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| 15:33 Uhr

Land legt Zehn-Punkte-Entschließungsantrag vor
Brandenburg will Wolf zum Bundesratsthema machen

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) sieht den Bund in der Pflicht, für mehr Rechtssicherheit im Umgang mit dem Wolf zu sorgen.
Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) sieht den Bund in der Pflicht, für mehr Rechtssicherheit im Umgang mit dem Wolf zu sorgen. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Potsdam. Der Wolf breitet sich von der Lausitz nach und nach in ganz Deutschland aus. Jetzt soll der Umgang mit dem Raubtier Bundesratsthema werden. Von Benjamin Lassiwe

Das Land Brandenburg hat angekündigt, im Bundesrat gemeinsam mit Niedersachsen und Sachsen einen zehn Punkte umfassenden Entschließungsantrag zum Umgang mit dem Wolf einzubringen. Damit wolle man ein „praktikables, bundesweites Wolfsmanagement nach europäischem Recht“ erzielen, das die „Bewertung und Beobachtung der Wolfspopulation, die Finanzierung von Präventionsmaßnahmen und Entschädigungsregeln einschließt.“ Das sagte Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Donnerstag in Potsdam. So soll im Bundesnaturschutzgesetz stärker verdeutlicht werden, unter welchen Voraussetzungen die Entnahme eines Wolfes nach Anhang IV der FFH-Richtlinie erlaubt sei.

„Der Bund bleibt und ist in der Pflicht, für mehr Klarheit zur sorgen“, sagte Vogelsänger. „Der Druck ist nach wie groß, während die Handlungsspielräume klein und für die Verantwortlichen letztlich mit vielen Fragezeichen verbunden sind.“

Ein gemeinsames Monitoring und Management mit Polen wird in der Bundesratsinitiative ebenso für erforderlich gehalten wie die Festlegung und Überprüfung des günstigen Erhaltungszustands der Art im jährlichen Turnus.

Zudem setzt sich das Papier für ein bundesweites Herdenschutzzentrum ein und fordert, Weidetierhalter bei den Unterhaltungsmaßnahmen für wolfssichere Zäune zu 100 Prozent zu unterstützen. „Die Nutztierhalter dürfen mit ihren Sorgen und Nöten, die sich mit der Rückkehr und Ausbreitung von Wölfen in Deutschland ergeben, nicht allein gelassen werden“, betonte Vogelsänger.

Die Landnutzerverbände werfen Vogelsänger indes erneut vor, seine Hausaufgaben selbst nicht gemacht zu haben. „Die Bundesratsinitiative ist grundsätzlich richtig, das begrüßen wir auch“, sagte der Geschäftsführer des Forum Natur Brandenburg, Gregor Beyer, auf Nachfrage dieser Zeitung. Allerdings mache sich Vogelsänger unglaubwürdig, wenn er in Richtung des Bundes eine Initiative startet, es in Brandenburg aber weiterhin keinen gültigen Wolfmanagementplan mehr gebe: Denn der zweite Wolfsmagementplan des Landes sei Ende Dezember 2017 ausgelaufen.

Für den 10. November rufen die Landnutzerverbände deswegen auch zur Teilnahme an einer Demonstration des Bauernbundes auf, bei der sie sich für ein „Aktives Wolfsmanagement“ einsetzen wollen. „Für das Land Brandenburg ist unverzüglich ein gesellschaftlich breit diskutierter Wolfszielbestand festzulegen, dessen aktives Management zukünftig die Gewähr dafür bietet, dass der Schutz des Wolfes im Einklang mit allen anderen Interessen an und in unserer Kulturlandschaft steht“, heißt es in einem Forderungskatalog. Es müsse künftig 100 Prozent „Schadens- und Präventionsausgleich mit verbindlichem Rechtsanspruch für die durch Wölfe verursachten Schäden geben.“ Zudem sei der Wolf unverzüglich ins Jagdrecht aufzunehmen und eine Schutzjagd nach skandinavischem Vorbild zu etablieren. Mit dieser Forderung war die CDU-Landtagsfraktion bekanntlich erst in der jüngsten Sitzung des Landesparlaments im September in Potsdam gescheitert.