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Bahnverkehr
Mehr RE2-Züge – aber nur bis Lübbenau

Ein Zug der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG) verlässt am 20.05.2015 den Hauptbahnhof in Berlin in Richtung Cottbus.
Ein Zug der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG) verlässt am 20.05.2015 den Hauptbahnhof in Berlin in Richtung Cottbus. FOTO: Soeren Stache / dpa
Potsdam. Das Land Brandenburg hat den neuen Nahverkehrsplan vorgestellt. Der Schienennahverkehr soll mit neuen Linien und mehr Zügen ausgebaut werden. In der Lausitz fallen Verbesserungen wegen des fehlenden zweiten Gleises eher bescheiden aus. Benjamin Lassiwe

Ab 2022 soll es drei Regionalzüge pro Stunde zwischen Berlin und Lübbenau geben. Zudem soll ein direkter Regionalexpress stündlich Finsterwalde mit Berlin verbinden. Das sind die wichtigsten Veränderungen, die der Landesnahverkehrsplan 2018 für die Lausitz bringen soll.

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) und die Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, Susanne Henckel, stellten sie am Montag in Potsdam der Öffentlichkeit vor. „Wir werden das Angebot an vielen Stellen im Netz ausweiten“, sagte Schneider. Die Bestellungen des Landes sollen sich um acht Prozent erhöhen, von 31,5 Millionen Zugkilometern im Jahr 2016 auf 34 Millionen im Jahr 2022. „Wir wollen aber nicht nur ein größeres, sondern auch ein qualitativ besseres Angebot machen, mit einer besseren Vertaktung von Bussen und Bahnen, Wlan in den Zügen und mehr Barrierefreiheit“, sagte Schneider.

Zudem sollen die von der Deutschen Bahn im Rahmen ihres Ausbaus des Fernverkehrs geplanten Intercity-Züge zwischen Dresden und Rostock auch in Doberlug-Kirchhain und am BER halten – ob diese Züge dann allerdings auch von Pendlern genutzt werden können, ist fraglich, denn der Fernverkehr ist ein eigenwirtschaftliches Angebot der Deutschen Bahn. Und sofern die größte Bauruine der Region bis dahin zu einem funktionierenden Flughafen geworden ist, soll es ab 2025, nach dem Abschluss des Ausbaus der Dresdener Bahn auch RE-Züge von Cottbus zum BER geben.

Doch das ist Zukunftsmusik. Vorerst müssen sich Cottbuser Pendler in den überfüllten RE2-Zügen damit abfinden, dass es den geplanten 20-Minuten-Takt auf der Strecke nach Berlin nur von und bis Lübbenau geben wird.

Denn auf der eingleisigen Strecke zwischen Cottbus und dem Spreewald ist eine Taktverkürzung nicht möglich, sagte Ministerin Schneider auf Nachfrage. „Es geht darum, die Züge in einem sinnvollen Abstand fahren zu lassen – und zwischen Lübbenau und Cottbus geht das erst, wenn das zweite Gleis dort wieder liegt.“ Und auch die Pendler in Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf werden sich wohl noch gedulden müssen. „Solange der Bahnhof Königs Wusterhausen nicht ausgebaut ist, kriegen wir die drei Halte nicht hin.“

Insgesamt aber können sich Bahnfahrer über das neue Angebot wohl freuen: Vor allem im direkten Einzugsgebiet von Berlin werden die Angebote deutlich verstärkt. Auf der wichtigen Ost-West-Achse von Magdeburg nach Frankfurt (Oder) will das Land zwischen Brandenburg und Frankfurt künftig drei Züge pro Stunde bestellen. Und zwischen Berlin und Nauen sollen es sogar vier Züge pro Stunde sein. „Es wird keine Strecke mehr abbestellt“, sagte Schneider. „Auch da, wo die Bevölkerungszahlen eigentlich zurückgehen, sehen wir moderat wachsende Fahrgastzahlen.“ Im Gegenteil: Zwischen Wriezen und Frankfurt (Oder), wo vor einiger Zeit noch die Stillegung der Bahn drohte, soll statt eines Zweistundentakts künftig ein Stundentakt angeboten werden.

Und mit einer Verlängerung der RB 35 von Bad Saarow-Klinkum nach Bad Saarow-Süd werden sogar einige hundert Meter einer eigentlich stillgelegten Strecke wieder in Betrieb genommen. Neue Fahrzeuge sollen digitalisiert werden: So soll die Zahl der an Bord befindlichen Fahrräder und Fahrgäste automatisch erfasst und in Echtzeit auf den Bahnsteig und in entsprechende Apps der Fahrgäste übertragen werden. Ziel ist, dass Reisende schon vor dem Einsteigen erfahren können, wo noch Plätze frei sind.

 Der CDU-Verkehrspolitiker Rainer Genilke sprach gegenüber der RUNDSCHAU von einer „Schmalspurversion“ des vor einiger Zeit von der eigenen Fraktion vorgestellten Konzeptes. „Die bedeutsamsten Maßnahmen werden erst in der übernächsten Legislaturperiode zum Greifen kommen“, sagte Genilke.

Bedauerlich sei, dass Cottbus wegen der schlechten Infrastruktur nicht besser angebunden werden könne. „Aber mich freut, dass ein Zug nach Finsterwalde eingesetzt werden soll“, sagt Genilke. „Kommt der Zug, kommt auch der Zuzug.“

Dagegen begrüßte die Verkehrsexpertin der Linken, Anita Tack, den Plan ohne Vorbehalte: „Ich begrüße die deutliche Verbesserung von Mobilitätsangeboten zur Sicherung der Daseinsvorsorge für die Bevölkerung in allen Regionen Brandenburgs“, sagte Tack. „Wir brauchen mehr Mobilität mit weniger Verkehr.“ Dem diene die Stärkung des Umweltverbundes mit ÖPNV, Rad- und Fußgängerverkehr genauso wie bessere Bahnangebote im VBB.