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| 18:46 Uhr

Interview mit Matthias Schannwell
„Jäger schützen die Natur“

 Jagd ist Naturschutz - sagt der Chef des Landesjagdverbandes Brandenburg, Matthias Schannwell.
Jagd ist Naturschutz - sagt der Chef des Landesjagdverbandes Brandenburg, Matthias Schannwell. FOTO: Landesjagdverband Brandenburg e.
Michendorf. Matthias Schannwell und seine Jagdkollegen haben schon des öfteren Anfeindungen erlebt. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU verwahrt sich der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Brandenburg gegen den Vorwurf, Jagd sei Mord.

Herr Schannwell, ein Beitrag über die in Stahnsdorf und Kleinmachnow praktizierte Jagd mit Pfeil und Bogen hat hohe Wellen geschlagen. Eine Leserin vertrat sogar die Meinung, Jagd sei Tierquälerei und Morden ohne Sinn und Verstand. Was sagen Sie zu solchen Vorwürfen?

Schannwell Jäger haben einen gesetzlichen Auftrag: nämlich einen artenreichen, gesunden Wildtierbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu erhalten, die natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes zu sichern, Wildschadensbegrenzung und weitere. Das Erlegen des Wildes ist ein Bestandteil der Jagd; anders wäre Jagd seit vielen Jahrtausenden nicht möglich. Jäger jedoch mit „Mördern“, also Schwerstverbrechern gleichzusetzen, bedeutet jedoch schlimmste Diffamierung.

Kritiker, etwa Tierschützer, behaupten dennoch, dass Jagd nur ein Hobby für mordlüsterne Ballermänner sei.

 Die Jagd, auch die auf Wildschweine, ist laut Landesjagdverband notwendig, um die Bestände zu regulieren.
Die Jagd, auch die auf Wildschweine, ist laut Landesjagdverband notwendig, um die Bestände zu regulieren. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger

Schannwell Das ist Unsinn, ja Demagogie. Damit werden Menschen, die sich mit großem Aufwand und persönlichem Engagement für die Natur einsetzen, vorsätzlich verunglimpft. Denn ein nicht unerheblicher Bestandteil der Jagdausübung ist die Hege des Wildes und der Reviere. Das Erlegen als solches ist als Mittel zum Zweck anzusehen, aber niemals als Selbstzweck. Jäger sind Naturschützer; der Landesjagdverband ist ein anerkannter Naturschutzverband.

Welche Voraussetzungen muss jemand mitbringen, der Jäger werden will?

Schannwell Jäger besitzen umfassende Kenntnisse über die Natur im umfassenden Sinn und großes Verantwortungsbewusstsein. Die Achtung vor der Kreatur ist ein wichtiger Faktor, wie die Liebe zur Natur überhaupt. Die Jägerprüfung, die der Ernennung zum Jäger vorangeht, ist eine der schwersten Prüfungen in Deutschland, und die Erteilung des Jagdscheins und der Waffenbesitzkarte erfordern eine aufwendige behördliche Überprüfung.

Der Bestand an Wildtieren, insbesondere von Wildschweinen, ist stark angestiegen. Woran liegt das?

Schannwell Insgesamt ist der Wildbestand gar nicht so stark angestiegen, wohl aber punktuell-regional und vor allem in Betrachtung der Schwarzwildbestände. Wildschweine haben beste Voraussetzungen in unseren Gefilden zu leben. Die Klimasituation der letzten Jahre bringt viele Baumfrüchte und damit Nahrung hervor und schafft durch milde Winter und trockene Frühjahre beste Fortpflanzungsbedingungen. Ein übriges tut die intensive Landwirtschaft dazu – zum Beispiel mit dem Futterangebot in Form großer Maisschläge. Es gibt kaum natürliche Regulative, die die Vermehrung der Schwarzkittel bremsen könnten.

Könnten Jäger nicht einfach mehr Tiere schießen?

Schannwell Es sind die Jäger, die hier regulieren können – und sie tun, was sie können: Im letzten Jagdjahr sind knapp 90 000 Stück Schwarzwild erlegt worden – eine absolute Rekordstrecke! Allerdings ist der Jagderfolg abhängig von vielen Faktoren, wie dem Wetter – Regen, Wind, Temperatur – den Lichtphasen, der Agrarstruktur, um nur einige zu nennen. Deshalb kann die Jagdstrecke nicht quasi „auf Knopfdruck“ beliebig gesteigert werden.