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| 19:08 Uhr

Ministernachfolge
Brandenburg sucht Minister für ein Jahr

Kandidaten, die vielleicht die Nachfolge von Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber antreten könnten.
Kandidaten, die vielleicht die Nachfolge von Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber antreten könnten. FOTO: MWE Bbg, LK EE, Brinkop, PR, dpa, Montage: Katrin Janetzko
Potsdam. Politische Konstellation lässt nach Gerber-Rücktritt nur „Eigengewächse“ als Nachfolger realistisch erscheinen. Spekulationen beziehen auch einen Lausitzer ein. Von Christian Taubert

Ministerrücktritte sind wahrlich keine Seltenheit im politischen Alltag. Auch in Brandenburg nicht. Das haben die SPD-Regierungschefs vor Dietmar Woidke – Manfred Stolpe (1990 bis 2002) und Matthias Platzeck (2002 bis 2013) – oft schmerzlich zur Kenntnis nehmen müssen. Da wechselten Minister in neue Ämter. Es gab gesundheitliche Gründe.

Sie mussten nach Affären gehen, wollten oder konnten ganz einfach nicht mehr. Von den mehr als 50 Politikern, die in Brandenburg seit 1990 ein Amt als Minister oder Ministerpräsident bekleideten, räumten inzwischen 23 ihren Chefsessel.

Minister kommen und gehen – auf diese einfache Formel ließe sich das Thema durchaus reduzieren. Und dennoch: Der Rücktritt des SPD-Urgesteins Albrecht Gerber als Wirtschaftsminister ist mit allem vorherigen nicht vergleichbar.

Die Stabilität in einem Kernressort des Kabinetts Woidke gerät plötzlich ins Wanken. Ausgerechnet ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl. Ausgerechnet in einer Situation, wo die Mehrheit der Sozialdemokraten im Land in nie dagewesener Weise in Gefahr ist.

Ausgerechnet dann, wenn in Berlin über die Zukunft einer Wirtschaftsregion wie der Lausitz entschieden wird und ein starker Minister gebraucht wird.

All das wird Ministerpräsident Dietmar Woidke zu berücksichtigen haben, wenn er schon in der nächsten Woche die Gerber-Nachfolge regeln will. Einen Experten von außen zu holen – dafür ist die Konstellation offenkundig wenig komfortabel.

Denn die Brandenburger SPD sucht einen Minister für ein Jahr. Mehr kann der Partei- und Regierungschef vor dem Hintergrund jüngster Wahlumfragen nicht anbieten. Dass Wirtschafts-Staatssekretär Hendrik Fischer, die „rechte Hand“ Gerbers, dabei ins Blickfeld rückt, ist wenig verwunderlich.

Nach RUNDSCHAU-Informationen taucht in den Personal-Spekulationen aber auch der Name des Lausitzer Ex-Bergamt-Chefs Klaus Freytag auf. Nachdem er im Wirtschaftsministerium lange für Energiepolitik verantwortlich war, hat ihn Dietmar Woidke aber gerade erst als seinen Lausitz-Beauftragten wieder nach Cottbus entsandt. Ob der Regierungschef diese Flanke wieder öffnet, ist fraglich. Zumal dessen Arbeit mit den Ergebnissen der Strukturkommission beim Bund erst richtig beginnt.

In der langen Reihe von Minister-Neubesetzungen in der SPD ist der Zugriff auf den Fraktionschef im Landtag stets eine Option. So wurden alle Fraktionschefs bis 2013 irgendwann Minister: Wolfgang Birthler, Gunter Fritsch, Günter Baaske, Dietmar Woidke, Ralf Holzschuher. Deshalb gehört Mike Bischoff, der derzeitige Fraktionsvorsitzende, mit in den Kreis der potenziellen Kandidaten.

In das Personalkarussell ist dem Vernehmen nach auch Helmut Barthel, der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, eingestiegen. Und da ist noch Klara Geywitz. Als SPD-Generalsekretärin war sie aus Verärgerung über Woidkes Kreisreform-Kurs zurückgetreten. Das heißt aber nicht, wie sie unlängst bei der RUNDSCHAU in Cottbus erklärte, dass sie nicht noch einmal durchstarten würde.