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| 18:45 Uhr

Gemeinsam gegen Wohnungsmangel
Brandenburg und Berlin planen Neubau

In der Hauptstadt eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird für Normalverdiener immer schwieriger.
In der Hauptstadt eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird für Normalverdiener immer schwieriger. FOTO: dpa / Soeren Stache
Potsdam. Wohnungen in Berlin sind knapp und teuer. Im Brandenburger Umland steigen die Mieten ebenfalls. Neubau soll Abhilfe schaffen. Brandenburg setzt auch auf die zweite Reihe. Auch in Städten wie Lübben oder Eberswalde sollten verstärkt Mehrfamilienhäuser entstehen. Von Benjamin Lassiwe

Angesichts eines Mangels an bezahlbaren Wohnungen in Berlin und Teilen des Berliner Umlands sollte auch in Städten wie Lübben, Fürstenwalde oder Eberswalde der Bau von Mehrfamilienhäusern verstärkt werden. Das sagte Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) am Rande einer wohnungspolitischen Konferenz am Montag in Potsdam. „Das ist das, was wir machen müssen“, so die Ministerin. „Wir müssen die Potenziale der Städte in der zweiten Reihe nutzen.“

Auch Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) sprach sich dafür aus, entlang der „Kristallisationspunkte der Schienenachsen“ auf Wohnungsbau zu setzen. Als Beispiele nannte sie auch Neuruppin und Luckenwalde. „Diese Orte sind von Berlin aus gut erreichbar, es müssen nur genügend Züge fahren“, sagte Lompscher. „Das Wachstum Berlins endet nicht an der Stadtgrenze.“ Die Senatorin kündigte deswegen an, dass die Berliner Stadtgüter, die mit gut 16 000 Hektar Fläche zu den größten Grundbesitzern im Land Brandenburg gehören, Fläche für den Wohnungsbau durch Brandenburger Kommunen und ihre Wohnungsbaugesellschaften zur Verfügung stellen würden. Denn bis zu 1400 Hektar ihres Grundbesitzes lägen im „Siedlungsraum“, in dem Wohnungsbau möglich sei.

„Unser Ziel ist es, gemeinsam und auf Augenhöhe darüber zu reden, wie wir langfristig im Land bezahlbaren Wohnraum gewährleisten können“, sagte Schneider. Das Land habe deswegen ein 100 Millionen Euro umfassendes Förderprogramm zum Neubau von Sozialwohnungen aufgelegt.

2017 wurden damit 501 Wohnungen neu gebaut und 269 Wohnungen modernisiert. „Das ist der richtige Weg, insgesamt reicht das aber nicht aus“, sagte die Ministerin. Zudem beträfe der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Berlin und dem Umland mittlerweile nicht mehr nur Familien, die über einen Wohnberechtigungsschein verfügten, sondern auch Bezieher mittlerer Einkommen. „Wenn man zehn bis zwölf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter ausgeben soll, können sich das auch viele Menschen mit einem mittleren Einkommen nicht mehr leisten“, sagte der Vorsitzende des Brandenburger Mieterbundes, Rainer Radloff.

Der Geschäftsführer des Brandenburger Städte- und Gemeindebundes, Jens Graf, erinnerte daran, dass das Land Brandenburg insgesamt wieder wachse. Seit 2013 seien jährlich Menschen im Umfang einer Kleinstadt nach Brandenburg zugezogen. Die Mehrheit dieser Menschen stamme aus Berlin. „In vielen Städten und Gemeinden des Landes sind deswegen bereits die Wohnungen knapp geworden.“ Allerdings nicht in allen. Denn das Land ist auch auf dem Wohnungsmarkt gespalten: „Wir haben auch schrumpfende Regionen“, sagte Maren Kern, Vorstand des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU).

„In ländlichen Räumen, in der Prignitz oder auch in der Gegend um Lauchhammer wächst der Leerstand.“ Hier müsse man besonders auf eine Attraktivitätssteigerung der Regionen setzen und – etwa im Falle Wittenberges – die gute Anbindung an Berlin stärker ins Zentrum stellen. „Verkehrliche Erreichbarkeit und dichte Takte sind auch hier besonders wichtig.“