplätzen und guter Arbeit - von Tariflohn über Mitbestimmung bis Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Um diesen Prozess in der länderübergreifenden Energieregion zu leiten, drängen beide Minister auf eine Führung aus der Region heraus. Dafür steht eine sächsisch-brandenburgische Wirtschaftsförderungsgesellschaft - die Wirtschaftsregion Lausitz GmbH - mit den vier Südbrandenburger Landkreisen und Cottbus sowie den Kreisen Görlitz und Bautzen in den Startlöchern. Dieses Netzwerk der kommunalen Ebene soll, so Dulig, Anfang Juli die Arbeit aufnehmen. Das wäre einen Monat nach der gemeinsamen Kabinettssitzung in Groß räschen.

Die sächsische DGB-Chefin Iris Kloppich unterstützt diesen Weg für eine nachhaltige Entwicklung der Region. Voraussetzungen für ein Engagement in der Lausitz seien aber auch eine gute Infrastruktur mit Straßen, Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichem Nahverkehr.

Zum Thema:
Chinesische Investoren haben im Kreis Görlitz schon Spuren hinterlassen: So will die Menred-Gruppe in Weißwasser zwei Fertigungslinien für Kunststoffrohre errichten. Sie haben dazu ein Grundstück am Stadtrand gekauft. Zwei Millionen Euro sollen dort investiert werden. Einen Technologietransfer haben Waggonbau Niesky und der chinesische Bahnkonzern CRRC vereinbart. In China sollen preiswerte Komponenten gefertigt werden - und zwar für Fahrzeuge, wie leichte Schiebewandwagen, die in Niesky nicht kostengünstig produziert werden können. ckx