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| 10:59 Uhr

Forstfachleute warnen vor Stellenabbau
Brandenburgs Wälder im Dauerstress

Die Katastrophen fest im Blick. Verheerende Waldbrände und die nahende Afrikanische Schweinepest sorgen bei Brandenburgs Forstleuten für eine Dauerbereitschaft.
Die Katastrophen fest im Blick. Verheerende Waldbrände und die nahende Afrikanische Schweinepest sorgen bei Brandenburgs Forstleuten für eine Dauerbereitschaft. FOTO: Rob Hyrons/Shutterstock.com/pixabay.com / Rob Hyrons
Lübbenau. Forstfachleute beraten in Lübbenau, wie sie sich gegen Seuchen, Spinner-Attacken und Feuer wappnen können. Von Jan Siegel

„Nur schön grün und entspannend“ ist es im Brandenburger Wald schon längst nicht mehr. Die grüne Lunge der Mark ist im Stress und mit ihr die Menschen, die sich von Berufs wegen um das Wohlergehen des Waldes kümmern müssen.

Schon ein schneller Blick in den Saal beim Gewerkschaftstag des Bundes Deutscher Forstleute (BDF) genügt, um eine der großen Sorgen zu erkennen. Die Forstleute aus ganz Brandenburg hatten sich am Donnerstag im großen Rathaussaal in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) versammelt, um über die Herausforderungen ihres Berufsstandes zu reden. Unter den etwa 100 Teilnehmern findet sich kaum ein jüngeres Gesicht. Unter 40 ist kaum einer, die ganz Jungen fehlen. Und das liegt nicht daran, dass die Jungen die Arbeit erledigen, während die Erfahrenen in der Spreewald­stadt die schwielige Gewerkschaftsfaust ballen. Es fehlt der Nachwuchs und der Renteneintritt vieler Forstleute ist absehbar. Gleichzeitig droht ein Stellenabbau. Von jetzt 1558 Mitarbeitern im Brandenburger Landesbetrieb Forst sollen am Ende nur 1150 Stellen übrig bleiben.

Der drohende Personalabbau lässt die Forderungen aus dem Wald immer lauter werden. Zwar ist in diesem Jahr erst eine hoch umstrittene Forstreform in Brandenburg abgesagt worden, aber Entwarnung gibt es von den Fachleuten nicht. Es sind die sichtbaren und manchmal auch unsichtbaren Katastrophen im Wald, die die Forstexperten Alarm schlagen lassen.

Krisenmanagement war in diesem Jahr bei den zahlreichen Waldbränden gefragt. Im Dürresommer 2018 verging beinahe kein Tag, an dem es nicht irgendwo in den Brandenburger Wäldern loderte. Der Landrat des Dahme-Spreewaldkreises Stephan Loge (SPD) gehört zu den „Geschädigten“. Als es in der Lieberoser Heide brannte, waren seine Feuerwehrleute und Krisenmanager im Dauereinsatz. Er braucht die Unterstützung der Forstfachleute, und das hat er bei den Gewerkschaftern am Donnerstag in Lübbenau auch sehr deutlich gemacht.

Gefordert wird gerade in Brandenburgs Kiefern-Monokulturen ein konsequenter Waldumbau. „Unser Ziel sind klimastabile Mischwälder, die auch einen Dürresommer wie in diesem Jahr ohne irreparable Schäden überstehen können“, sagt der BDF-Bundesvorsitzende Ulrich Dohle. Der Wald solle heute „multifunktional“ sein. Er solle der Erholung beim angesagten „Waldbaden“ genauso dienen wie der wirtschaftlichen Nutzung. „Dazu brauchen wir junge, gut ausgebildete Fachleute, die neue und auch unkonventionelle Wege gehen.“ Ohne junge Leute gebe es für den Wald keine Zukunft.

Wie die Kaninchen auf die sprichwörtliche Schlange schauen Waldfachleute und Brandenburger Landkreise auch auf eine ganz andere Katastrophe. Die Afrikanische Schweinepest bereitet allen Beteiligten große Kopfschmerzen. Noch ist Deutschland wie durch ein Wunder verschont geblieben, doch die Experten sind sicher: „Es kann bei uns jeden Tag passieren.“ Diana Holland von der Taskforce Tierseuchenbekämpfung des Landes Brandenburg macht vor den Forstleuten in Lübbenau keinen Hehl daraus, dass bei einem Ausbruch enorme wirtschaftliche Schäden vor allem bei den Nutztierbeständen im betroffenen Gebiet entstünden. Seit Langem bereiten sich die Brandenburger Landkreise auf einen Ausbruch der Seuche vor. Ein Fall, der nie eintreten soll, aber ganz gewiss irgendwann eintreten wird, weil ein weggeworfenes Pausenbrot mit kontaminiertem Fleisch an einer Transitstrecke aus Osteuropa, wo die Seuche grassiert, reicht, um die Krankheit zu übertragen. Die Erreger sind in Kühlfleisch jahrelang überlebensfähig.

Mit den anstehenden Herausforderungen wird das alltägliche Krisenmanagement auch bei den Forstleuten in Brandenburg immer mehr zu einer Kernkompetenz, die Experten braucht, erst recht in Zeiten des Klimawandels.