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Verbrechensbekämpfung
Brandenburgs Ermittler setzen auf DNA-Analyse

Mundschleimhautzellen für eine DNA-Probe werden am 09.11.2016 im DNA-Labor des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) in München (Bayern) in ein Reaktionsgefäß überführt.
Mundschleimhautzellen für eine DNA-Probe werden am 09.11.2016 im DNA-Labor des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) in München (Bayern) in ein Reaktionsgefäß überführt. FOTO: Sven Hoppe / dpa
Potsdam . Ob bei Einbruch oder Mord - Brandenburgs Ermittler stellen bei fast jedem Verbrechen DNA-Proben sicher. Anschließende Analysen führen immer häufiger auf die Spur der Täter, auch noch Jahrzehnte später.

Die DNA-Analyse spielt bei der Verbrechensbekämpfung in Brandenburg eine immer wichtigere Rolle. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Bei fast jedem Verbrechen werden heute, wenn vorhanden, DNA-Spuren genommen“, sagte der Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidiums, Mario Heinemann. Ende vergangenen Jahres seien für das Land in die bundesweite DNA-Datei insgesamt knapp 27 000 Datensätze eingestellt worden, darunter über 13 000 DNA-Muster von polizeibekannten Personen.

Auch die Trefferquote bei den DNA-Abgleichen durch das Landeskriminalamt (LKA) nimmt laut Heinemann zu. So hätten die Kriminaltechniker im vergangenen Jahr 750 Treffer erzielt, 37 Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Das hängt auch damit zusammen, dass diese Technik seit Jahren zunehmend eingesetzt wird.“ Allerdings führe ein Treffer nicht automatisch zu einem Tatverdächtigen - er zeige lediglich, dass eine noch unbekannte Person bereits Spuren an einem anderen Tatort hinterlassen hat.

Nicht nur bei einer Straftat kommt die DNA-Analyse zum Einsatz, sondern auch bei der Identifizierung unbekannter Toter. So konnte die Rechtsmedizin in diesem Jahr bereits 85 unbekannte Tote mithilfe der vergleichenden DNA-Analyse identifizieren, wie die Sprecherin des Potsdamer Gesundheitsministeriums, Martina Ringel, mitteilte. Ihrem Ministerium ist die Rechtsmedizin untergeordnet.

„Jede Untersuchung beinhaltet das DNA-Profil des Verstorbenen sowie das von einer oder mehreren nah verwandten Personen“, erklärte sie. Auch das DNA-Profil von Vergleichsgegenständen aus dem persönlichen Besitz des Verstorbenen gebe Rückschlüsse auf die Identität.

DNA-Analysen werden der Sprecherin zufolge nur bei unbekannten Toten mit Anfangsverdacht und vorliegendem Vergleichsmaterial vorgenommen. Das DNA-Profil werde zur Eingabe in die Vermisstendatei erstellt, aber auch zur Sicherung der Identität lebender Personen oder zur Klärung einer etwaigen Probenverwechslung bei Drogen- und Alkoholdelikten. „Bei diesen Untersuchungen gab es bisher keine Pannen“, betonte Ringel.

DNA-Analysen können Heinemann zufolge auch bei der Aufklärung von Fällen behilflich sein, die bereits Jahrzehnte zurückliegen. Dabei verweist er auf den Fall der 1988 bei Velten (Oberhavel) vergewaltigten und ermordeten Maja Steiner. Eine DNA-Analyse habe die Polizei im Jahr 2003 zum Mörder der damals 13-jährigen Berlinerin geführt.

Bei Sexualverbrechen wie Vergewaltigung ist auch eine zunächst vertrauliche Spurensicherung möglich, wie Rosemarie Priet von der Opferhilfe Brandenburg sagte. „Wir engagieren uns schon seit langem für die Verbesserung der Spurensicherung und Erstversorgung nach Vergewaltigung“, sagte sie. Die von ihr geleitete Arbeitsgruppe beim Gesundheitsministerium habe ein entsprechendes Projekt konzipiert und im November 2015 ins Leben gerufen.

Dabei böten landesweit vier kooperierende Frauenkliniken Betroffenen, ohne bei der Polizei Anzeige zu erstatten, medizinische Erstversorgung und vertrauliche Spurensicherung an. „Auf diese Weise wird für ein eventuell späteres Strafverfahren die Beweislage gesichert“, erklärte Priet. Neben einer besseren Versorgung Betroffener sei es das Ziel, die Verurteilungsrate zu erhöhen.

(dpa)