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| 19:29 Uhr

Brandenburg
Die Wirtschaft und der Wahlkampf 

 Christian Amsinck scheut keine klaren Worte.
Christian Amsinck scheut keine klaren Worte. FOTO: UVB
Potsdam. Brandenburgische Unternehmen fordern ein Digitalisierungsministerium. Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Unternehmer wünschen sich nach der nächsten Landtagswahl ein „Digitalisierungsministerium“. „Digitalisierung ist das Megathema für die Wirtschaft, aus keinem Bereich mehr wegzudenken“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck, am Montag in Potsdam. Noch immer hätten 30 Prozent der Haushalte in Brandenburg keinen Internetanschluss mit einer Datenübertragungsrate von mehr als 50 Mbit/Sekunde.

Eine besonders schlechte Netzanbindung gibt es laut einer Übersicht der Unternehmerverbände im Elbe-Elster-Kreis, wo weniger als 40 Prozent der Haushalte über einen Breitbandzugang zum Internet verfügten. In der Prignitz fehlt bis zu 60 Prozent der Haushalte ein Breitbandzugang. Bei solch schlechten Datenraten würden sich „kein Handwerker und kein Unternehmer“ ansiedeln, stellte Amsinck klar. Kritisch äußerte sich Amsinck auch zur Digitalisierungsstrategie der Landesregierung: „Eine Sammlung von Projekten ist noch keine Strategie.“

Als weiteres großes Problem benannte Amsinck den Fachkräftemangel. In Brandenburg brauchten Unternehmen im Durchschnitt 228 Tage, um eine Stelle für einen Techniker im Bereich „Sanitär – Heizung – Klima“ zu besetzen. Einen Mitarbeiter in der Pflege finde man durchschnittlich erst nach 181 Tagen. Deswegen suchen Unternehmen vermehrt nach ausländischen Arbeitskräften: 2017 wurden in Brandenburg bereits 61,2 Prozent aller neu geschaffenen Stellen mit ausländischen Arbeitnehmern besetzt. Von ihnen kamen die meisten aus dem EU-Ausland, doch auch 4700 nach Brandenburg geflüchtete Menschen stünden mittlerweile in Lohn und Brot. „Wir brauchen eine zentrale Ausländerbehörde“, sagte Amsinck. Derzeit sei die Praxis bei der Gewährung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich. Unternehmer müssten sich jedoch darauf verlassen können, dass Mitarbeiter, die im Land bleiben, sich integrieren und hier arbeiten wollten, dies auch könnten.

Geht es nach den Unternehmern, sollte es neben einer besseren Infrastruktur für Pendler und einem besseren Zusammenwachsen der Länder Berlin und Brandenburg auch mehr Unterstützung für Auszubildende in Brandenburg geben. Während Studenten in Brandenburg dank ihrer Semestertickets relativ mobil seien, fehle es Auszubildenden an Mobilität. „Dabei darf man nicht nur den ÖPNV in den Blick nehmen“, sagte Amsinck. Denn es gebe in Brandenburg auch Regionen, wo es kaum Angebote des öffentlichen Nahverkehrs gebe. Die rot-rote Koalition hatte im letzten Jahr ein Azubi-Ticket für 365 Euro pro Jahr beschlossen, das in diesem Jahr in Kraft treten soll. „Wir brauchen aber auch individuelle Unterstützung“, sagte Amsinck. Denkbar wäre etwa eine Förderung von Fahrgemeinschaften oder Tankgutscheine, wo es keinen oder einen nur selten verkehrenden Nahverkehr gebe. Denn allein im letzten Jahr seien in Brandenburg 1865 Lehrstellen unbesetzt geblieben.