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| 09:00 Uhr

Gestohlene Medikamente? Gesundheitsministerium will Akteneinsicht
Brandenburger Pharmahändler unter Hehlerei-Verdacht

(Symbolfoto) Nach dem bekannt gewordenen Verdacht des Handels mit mutmaßlich gestohlenen Arzneimitteln gegen einen Brandenburger Pharmahändler hat das Gesundheitsministerium Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft beatragt.
(Symbolfoto) Nach dem bekannt gewordenen Verdacht des Handels mit mutmaßlich gestohlenen Arzneimitteln gegen einen Brandenburger Pharmahändler hat das Gesundheitsministerium Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft beatragt. FOTO: dpa / Friso Gentsch
Potsdam. Eine Großhandelsfirma in Brandenburg verkauft Medikamente aus Griechenland, der Vertriebsweg ist zunächst unklar. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft. Es besteht der Verdacht der Hehlerei.


Ein Brandenburger Arzneimittelgroßhändler steht in Verdacht, mutmaßlich gestohlene Medikamente vertrieben zu haben. Sie seien nach Deutschland über eine griechische Apotheke geliefert worden, die für Großhandel keine Erlaubnis habe, sagte der Abteilungsleiter Gesundheit im Brandenburger Gesundheitsministerium, Thomas Barta.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittle mittlerweile wegen Hehlerei gegen das Unternehmen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Dorina Dubrau. Weitere Details wollte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Der Vorgang sei seit April 2017 anhängig.

Nach dem bekannt gewordenen Verdacht des Handels mit mutmaßlich gestohlenen Arzneimitteln gegen den Brandenburger Pharmahändler hat das Gesundheitsministerium Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft bentragt. Allerdings liege das Material noch nicht vor, sagte Marina Ringel, die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, am Dienstag. Einzelne Unterlagen sollen bis zum Wochenende zur Verfügung gestellt werden. „Diese werden wir gründlich prüfen“, so die Sprecherin.

Das ARD-Magazin „Kontraste“ hatte berichtet, dass ein Netzwerk international tätiger Pharmahändler in Deutschland illegal mit Krebsmedikamenten im Wert von mehreren Millionen Euro gehandelt haben soll. Ein Brandenburger Unternehmen sei beteiligt. Laut dem Bericht wurden die Medikamente in Griechenland unter anderem in Krankenhäusern gestohlen. Die Behörden machten dazu keine Angaben.

Über die polnische Arzneimittelüberwachung sei das Gesundheitsministerium im Dezember 2016 auf den Vorgang aufmerksam gemacht worden, sagte Barta. Große Mengen eines seltenen und sehr teuren Krebsmedikaments waren in Polen entdeckt worden. Es sei über die Brandenburger Firma dorthin gelangt, die wiederum von der griechischen Apotheke beliefert worden sei.

Es sei seiner Behörde zunächst darum gegangen, den Vertriebsweg offenzulegen, denn Apotheken dürften nicht mit Medikamenten handeln, sagte er. Dass die Präparate zudem noch gestohlen gewesen seien sollen, sei zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt gewesen und habe sich erst jetzt herausgestellt, sagte Barta. „Ich hätte mich gefreut, früher von der Staatsanwaltschaft informiert zu werden“, sagt er zu den Ermittlungen wegen Hehlerei.

Ungereimtheiten müssten aufgeklärt werden, verlangte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag, Raik Nowka. „Wir wollen wissen, wer wann über was informiert war und ob Patienten durch die illegalen Medikamente in Gefahr gebracht wurden“, betonte er in einer Mitteilung.

Nach Untersuchungen von Proben der Medikamente konnte laut Ministerium aber festgestellt werden, dass sie nicht zu beanstanden waren. Die Qualität und der Wirkstoffgehalt seien in Ordnung gewesen. Für Patienten, die diese Mittel einnahmen, gebe es keinen Grund zur Besorgnis, hieß es.

Sollten gestohlene Medikamente verkauft worden sein, wäre das ein Verstoß gegen das Arzneimittelrecht, so das Ministerium. Dann könnte dem Unternehmen die Betriebserlaubnis entzogen werden. Bereits im Juni vergangenen Jahres war nach Angaben der Behörde der Firma der Handel mit der griechischen Apotheke untersagt worden. Noch vorhandene Präparate seien vor Ort sichergestellt worden.