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| 19:45 Uhr

Brandenburg
Brandenburgs Polizei ungleich verteilt

Potsdam. Daten zeigen Missverhältnis zwischen Regionen sowie zwischen Indianern und Häuptlingen. Von Ulrich Thiessen

(thi) Die brandenburgische Polizei wird noch jahrelang an einer verfehlten Reform kranken. Es mangelt aber nicht einfach an Nachwuchs – das Personal ist auch ungleichmäßig über das Land verteilt. Dabei gibt es eine Reihe von Polizeirevieren mit Besonderheiten. Im Revier Guben ist von den 26 Beamten keiner jünger als 40. 21 sind gar älter als 51 Jahre. Auch in Forst, Spremberg, Eisenhüttenstadt und Seelow gab es seit Jahren keine Neuzugänge. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage des CDU-Innenexperten Björn Lakenmacher hervor.

Der verwies darauf, dass ausgerechnet in den Schwerpunkten der Grenzkriminalität viel zu wenig Nachwuchs eingesetzt wird. Das gilt auch für Cottbus und Frankfurt (Oder). In Potsdam dagegen ist die Hälfte der Beamten im Revierbereich jünger als 40 Jahre.

Auffällig ist auch die Besetzung im Revier Perleberg. Dort sind 21 von 57 Beamten unter 30. Polizeigewerkschaftschef Andreas Schuster erklärt das mit der hohen Fluktuation. Die Stellen in der Prignitz seien schwer zu besetzen, viele wandern nach Mecklenburg-Vorpommern ab. Also werden Absolventen der Fachhochschule der Polizei verpflichtet, in der Prignitz anzufangen. „Es gab nie eine kontinuierliche Personalpolitik“, sagt Schuster. Mal wurden da Löcher gestopft, mal dort.

Das Resultat sind Reviere mit besonders hohem Altersdurchschnitt und entsprechend hohem Krankenstand. Durchschnittlich waren 2017 Brandenburgs Polizisten 35,8 Tage krank geschrieben. Allerdings mit großen Unterschieden. Ganz oben rangiert das Revier Seelow mit durchschnittlich 104,6 Tagen Krankschreibung. Schuster und Lakenmacher vermuten eine hohe Zahl an Langzeiterkrankten.

Die Ministeriums-Tabellen decken noch ein Problem auf: das Ungleichverhältnis zwischen Indianern und Häuptlingen. Als die Polizeireform 2010 präsentiert wurde, hieß es, dass Häuptlinge reduziert würden und die Zahl der Indianer gleich bliebe. Aktuell gibt es im Wach- und Wechseldienst 2218 Stellen. Besetzt davon sind 1990. Die meisten Stellen fehlen in der Polizeidirektion Ost, wo 85 Beamte mehr auf Streife sein sollten. Im Gegensatz dazu gibt es in der klassischen Polizeiverwaltung 334 Stellen. Der tatsächliche Personalbestand dort beläuft sich auf 392 Beamte.