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| 12:05 Uhr

Brandenburger Winzer machen Jungweinprobe in Cottbus
Brandenburger Winzer: Regionalität ist Qualität

Jungweinprobe in Cottbus FOTO: LR / Angelika Brinkop
Cottbus. Die besten 52 Tropfen des Landes Brandenburg sind am Freitagabend bei der Großen Jungweinprobe in Cottbus einem Geschmackstest unterzogen worden. Erster Winzerverein aus Zossen im Etikettenstreit unterlegen. Von Andrea Budich

Sie machen Appetit auf Brandenburg. Und sie passen hervorragend zum Beelitzer Spargel, zum Havelländer Apfelschwein, zu den Teltower Rübchen und auch zur Uckermärker Fischsuppe. Spritzig, charakerterstark, blumig bis exotisch mit einem Hauch nach grünem Apfel, Birnen oder schwarzen Beeren - so schmeckt der junge Wein, der im Vorjahr zwischen Potsdam und Ortrand auf Brandenburger Weinbergen gewachsen ist.

Ein Jahrgang, der unter Fachleuten und Weinkennern mit Spannung erwartet wurde. Denn nach dem Turbo-Sommer mit viel Sonne und viel Wärme kletterten die Mostgewichte auf überdurchschnittliche Werte. 92 Grad Oechsle sind es im Schnitt bei den Brandenburger Winzern. Damit konnten Aromen besonders gut eingelagert werden. Die Lese startete im Herbst so früh wie noch nie. Mit dreiwöchigem Vorsprung kamen vollreife Trauben in die Keller, die es in dieser Qualität selbst im Supersommer 2003 so nicht gegeben hat.

 Simone Braunke (l.) und Peggy Hähnel haben bei der Weinlese am Klein Oßniger  Sonnenhügel mitgeholfen. Sie stoßen  mit einem Weißen an - 33 Weißweine standen bei der Jungweinprobe zur Auswahl.
Simone Braunke (l.) und Peggy Hähnel haben bei der Weinlese am Klein Oßniger Sonnenhügel mitgeholfen. Sie stoßen mit einem Weißen an - 33 Weißweine standen bei der Jungweinprobe zur Auswahl. FOTO: LR / Angelika Brinkop

Ob der 2018er-Jahrgang nun aber tatsächlich das Zeug für einen Jahrhundertwein hat, das konnten die 200 Gäste am Freitagabend im Fürst-Pückler-Saal des Radisson Blu Hotels in Cottbus einem ersten Geschmackstest unterziehen.

Ein starker, vollreifer Jahrgang mit sehr guter Qualität - darin sind sich Winzer, Kellermeister und Weinfreunde einig. Ein Jahrhundertwein aber ist es nicht. Für Hubert Marbach von Marbachs Wolfshügel in Jerischke und Anette Engel vom Weinbauverein Schlieben war es aufgrund der hohen Mostgewichte eher ein schwieriger Jahrgang. Für ein harmonisches Säure-Spiel für einen spritzigen Weißen war der Lesezeitpunkt daher im Vorjahr entscheidend. „Spitzenjahrgänge sehen anders aus“, kommentiert Marbach, der zum Vorstand der Fachgruppe Weinbau im Gartenbauverband Belin-Brandenburg gehört. Die Schliebener haben aus der Not eine Tugend gemacht und ihren Müller-Thurgau 2018 halbtrocken ausgebaut. Für Martin Krause, der auf dem Klein Oßniger Sonnenhügel die Cottbuser Weinbautradition wieder aufleben lässt, ist es aber zumindest ein Wein des Jahrzehnts. Sonne satt und gesunde Rebstöcke haben ihm vor allem beim Solaris und Regent schöne vollreife Weine beschert..

 Die besten Tropfen des Landes stehen bei der Jungweinprobe auf dem Tisch. Verkostet werden konnten  33 Weißweine,  9 Rotweine, vier Roséweine, 2 Rotlinge und ein Blanc de Noir.
Die besten Tropfen des Landes stehen bei der Jungweinprobe auf dem Tisch. Verkostet werden konnten 33 Weißweine, 9 Rotweine, vier Roséweine, 2 Rotlinge und ein Blanc de Noir. FOTO: LR / Angelika Brinkop

Trotzdem Brandenburgs Winzer auch beim Jahrgang 2018 bewiesen haben, dass sie mit viel Handarbeit charakterstarke Brandenburger Qualitätsweine in die Flaschen bringen können, bleibt beim Abgang ein bitterer Nachgeschmack. Der Streit, was Brandenburgs Winzer behördlicherseits aufs Etikett schreiben dürfen, hat für Unruhe auf den Brandenburger Weinbergen gesorgt und war auch bei der Großen Jungweinprobe in Cottbus das bestimmende Thema des Abends.

Geplante Neuregelungen im Deutschen Weinbezeichnungsrecht haben den Etikettenstreit vor allem bei Brandenburgs Winzern angefacht. Denn ihre Weine werden entsprechend Rebrecht nach gültiger Weinverordnung nur als „Brandenburger Landweine“ klassifiziert. Obwohl sie höchsten Standards entsprechen und international schon prämiert wurden, bleibt ihnen der Qualitätswein-Status verwehrt, weil Brandenburg nicht zu den 13 definierten traditionellen Weinanbaugebieten Deutschlands gehört. Zudem gibt es Bestrebungen, Markennamen und regionale Herkunftsbezeichnungen wie „Großräschener See“, „Wolkenberg“ oder „Marbachs Wolfshügel“ ausschließlich bei Qualitätsweinen zuzulassen. Für Brandenburgs Winzern bedeutet dies nicht mehr und nicht weniger, dass ihre Marken von den Etiketten verschwinden würden.

Was auf Brandenburgs Winzer im Etikettenstreit zukommen kann, hat Carsten Preuß vom Weinberg Zesch in Zossen bereits erlebt. Die Flaschen seines Jahrgangs 2018 tragen neue Etiketten. Die Vereinsmitglieder haben sich inzwischen wieder beruhigt, sind aber noch hochgradig verärgert über die durchgestandene Börden-Posse.

 Ein Dutzend Brandenburger  Winzer haben 52 Weine  bei der Jungweinprobe  in Cottbus präsentiert.
Ein Dutzend Brandenburger Winzer haben 52 Weine bei der Jungweinprobe in Cottbus präsentiert. FOTO: LR / Angelika Brinkop

Auf dem alten Etikett prangte gut lesbar der Name „Weinberg Zesch e.V.“ als Vereinsname. „Die Kreisbehörde hat uns gesagt, dass dies auch eine regionale Herkunftsbezeichnung ist, die für Brandenburger Landwein aber unzulässig ist“, erzählt Vereinsvorsitzender Carsten Preuß, wie der ganze Ärger begann. Wegen geringer Erfolgsaussichten hat der Verein am Ende auf ein verwaltungsrechtliches Verfahren verzichtet und klein beigegeben. Der Weinberg Zesch ist daher auf dem Etikett verschwunden. Stattdessen prangen dort nur noch die zwei Großbuchstaben W und Z, die für den Weinberg Zesch stehen. Beholfen hat sich der Verein mit einem Rückseitenetikett.

Auch Hubert Marbach aus Jerischke fürchtet um sein markantes Etikett mit dem Wolf auf dem Hügel. Denn Wort-Bild-Marken werden im neuen Weinbezeichnungsrecht angegriffen. Der Ruf nach einer eigenen geografischen Ursprungsbezeichnung für Brandenburger Weine wird in der Fachgruppe Weinbau daher lauter. „Es wäre schön, wenn die Behörden und die Politik uns dabei unterstützen, unsere Marken zu schützen“, fordern Andreas Wobar und Hubert Marbach aus dem Vorstand. Rückendeckung erhalten sie dabei vom Weinreferenten Peter Schubert aus dem Brandenburger Landwirtschaftsministerium. Er rät zu einer Profilierung der Brandenburger Winzer: „Regionalität allein reicht nicht aus.“

Jungweinprobe in Cottbus FOTO: LR / Angelika Brinkop