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Bunte Blütenwelt am blauen Band der Havel

Die ersten Blumen zeigen sich schon auf dem Rathenower Buga-Gelände am Bismarckturm. Die Stadt ist nur einer von fünf Standorten.
Die ersten Blumen zeigen sich schon auf dem Rathenower Buga-Gelände am Bismarckturm. Die Stadt ist nur einer von fünf Standorten. FOTO: Buga/Thomas Uhlemann
Potsdam. Die Bundesgartenschau beginnt am morgigen Samstag in fünf Orten. Standorte der alle zwei Jahre organisierten Schau sind Brandenburg/Havel, Premnitz, Rathenow und Stölln in Brandenburg sowie Havelberg in Sachsen-Anhalt, die die Havel über eine Entfernung von 80 Kilometern verbindet. Benjamin Lassiwe

Tulpen, Tulpen und nochmals Tulpen. Sie sprießen aus dem Rasen hervor, unter den Bäumen, in großen Beeten. Mehr als 1,8 Millionen Blumenzwiebeln haben die Organisatoren der Bundesgartenschau in den letzten Monaten pflanzen lassen. Wenn am Samstag die ersten der 1,5 Millionen erwarteten Besucher die Ausstellungsgelände der Bundesgartenschau im Havelland besuchen, soll es in allen Regenbogenfarben blühen.

Und zwar an fünf Orten gleichzeitig: Zum ersten Mal in der Geschichte der Gartenausstellung findet die Buga an unterschiedlichen Orten statt, in Brandenburg an der Havel, in Havelberg, in Rathenow, Stölln und Premnitz. "Von Dom zu Dom - das blaue Band der Havel" lautet das Motto der Ausstellung, denn fast alle Standorte liegen am behäbig dahinplätschernden Fluss und zwischen den noch aus der Ottonenzeit stammenden, ältesten Kirchen der Mark Brandenburg mit ihren imposanten gotischen Gemäuern. Mit einer einzigen Eintrittskarte kann der Besucher alle fünf Standorte besuchen, auch an unterschiedlichen Tagen.

So kann man zum Beispiel zuerst die Blumenhalle am größten Standort in Brandenburg besichtigen: Hier gibt es zunächst eine Eröffnungsschau rund um die Tulpe, bevor ab dem 25. April "der neue Star unter den Schnittblumen", der Prärie-Enzian, im Zentrum steht. Anschließend geht es dann mit einer der eigens beschafften kleinen Buga-Fähren zum Freigelände der Gartenschau am anderen Flussufer. Oder die Besucher verlieren im wörtlichen Sinn die Bodenhaftung. Denn zur Eröffnung des Geländes steht in Brandenburg eine der spektakulärsten Attraktionen der Ausstellung, der Buga-Skyliner. Dabei handelt es sich um den höchsten mobilen Aussichtsturm der Welt: Aus 81 Metern Höhe können Orte in bis zu 30 Kilometer Entfernung erspäht werden. Oder auch einfach nur der Brandenburger Dom, der in diesem Jahr das 850. Jubiläum seiner Gründung feiert, von oben aufs Dach schauen.

Eine andere Möglichkeit indes wäre die Weiterreise, zum Beispiel nach Stölln, wo Lady Agnes den Besucher erwartet. Dabei handelt es sich indes nicht um eine der in Brandenburg omnipräsenten Blüten-, Produkt- oder Schönheitsköniginnen, sondern um ein altes Flugzeug. In einer spektakulären Aktion war die Iljuschin 62 der ehemaligen Interflug einst auf dem Acker gelandet worden, in dessen Nähe der Flugpionier Otto Lilienthal seine ersten Gleitflüge durchführte. "Die Bundesgartenschau ist ja in der Regel eher eine Sache, bei der die Frauen über den Besuch entscheiden", sagt Buga-Geschäftsführer Matthias Ulrich. "Lady Agnes ist dagegen etwas für Opas, Väter und Enkel, ein echter Wow-Effekt." Wo sonst käme man schon einmal in das Cockpit eines echten Verkehrsflugzeugs hinein? Und im örtlichen Lilienthal-Centrum können Besucher eine 500 Quadratmeter große Ausstellung rund um den Flugpionier besichtigen. Doch auch das Gärtnerische kommt in Stölln nicht zu kurz: Rund um das alte Flugzeug entstehen Beete mit Pflanzen, die aus den Ländern kommen, in die die alte Iljuschin in ihrer aktiven Zeit einst geflogen ist.

Wer das Havelland bereist, kann sich dabei auf eine mustergültig herausgeputzte Infrastruktur freuen. Rund 80 Millionen Euro hat das Land in der Gegend investiert - zum Beispiel, damit die Havelstadt Brandenburg einen modernen Bahnhof nebst ansprechendem Vorplatz vorweisen kann. Immerhin fahren von hier nicht nur die Züge von und nach Berlin und Magdeburg, sondern auch nach Premnitz und Rathenow ab - für Buga-Besucher ist der Brandenburger Bahnhof deswegen ein wichtiger Umsteigepunkt. Die Chefin des Buga-Zweckverbands und Oberbürgermeisterin von Brandenburg (Havel), Dietlind Tiemann, verweist indes auf die Nachhaltigkeit. "Kein Projekt ist nur für die Buga gebaut worden." Radwege entstanden entlang des Flusses, in Rathenow wurde die Weinbergbrücke neu errichtet. "Es geht um städtebauliche Maßnahmen und die Regionalentwicklung."

So ist es auch ganz am anderen Ende des Reigens der Buga-Veranstaltungsorte, in Havelberg. Die Stadt in Sachsen-Anhalt, die wie die ganze Altmark einst zu Brandenburg gehörte, hat mit der Blumenhalle in der Stadtkirche Sankt Laurentius einen weiteren Veranstaltungsschwerpunkt zu bieten. Im alten Havelberger Dom dagegen erwartet die Besucher eine Ausstellung des Malers und Bildhauers Lutz Friedel, dessen Kunst anlässlich der Eröffnung des Brandenburger Landtags bekanntlich zu einem veritablen Skandal führte. Im Dom zu Havelberg stellt er Figuren aus, die er als "Ketzer" bezeichnet. "Das steht für uns unter dem Stichwort ,Erkenntnis‘, sagt Dompfarrer Frank Städler, der ebenfalls hofft, dass zahlreiche Besucher der Gartenschau den Weg in die gotische Kirche finden werden. Dort, wie an allen anderen Standorten der Gartenschau, finden täglich um zwölf Uhr Mittagsandachten statt, für alle, die sich von der Gartenkunst an ein Paradies erinnern lassen.

Ein weiterer Geheimtipp in der alten Handelsstadt ist schließlich auch der 200 Hektar große Naturgarten, für dessen Gestaltung der Naturschutzbund (Nabu) verantwortlich zeichnet. Dort erhalten Naturfreunde Tipps für naturnahes Gärtnern, etwa zu heimischen Pflanzen oder zum Bau von Insektenhotels und Nisthilfen. Und im "Haus der Flüsse" präsentiert der Nabu das Projekt der Renaturierung der Unteren Havelniederung: Auf rund 90 Flusskilometern will der Nabu in den kommenden Jahren Sandufer von ihrem steinernen Korsett befreien, Altarme und Flutrinnen wieder mit dem Fluss verbinden und 89 Hektar Au- und Uferwald sowie Überflutungsflächen für einen natürlichen Hochwasserschutz schaffen.