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| 19:14 Uhr

Das Bildungsministerium wollte die Praxis kennenlernen
Zu wenig Zeit, zu viele Veränderungen

Britta Ernst hatte die Schulleiter zum Gespräch eingeladen.
Britta Ernst hatte die Schulleiter zum Gespräch eingeladen. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Potsdam. Brandenburgs Schulleiter klagen im Bildungsausschuss des Landtags über Probleme. Von Benjamin Lassiwe

(iwe) „Die Schulleitungen sind unsere wichtigsten Verbündeten an den Schulen.“ Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) war zu Beginn des Bildungsausschusses im Potsdamer Landtag des Lobes voll. Erstmals hatte das Gremium die Vertreter der Schulleiterverbände zur Anhörung eingeladen – und die Ministerin bemühte sich darzustellen, was das Haus für die Schulleiter unternommen habe.

Doch in der Praxis fühlen sich die Schulleiter längst nicht immer wertgeschätzt. „Wir tragen einen riesengroßen Rucksack, in dem eine Menge drinsteckt“, sagte Denise Sommer, die Vorsitzende des Grundschulverbands Brandenburg. „Die Führungsaufgaben für Schulleitungen können nicht mehr nur als Nebenbeschäftigungen ausgeführt werden – Schulleiter brauchen Zeit und Energie.“ Ein Problem sei, dass es an Grundschulen mit unter 180 Schülern keinen Stellvertreter gebe. Falle der Schulleiter aus, werde dessen Arbeit auf Stundenbasis von einer anderen Lehrkraft übernommen. „Ich selber habe zehn Stunden pro Woche für die Leitungsarbeit übrig“, sagte Sommer. „Die Arbeit für die Schulleitung mache ich oft ehrenamtlich, weil ich vieles in meiner Freizeit oder in den Ferien machen muss.“ Die Vorsitzende des Verbandes für Schulen des Gemeinsamen Lernens, Birgit Spickermann, beklagte, dass es fast jährlich neue Aufgabenübertragungen gebe – zum Beispiel die Betreuung der Seiteneinsteiger. „Uns fehlen Stunden, uns fehlt das Personal, um Lehramtskandidaten ausreichend zu betreuen“, sagte Spickermann. Auch die für die Eingliederung von Flüchtlingskindern vorgesehenen Stunden seien „minimalistisch“, die „Eingliederung in den tatsächlichen Schulalltag wird dadurch massiv erschwert.“

Ähnliche Aussagen tätigten auch die Vertreter der übrigen Schulformen. Michael Seifert vom Lehrerverband beruflicher Schulen erinnerte etwa an die Situation von Oberstufenzentren mit mehreren Standorten. Hier trügen schon die Fahrzeiten zu einer zusätzlichen Belastung der Schulleiter bei. Wichtig wäre aber auch eine stärkere politische Anerkennung der Oberstufenzentren. Während Städte mit einer Hochschule die Bildungseinrichtung oft auch für ihre Außenwerbung nutzten, sei dies bei Oberstufenzentren als Standortfaktor bislang oft nicht der Fall.