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| 20:11 Uhr

Tierische Begleiter am Arbeitsplatz
Bürohunde in der Lausitz: Eine Ausnahme oder die Regel?

FOTO: LR / Minerva Studio
Cottbus . Es ist eine fellige Angelegenheit, an der sich die Geister scheiden. Während die einen sagen „Hund im Büro, ja unbedingt“, können sich andere nichts Unangenehmeres vorstellen. Und wie ist das in der Lausitz? Von Lydia Schauff

Bei großen Unternehmen wie der BASF in Schwarzheide oder bei der Pewo Energietechnik in Elsterheide sind Hunde nicht erlaubt. „Die Übergänge zwischen Büro und Fertigung sind teilweise fließend, so arbeiten die Entwickler teils in der Werkstatt, teils im Büro“, sagt Pewo-Sprecher Tobias Blaurock. Da lasse der Arbeitsschutz das Mitbringen von Hunden nicht zu.

Auch im Verwaltungskomplex der Lausitzer Energieagentur AG (Leag) in Cottbus gibt es keine Hunde. „Es ist nicht gestattet, Tiere mit ins Büro zu bringen“, sagt Pressesprecherin Kathi Gerstner. Und gerade für die Kollegen, die regelmäßig draußen in der ganzen Lausitz unterwegs seien und im Schichtdienst arbeiten, wäre das Mitbringen eines Hundes generell eher kompliziert.

Bei Callplus in Cottbus können Hunde ebenfalls nicht mit auf Arbeit kommen: „Ich mag Hunde. Hätten wir ausschließlich Einzelbüros, hätte ich nichts dagegen. Zumindest, wenn der Hund gut erzogen ist. Die Art unseres Geschäfts und die damit verbundene Anordnung unserer Arbeitsplätze in einem Großraum-Büro und Büros mit vier bis sechs Arbeitsplätzen lässt solche Überlegungen aber von vornherein nicht zu“, sagt Callplus-Geschäftsführerin Kristin Becker. Aus ihrer Sicht ende die Freiheit, einen Hund mit auf die Arbeit, bringen zu dürfen dann, wenn sich ein anderer Mitarbeiter dadurch in seiner Arbeit gestört fühlt oder eine Phobie hat.

Hundekita als Service für Mitarbeiter

 Ein Ort, an dem das Mitbringen von Hunden aufgrund hygienischer Bestimmungen nicht möglich ist, ist das Krankenhaus. Doch auch dort gibt es Mitarbeiter, die Hunde haben. Um deren Bedürfnissen entgegenzukommen und weil es Nachfragen von Mitarbeitern gab, hat das Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum im November eine Hundekita auf dem Klinikgelände eingerichtet, die von einem externen Dienstleister betreut wird.

Bis zu zwölf Hunde können in der „Huta“ Unterschlupf finden, während Herrchen oder Frauchen im Krankenhaus arbeiten. Die Hundekita des Klinikums ist das erste Angebot dieser Art eines kommunalen Potsdamer Unternehmens. Das Klinikum versteht das „Huta“-Angebot auch als Chance, sich in Zeiten von Fachkräftemangel als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Eine bundesweite Studie zeigt, dass 34 Prozent der Berufstätigen einen Arbeitgeber für attraktiver halten, wenn das Mitbringen von Haustieren erlaubt ist. 

An der Lausitz Klinik in Forst, die ebenfalls zur Klinikgruppe Ernst von Bergmann gehört, sei die Einrichtung einer Hundekita durchaus denkbar. Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt wäre dem, auch hier mit dem Blick auf Mitarbeitergewinnung und -zufriedenheit, nicht abgeneigt. Aktuell aber, so Sprecherin Damaris Hunsmann, gebe es noch keine Nachfragen dafür.

Am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus ist die Einrichtung einer Hundekita für Mitarbeiter aktuell kein Thema. „Wir bauen dieses Jahr eine Kita für die Kinder unserer Mitarbeiter, die aber auch von Externen genutzt werden kann, und das hat bei uns absolute Priorität“, sagt CTK-Sprecherin Susann Winter.

Bindungshormon wirkt auch zwischen Hund und Besitzer

Für Markus Beyer vom Bürohunde e.V. Berlin sind Hundekitas und Gassi-Betreuung nur halbe Sachen. Denn auch, wenn Herrchen oder Frauchen den Hund in vertrauensvolle Hände geben, so bliebe doch immer eine gewisse Unruhe: Wie geht es meinem Hund? Hat der Hund keine Rundum-Betreuung und muss mehrere Stunde alleine zu Hause bleiben, potenzierten sich solche Sorgen.

Das sei vergleichbar mit den Sorgen, die sich eine Mutter um ihr Kind macht, sagt Beyer. Der Grund: Auch in der Beziehung zwischen Hund und Besitzer spielt das Bindungshormon Oxytocin eine essenzielle Rolle. Deshalb ist es aus Sicht von Markus Beyer abträglich für Konzentration und Leistung auf der Arbeit, wenn Hund und Herrchen getrennt sind. Und deswegen gehört aus Beyers Sicht der Hund unter den Bürotisch.

Gegner von Büro-Hunden führten laut Beyer gerne an, dass dann ja auch die Katze oder der Hamster mit ins Büro kommen könnten. Doch Katzen, so Beyer, das hätten Gespräche mit vielen Katzenbesitzern gezeigt, seien keine Freunde von Ortswechseln. Auch Kaninchen oder Vögel brauchen weniger Aufmerksamkeit und können zu hause bleiben, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Schon der Transport sei für diese Tiere meist zu stressig. Hunde aber, so Markus Beyer, sind Gruppentiere und am liebsten in der Nähe ihrer Besitzer.

Und es gibt auch in der Lausitz Hunde, die das dürfen. So etwa die französische Bulldogge Cookie, die Frauchen mit in ihre Ergotherapie-Praxis begleiten darf: „Cookie ist festes Team-Mitglied und tierischer Therapeut für die kleinen und großen Patienten. Ohne ihn wäre unsere Praxis nicht dieselbe“, schreibt Solveig Reinisch unter einem Facebookaufruf der Lausitzer Rundschau zum Thema Hund im Büro.

Auch Hündin Pünktchen hat das Glück, dass sie den ganzen Tag bei Frauchen sein kann. Das ist die Gubener Rechtsanwältin Mandy Höhne: „Pünktchen ist immer bei mir. Meine Sekretärin hat seit einem Jahr ihren Rüden dabei, der bald zwölf wird und auch aus dem Tierheim stammt. Die meisten Mandanten mögen unsere Tiere und bringen ab und an auch Leckerli mit.“ Allerdings, so die Rechtsanwältin, werden Klienten erst gefragt, ob eine Angst vor den Hunden besteht: „Dann bleiben sie draußen oder kommen ins Nebenzimmer. Wir nehmen darauf auf jeden Fall Rücksicht.“

Denn all die positiven Effekte, die ein Hund haben kann, gibt es nur, wenn das menschliche Gegenüber Hunde mag. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass das Immunsystem von Hundebesitzern meist stabiler ist, schon, weil sie viel öfter an der frischen Luft unterwegs sind. Das lässt auch das Herzinfarktrisiko sinken. Das Streicheln oder nur die Anwesenheit des Hundes, aber auch eines anderen geliebten Haustiers, lässt laut Studien der American Heart Association den Blutdruck sinken. Und Hunde sind gut für die Seele, geben Geborgenheit, reduzieren Stress. Trifft nun ein Hunde-Ängstlicher auf die Vierbeiner, dann hat das den völlig gegenteiligen Effekt. Der Blutdruck geht hoch, der Stress steigt. Auch bei Leuten, die Hunde schlichtweg als unangenehm empfinden oder sie nicht mögen, bleiben die positiven Wirkungen aus.

Für Bürohunde ist ein guter Gehorsam wichtig

Autorin Alex Rodeck schreibt in einem Community-Beitrag des Online-Portals Edition F: „Ich habe kein großes Problem mit Hunden, ich habe keine Angst vor ihnen, aber ich stehe auch nicht auf sie. (...) Ich mag ihren Geruch nicht sehr (die Duftnote ‚nasser Hund’ verabscheue ich regelrecht) und viele von ihnen sind entsetzlich aufdringlich (...).“

Letzteres sollte aber so nicht sein: Kommt der Hund mit ins Büro, ist guter Gehorsam wichtig. „Ein Hund, der jeden Kunden anbellt, permanent für Unruhe sorgt oder gar sein Revier im Büro markiert, ist natürlich alles andere als förderlich für ein gesundes Betriebsklima. Wer sein Haustier mit zur Arbeit bringen möchte, sollte sicherstellen, dass sich dieses dort auch entsprechend verhält“, heißt es dazu etwa auf der Onlineplattform Karrierefaktor.

Ein Hund, der ständig Alarm macht, stört – wie es arbeitsrechtlich heißt – den betrieblichen Ablauf. Wird es dem Arbeitgeber zu bunt, ist es mit dem Leben als Bürohund ganz schnell wieder vorbei. Fakt ist: Arbeitnehmer, die ihren Hund mit auf Arbeit nehmen möchten, sind „immer auf die Erlaubnis des Arbeitgebers angewiesen“, weiß der Anwalt für Arbeitsrecht, Jürgen Markowski.

Wer sich darüber hinwegsetzt, dem könne auch eine Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar eine verhaltensbedingte Kündigung drohen. Da sind Selbstständige klar im Vorteil: Denn als eigener Chef ist die Frage nach dem Hund im Büro eher Makulatur; außer die Arbeit an sich – wie etwa im Fall von Pewo in Elsterheide – lässt es aus Sicherheitsgründen nicht zu, dass der Fiffi mitkommt.

Für alle Angestellten gilt: Wäre das Mitbringen eines Hundes generell denkbar, aber spielen die Kollegen und der Chef nicht (mehr) mit, dann schauen Hund und Besitzer in die Röhre.

Mit dem Ziel, alle Interessen in den Blick zu nehmen, wurde deshalb 2014 das erste deutsche Ausbildungszentrum für Berufsbegleithunde in Mülheim an der Ruhr, das darauf spezialisiert ist, die Vierbeiner in den Arbeitsalltag von Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen einzugliedern, gegründet. Während dabei ein Hundetrainer Hund und Herrchen oder Frauchen besonders in den Blick nimmt, geht eine Beraterin das Thema Hund im Büro aus einem rechtlichen und betrieblichen Blickwinkel an.

Marc Engelhardt, Mitinhaber des Ausbildungszentrums, schreibt in einem Beitrag auf buerohunde.com: „Die erfolgreiche Integration eines Bürohundes in den Betriebsablauf bedeutet, nicht nur mit dem Hund zu arbeiten, sondern die Interessen und Vorbehalte aller Beteiligten (Kollegen, Chef, Kunden, Betriebsumfeld, Hundehalter und natürlich Hund) zu berücksichtigen und erfolgreich zu einem gut lebbaren Konsens zu führen, der insgesamt und für alle ein Gewinn ist.“⇥mit dpa