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| 21:00 Uhr

Potsdam
Briefe der letzten deutschen Kaiserin in Potsdam entdeckt

Briefe an die letzte deutsche Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921) wurden zufällig im neuen Palais in Potsdam entdeckt und dort am Dienstag präsentiert.
Briefe an die letzte deutsche Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921) wurden zufällig im neuen Palais in Potsdam entdeckt und dort am Dienstag präsentiert. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Potsdam. Vor einem Umzug verstaut und vergessen: Private Korrespondenz aus dem Besitz der letzten deutschen Kaiserin Auguste Victoria (1858-1921) ist am Dienstag im Potsdamer Neuen Palais der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Die aus ihrer Zeit als Kronprinzessin stammenden rund 1000 Schriftstücke waren durch Zufall beim Aufbau der Ausstellung „Kaiserdämmerung“ im Neuen Palais in einem verschlossenen Schrank entdeckt worden. In der Schau werden sie nun noch bis November gezeigt. Die persönlichen Schreiben sind ein Glücksfall für die Wissenschaft und sollen anschließend ausgewertet werden.

In zwei Transportkisten befanden sich teils geöffnete, teils noch versiegelte Korrespondenzen. Auguste Victoria war als Ehefrau von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) ab 1888 Königin von Preußen und deutsche Kaiserin. Zum Teil stammen die Briefe, die sie erreichten, von engen Familienmitgliedern wie Mutter oder Schwestern. Andere kamen von weiteren Verwandten wie der englischen Queen Victoria (1819-1901). 67 Umschläge in einer Kiste, die voraussichtlich jeweils zehn Briefe enthalten, wurden von Auguste Victoria persönlich beschriftet.

Die zweite Kiste ist noch nicht geöffnet. Sie soll – so ist der Beschriftung zu entnehmen – Briefe enthalten, die Geburt und Erziehung ihrer Söhne behandeln. In der Schatulle mit dem Monogramm der Kaiserin befindet sich unter anderem ein Kuvert mit der Zeile „Die letzten Briefe der Kaiserin Augusta an mich, Nov.-Dec.1889“. Kaiserin Augusta (1811-1890) war die Großmutter ihres Mannes.

130 Jahre lang war der Schatz vergessen. Für die Ausstellung „Kaiserdämmerung. Das neue Palais zwischen Monarchie und Republik“ sollte eigentlich ein historischer Juwelentresor geöffnet werden, wie die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg mitteilte. Der Schlüssel wurde jedoch nicht gefunden. Eine endoskopische Untersuchung ergab dann aber, dass er leer war.

Im Schrank darüber fanden sich dann zur Überraschung zwei Transportkisten, eine Lederschatulle mit dem Monogramm von Auguste Victoria und eine Dokumentenmappe. „Das war ein einmaliger Glücksfall, damit hatte niemand gerechnet“, sagte Frank Kallensee, Sprecher der Stiftung.

Das Konvolut gelangte vermutlich beim Einzug von Auguste Victoria und ihres Gatten Kaiser Wilhelm II. in das einst von Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) geschaffene Schloss mit einigen Hundert Räumen. Als die Kaiserin am 21. November 1918 Potsdam verließ und ins niederländische Exil ging, blieben die beiden Kisten zurück.