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"Bürokratie hilft uns nicht weiter"

Der Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg, Henrik Wendorff, vor einem überfluteten Maisfeld in Fehrbellin. Zu viel Regen hätte den Bauern die Arbeit erschwert, sagt er. Erfolge gäbe es derweil in Sachen Tierschutz.
Der Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg, Henrik Wendorff, vor einem überfluteten Maisfeld in Fehrbellin. Zu viel Regen hätte den Bauern die Arbeit erschwert, sagt er. Erfolge gäbe es derweil in Sachen Tierschutz. FOTO: dpa
Potsdam. Brandenburgs Landwirte leiden – unter schlechtem Wetter wie unter staatlicher Bürokratie. Beim Tierschutz hingegen komme man voran, sagt der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff. iwe1

Die RUNDSCHAU hat mit ihm gesprochen.

Herr Wendorff, wie geht es Brandenburgs Landwirten?
Wendorff Es geht ihnen nicht besonders gut. Wir haben jetzt das zweite Jahr in Folge Probleme: Bei den Milchbetrieben ist zwar nach einem schlechten Milchjahr dank höherer Preise nun Licht am Horizont, dafür hatten die Landwirte, die auch Ackerbau betreiben, kein gutes Jahr. Zur Ernte hatten wir in diesem Jahr schwierige Bedingungen - und nach den Regenfällen des Sommers stehen sogar heute noch manche Felder in Brandenburg unter Wasser.

Wie kommt es zu den höheren Milchpreisen, die ja auch jeder Verbraucher im Supermarkt merkt? Fand da eine notwendige Marktbereinigung statt?
Wendorff Die Molkereien und die Discounter haben gemerkt, dass sie die Bauern nicht bis aufs letzte Hemd ausnehmen dürfen. Dazu kommt ein guter Weltmarktpreis für Milchfette. Derzeit kann ein Milchbauer für einen Liter Milch bis zu 37 Cent erlösen. Im vergangenen Jahr waren es 20 Cent. Schon das macht deutlich, wie schnell sich der Weltmarkt verändert.

Sollten die Betriebe, die im vergangenen Jahr Kühe abgeschafft haben, nun wieder ihre Produktion ausweiten?
Wendorff Ich glaube, wir haben im vergangenen Jahr deutlich gemerkt, dass es nicht zielführend ist, zu glauben, dass bloße Mengenproduktion zu besseren Erlösen führt. Und im Moment kann auch noch niemand absehen, wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns beim Milchpreis bewegen. Für die Milchbauern wäre es hilfreich, wenn der Preis jetzt ein, zwei Jahre in dieser Höhe stabil bliebe. Damit könnten Verluste aus den letzten Jahren ausgeglichen werden. Aber ich fürchte, dass das Eis wirklich sehr dünn ist.

Brandenburgs Politik arbeitet im Moment daran, den nach dem erfolgreichen Volksbegehren ausgehandelten Kompromiss zur Massentierhaltung umzusetzen. Wo steht man da aus Ihrer Sicht?
Wendorff Wir haben einen Tierschutzbeauftragten, und es gab den Beschluss des Landtags zur Erstellung eines Landestierschutzplanes. Daran sind wir intensiv beteiligt, im Übrigen auch in Zusammenarbeit mit den Verbänden und Organisationen, die hinter dem Volksbegehren zur Massentierhaltung standen. Wir suchen dort nach Lösungen und hoffen, dieses Vorhaben bis zum Jahresende zu Ende zu bringen. Dabei geht es uns vor allem um Dinge, die in Brandenburg auch machbar sind.

Was heißt das konkret?
Wendorff Wir haben in den Arbeitsgruppen auch Bereiche angepackt, bei denen wir nicht so zuversichtlich waren, dass wir zu Lösungen kommen würden. Zum Beispiel das Kürzen von Schwänzen beim Schwein oder die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes. Da stoßen wir Türen auf, um Dinge zu entwickeln, haben aber noch nicht für alles wirklich Lösungen parat. Aber wenn der Berufsstand als ein Partner wahrgenommen wird, gibt es auch Bereitschaft, über Dinge nachzudenken.

Wo soll es denn künftig Veränderungen geben?
Wendorff Wir haben gemeinsam beschlossen, erst im Herbst die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zu veröffentlichen, deshalb muss ich um Verständnis bitten, dass ich da jetzt noch nicht so viel sagen kann. Letztlich muss sowieso der Landtag entscheiden, wie der Tierschutzplan aussehen wird. Aber ich kann vielleicht sagen, dass wir über klare Definitionen bei der Schlachtung trächtiger Tiere, das Kürzen von Schnäbeln und Schwänzen und auch den Heißbrand bei Pferden diskutieren. Wichtig ist auch, dass wir bestimmte Zielkonflikte endlich auflösen: Wenn wir Rindern mehr Auslauf bieten, gibt es auch mehr Emissionen. Da kann es sein, dass Tierhaltung und Klimaschutz in Konflikt miteinander geraten.

War das Volksbegehren aus Ihrer Sicht am Ende also doch sinnvoll?
Wendorff Das Volksbegehren war aus meiner Sicht nicht notwendig. Man hätte besser daran getan, der Landwirtschaft mehr Zeit zu geben, sich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. Wir mussten auch Forderungen nach der völligen Abschaffung der Tierhaltung hören und wurden im letzten Jahr übel beschimpft. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen.

Wie nehmen Sie denn das Landwirtschaftsministerium insgesamt wahr? Im vergangenen Jahr hatten Sie ja massive Probleme mit den Auszahlungen der Ökoprämie. . .
Wendorff In der Tat, mit der Auszahlung der Ökoprämie gab es große Schwierigkeiten. Schlimmer noch sind aber die Schwierigkeiten, die wir mittlerweile mit der ungebremsten Bürokratie haben. Gerade auch für Nebenerwerbslandwirte, also kleinere Betriebe, wird es immer schwerer, den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, die für eine Förderung erforderlich sind. Ein Beispiel ist die Düngeverordnung: Da werden Vorschriften aufgestellt, die für einen Landwirt mit zehn Hektar genau so gelten, wie für einen Betrieb mit 250 Hektar. Hier muss sich dringend etwas tun, sonst verliert der ein oder andere wirklich die Lust an Landwirtschaft. Die Bürokratie hat eine Eigendynamik entwickelt, die nicht mehr der Sache dient.

Glauben Sie, dass die Kreisgebietsreform dazu beitragen kann, die Bürokratie zu entzerren?
Wendorff Als Landwirte arbeiten wir ja in der Fläche unseres Landes. Da braucht es ein gewisses Bewusstsein für Regionalität. Die Mitarbeiter in den Landwirtschaftsämtern und Umweltämtern brauchen ein Fingerspitzengefühl für die Region, die Natur, das örtliche Klima und den Bezug zu den Landwirten vor Ort. Bei größeren Kreisen kann es sein, dass dieser direkte Kontakt wegfällt. Manches, was heute noch individuell, pragmatisch und unkompliziert geregelt wird, könnte in Zukunft durch eine sich wiederholende Computerstimme Beantwortung finden. Uns ist es wichtig, feste Ansprechpartner direkt vor Ort zu haben.

Mit Henrik Wendorff

sprach Benjamin Lassiwe