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| 18:01 Uhr

Hilferuf Brandenburger Schulen
Kunstlehrer verzweifelt gesucht

Fehlende Lehrer führen zu Stundenausfall und  Einschränkungen beim zu vermittelnden Stoff.
Fehlende Lehrer führen zu Stundenausfall und Einschränkungen beim zu vermittelnden Stoff. FOTO: Caroline Seidel / dpa
Potsdam. In Brandenburgs Schulen gibt es zu wenig Fachlehrer – doch Angebote für Qualifizierungen werden nicht genutzt. Von Benjamin Lassiwe

An Brandenburgs Schulen fehlt der Kunstlehrer-Nachwuchs. Schon Ende 2016 musste die Landesregierung einräumen, dass im Schuljahr 2015/2016 an 73 Schulen kein Kunstlehrer tätig war, und in mehr als 2500 Schulklassen das Fach nicht durch ausgebildete Kunstlehrer unterrichtet wurde. Beim Verband der Kunstlehrer sorgt das zunehmend für Empörung: „Würden Sie sich von einem Fleischer operieren lassen?“, fragt die Vorsitzende des BDK Fachverbands für Kunstpädagogik, Katja Frick. „Kunstunterricht muss von ausgebildeten Kunstlehrern angeboten werden.“

Schon seit 2007 kämpft der Verband für eine bessere Kunstlehrerausbildung. Eines der Hauptprobleme dabei: „Seit der Streichung der Kunstpädagogik an der Universität Potsdam wird das Fach nicht mehr in Brandenburg ausgebildet“, sagt die Landtagsabgeordnete der Linken, Kathrin Dannenberg. Junge Kunstlehrer für Brandenburger Schulen kommen von der Berliner Universität der Künste, aus Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern – wenn sie denn überhaupt den Weg in die Mark finden.

Deswegen gab es die Idee, mittels einer Weiterbildung des „Instituts zur Weiterqualifizierung im Bildungsbereich an der Universität Potsdam“ vorhandene Lehrer im Schulfach Kunst auszubilden. Doch wie aus einer Antwort des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Dannenberg hervorgeht, die der RUNDSCHAU vorliegt, hat nicht ein einziger Brandenburger Lehrer diese Möglichkeit genutzt. Theoretisch hätten pro Jahr 25 Lehrer weitergebildet werden können. Und die staatlichen Schulämter hätten alle Kosten, also auch Fahrtkosten und Teilnehmergebühren, die durch das Studium entstehen, erstattet. „Es kann sein, dass den Lehrern der Anreiz fehlte“, sagt Dannenberg, die selbst Lehrerin an der Calauer Robert-Schlesier-Schule war, und 2010 den „Deutschen Lehrerpreis“ erhalten hatte. Das Ministerium macht in seiner Antwort auch deutlich, dass lediglich ehemalige DDR-Lehrer, die sich noch in den Besoldungsgruppen 10 oder 11 befinden, durch solch ein Studium höher gestuft werden könnten. Das aber will das rot-rote Kabinett bis 2020 ohnehin erledigen.

Wie soll es nun weitergehen? Von Quereinsteigern, etwa bildenden Künstlern, die sich zu Kunstlehrern weiterbilden, hält die Fachverbandsvorsitzende Katja Frick wenig. „Es gibt immer wieder Quereinsteiger, aber viele bildende Künstler arbeiten lieber mit Kunstlehrern zusammen“, sagt Frick. „Wir müssen in Brandenburg wieder eine eigene, grundständige Ausbildung für Kunstlehrer anbieten“, zeigt sich Dannenberg überzeugt.

Der Sprecher des Potsdamer Wissenschaftsministeriums, Stephan Breiding, bestätigte auf Nachfrage der RUNDSCHAU, dass sein Haus im Gespräch mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport über eine Aufstockung der Lehrerbildung sei. „Wir sind dabei, auf Arbeitsebene ein Paket zu schnüren“, sagte Breiding. Dabei gehe es nicht nur um die Kunstlehrer. Auch eine Ausbildung für Berufsschullehrer und Sonderpädagogen könnte es möglicherweise in Brandenburg wieder geben.

Der Wissenschaftsrat hatte dem Land einst geraten, bei der Ausbildung in diesen Fächern mit Berlin zusammenzuarbeiten. „Die Lebenspraxis hat gezeigt, dass das nur bedingt funktioniert“, sagte Breiding.