Welche Schulen machen wann in Brandenburg wieder auf?

Das lässt sich gar nicht so leicht beantworten, da Brandenburg den Schulen viel Entscheidungsfreiheit lässt. Bisher wurde nach folgendem Plan verfahren: Das Abitur wurde wie geplant ab 20. April geschrieben. Ab 27. April wurden in Brandenburg die Abschlussklassen, die in diesem Jahr den Mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife) oder die Erweiterte Berufsbildungsreife machen, wieder unterrichtet. Darauf folgten ab 4. Mai Klassen, „deren Schülerinnen und Schüler im nächsten Jahr einen Schulabschluss anstreben“, sowie die Abschlussklassen der Grundschulen. Seit 11. Mai kam die Klasse 5 an den Grundschulen hinzu.
Ab 25. Mai sollen nun alle Schüler in Brandenburg wieder zur Schule gehen, oft aber nur tageweise.

Wie sieht der Plan für die Grundschulen in Brandenburg ab 25. Mai aus?

Ab 25. Mai werden die Jahrgänge 1 bis 4 wieder zur Grundschule gehen. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat dafür einen „Regelplan“ vorgelegt, der so aussieht: Die Jahrgangsstufen 1 bis 4 werden an zwei Tagen in der Woche „präsent“ unterrichtet, die Jahrgangsstufen 5 und 6 an einem Tag. „Die Schulen bekommen dafür Modelle vorgegeben und erhalten bei der Umsetzung Gestaltungsspielräume, um den Gegebenheiten vor Ort angemessen Rechnung tragen zu können“, teilt das Ministerium mit.
Schulen, die genügend Platz haben, können auch mehr Unterricht für die 5. und 6. Klassen anbieten. Für städtische Schulen, die nicht auf den Schülerverkehr angewiesen sind, existiert zusätzlich ein Modell B, als Schichtmodell am Vor- und Nachmittag: „Die Jahrgangsstufen 1 bis 4 besuchen in der Woche die Schule zwei- bis dreimal vormittags, die Jahrgangstufen 5 und 6 zwei- bis dreimal am Nachmittag.“
In der Praxis führt das absehbar zu einem ziemlichen Chaos. Manche Schulen holen alle Schüler für den Unterricht an allen Tagen zurück, andere nur tageweise oder im Wochenwechsel. Informationen darüber erhalten die Eltern von der jeweiligen Schule. Eine Übersicht gibt es nicht.

Wie werden die weiterführenden Schulen in Brandenburg wieder geöffnet?

An den weiterführenden Schulen sollen ebenfalls ab 25. Mai alle Jahrgänge zurückkehren. Konkret soll das so aussehen: „Das für die Jahrgangsstufen 9 und 10 schon eingeführte Modell des Unterrichts Mo/Mi/Fr wird für die eine Hälfte der Klasse und Di/Do für die andere Hälfte und einem Wechsel nach einer Woche auf die übrigen Jahrgangsstufen (5,6, 7 und 8 in der Sekundarstufe I) ausgeweitet. Dieses System kann aufgrund der an den weiterführenden Schulen vorhandenen Rahmenbedingungen flexibel ausgestaltet werden. Allerdings soll mindestens zweimal in der Woche für alle Schülerinnen und Schüler Präsenzunterricht organisiert werden“, heißt es in einer Mitteilung des Bildungsministeriums.

Wie öffnet Sachsen seine Schulen wieder?

In Sachsen haben alle Grundschulen und Kitas seit 18. Mai wieder geöffnet. Die Schulklassen sollen streng getrennt voneinander lernen, spielen und essen - in festen Gruppen und festen Räumen. Damit sollen sich Infektionsketten besser nachverfolgen lassen. Zudem gelten strenge Hygiene-Regeln.
Für Schüler der Sekundarstufe I (Klassenstufen 5 bis 10) und für Schüler der Sekundarstufe II (Jahrgangsstufen 11 und 12) einschließlich der berufsbildenden Schulen, soll im Wechsel von Präsenzunterricht an der Schule und häuslicher Lernzeit unterrichtet werden. „Die nähere Ausgestaltung dieses Wechsel-Modells obliegt der Schulleitung“, heißt es dazu.

Warum gehen Brandenburg und Sachsen so unterschiedlich vor?

Bildung ist Ländersache. Das heißt: Jedes Bundesland entscheidet selbst, wie es seine Schulen wieder öffnet. Sachsen ist mit seinem Vorstoß vorgeprescht. Brandenburg gehört eher zu den abwartenden Ländern. Die Fallzahlen zum Coronavirus geben diese Unterschiede nicht her. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sind Brandenburg und Sachsen etwa gleich vom Virus betroffen. In Sachsen liegt die Zahl der Coronatoten sogar etwas höher.
Gerade in der Lausitz sind die Unterschieden bei den Schulöffnungen nur schwer zu erklären. Hier hat die Oberlausitz wesentlich mehr Coronafälle als die Südbrandenburger Niederlausitz. Im Kreis Bautzen mussten gar Kitas geschlossen werden, nachdem es einen Ausbruch bei einem ambulanten Pflegedienst gegeben hatten. Über 400 Menschen, darunter auch viele Familien, befinden sich deshalb in Quarantäne.

Gibt es Kritik am Vorgehen in Sachsen?

Ja. Der sächsische Erzieherverband warnte vor Überlastung durch Mehrarbeit und Überstunden. Um die strikte Trennung einzuhalten könnten viele Einrichtungen in den nächsten Wochen an ihre personellen Grenzen geraten, so die Befürchtung. Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hingegen geht die Öffnung an Kitas und Schulen zu insgesamt zu schnell. Den Einrichtungen sei eine Verantwortung übertragen worden, die sie an vielen Stellen nicht einhalten könnten, so die sächsische GEW-Vorsitzende Uschi Kruse.

Muss ich meine Kinder in die Schule schicken?

Nein. Bis zum 5. Juni können Eltern in Sachsen selbst entscheiden, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause lernen. Das Kultusministerium hat die Schulbesuchspflicht nach einem Gerichtsbeschluss für Grundschüler vorerst ausgesetzt. Eltern eines Siebenjährigen hatten in einem Eilverfahren geklagt, weil der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten wird.
In Brandenburg heißt es auf der Internetseite des Bildungsministeriums: „Die Eltern entscheiden über die Teilnahme ihrer Kinder am Präsenzunterricht, wenn ihre Kinder oder andere Angehörige des Haushalts einer Risikogruppe angehören. Weisen Kinder Erkältungssymptome auf, sollen sie zu Hause bleiben, bis sie wieder vollständig symptomfrei sind.

Was ist mit den Kitas in Sachsen?

Auch die Kitas in Sachsen haben seit 18. Mai im eingeschränkten Regelbetrieb wieder geöffnet. Eltern müssen unter anderem beim Bringen und Holen einen Mundschutz tragen, viele Einrichtungen haben zudem ihre Öffnungszeiten verkürzt, um die neuen Auflagen mit dem vorhandenen Personal stemmen zu können. Außenbereichen wurden teils durch weiß-rotes Absperrband in mehrere Bereiche unterteilt.

Was ist mit den Kitas in Brandenburg?

In Brandenburger Kitas sollen künftig wieder mehr Kinder gehen können. Dafür soll ab 25. Mai der eingeschränkte Regelbetrieb starten. Das hat das Brandenburger Kabinett entschieden. Demnach werden Kinder in der Notfallbetreuung wie bisher weiter betreut. Darüber hinaus sollen die Landkreise und kreisfreien Städte selbst entscheiden, ob sie den eingeschränkten Regelbetrieb im Hinblick auf verfügbare Betreuungskapazitäten aufnehmen wollen. „Dazu wird für weitere Kinder ein eingeschränkter Rechtsanspruch geschaffen. Vorrangig sollen Kinder im letzten Kita-Jahr vor der Einschulung wieder die Kita besuchen“, heißt es in der Mitteilung des Brandenburger Jugendministeriums. Die Landkreise und kreisfreien Städte können aber auch andere Prioritäten setzten. Außerdem dürfen alle Tagespflegepersonen im Land Brandenburg wieder im vollen Umfang ihre Tätigkeit aufnehmen und auch Kinder betreuen, die keinen Notfallbetreuungsanspruch haben. Brandenburgs Jugendministerin Britta Ernst sagt zu den Lockerungen in den Kitas: „Ziel ist es vielen Kindern wieder die Teilnahme an der Kindertagesbetreuung zu ermöglichen. Sie sollen wieder Sozialkontakte zu Gleichaltrigen bekommen.“
Für die neuen Lockerungen ist eine Änderung der Eindämmungsverordnung nötig. Demnach wird ein Mindestrechtsanspruch für Kinder, die angenommen werden, mit vier Stunden an mindestens einem Tag in der Woche in die Kita eingeführt. Das kann je nach Kapazität ausgeweitet werden. Voraussetzung ist, dass die Kinder in einer festen Gruppe in der Kindertagesstätte betreut werden können und die Regelungen des Rahmenhygieneplanes für Kindereinrichtungen eingehalten werden. Von Regelbetrieb kann aber erst gesprochen werden, wenn keine Infektionsschutzmaßnahmen mehr beachtet werden müssen.