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| 17:30 Uhr

Beliebteste Slogans
Am beliebtesten: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“

Cottbus. Imagekampagnen und Slogans der Bundesländer haben es schwer bis zur Akzeptanz. Eine Umfrage bestätigt Baden-Württemberg ein gutes Händchen. Von Christian Taubert

Das Land Brandenburg umschließt zwar die Bundeshauptstadt Berlin. Dennoch werde es lediglich als ein Land „im Osten“ wahrgenommen, „irgendwo bei Berlin“. Begriffe wie „Spreewald“, „Museum Barberini“, „Tropical Islands“ oder „Sanssouci“ seien zwar bekannt, würden aber kaum oder überhaupt nicht mit Brandenburg verbunden. Das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage, die die Potsdamer Staatskanzlei 2017 in Auftrag gegeben hatte, war ernüchternd.

Als Konsequenz daraus geht das Land in die Marketingoffensive. Ab Mai soll mit der Agentur Scholz & Friends aus Berlin die Imagekampagne „Brandenburg. Es kann so einfach sein.“ umgesetzt werden. Im Doppelhaushalt 2017/18 wurden dafür bereits insgesamt 1,5 Millionen Euro bereitgestellt. Bis zum Jahr 2020 sind weitere zwei Millionen avisiert.

Die Opposition im Landtag lehnt den Slogan und die Kampagne ab. „Man sollte diesen Slogan einstampfen und sich neu Gedanken machen“, forderte Oppositionsführer Ingo Senftleben (CDU). „Mit dem Spruch können Sie Brandenburg in jeder Rede vorführen.“ Da würden sich die Kabarettisten freuen, warnte er.

Doch Slogans, die für Bundesländer positive Werbung machen sollen, hatten es stets schwer, sich durchzusetzen. So musste Sachsen-Anhalt 2015/16 für den Slogan vom „Land der Frühaufsteher“ viel Häme über sich ergehen lassen. Hauptgrund der Kritik: Das Pendeln zu den Arbeitsplätzen vor allem im Westen mache ein frühes Aufstehen schlicht unumgänglich. In Thüringen wurde der Werbespot „Das ist Thüringen“ 2011 ausgesetzt – nach Bekanntwerden der neonazistischen Mordserie. Und für die Werbeoffensive „So geht Sächsisch“, die den Freistaat seit 2013 weltweit bekannter machen sollte und für die 32 Millionen Euro eingeplant waren, zogen die Verantwortlichen 2015 die Notbremse. Statt friedlich und weltoffen präsentierte sich der Freistaat mit Übergriffen auf Asylbewerberunterkünfte, Pfefferspray-Attacken gegen Flüchtlinge oder Straßenschlachten in Heidenau. Das sind keine Schlagzeilen und Bilder, mit denen man Investoren und Touristen anlockt.

Vor gut einem Jahr haben Studierende der Universität Hohenheim insgesamt 1247 Bürger nach der Bekanntheit und Beliebtheit von Slogans der deutschen Bundesländer befragt. In der im „Südkurier“ veröffentlichten Studie wurde der Slogan von Baden-Württemberg „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ auf Platz eins der Beliebtheitsskala gewählt.

Fast 70 Prozent der Befragten votierten dafür, immerhin noch mehr als die Hälfte wusste, zu welchem Bundesland er gehört. Auf Platz zwei bei der Bekanntheit folgt Sachsen (29,5 Prozent), auf Platz drei Hessen (26,6). Schlusslicht war Hamburg. Den Slogan der Hansestadt kannten nur 11,8 Prozent.
Für Baden-Württemberg und die Initiatoren der Imagekampagne im Südwesten kam noch hinzu, dass ihr Slogan am beliebtesten war. 54,4 Prozent der Befragten fanden ihn gut oder sehr gut. Es folgen das Saarland mit „Großes entsteht immer im Kleinen“ (52,4 Prozent) und Thüringen mit „Hier hat Zukunft Tradition“ (51,9 Prozent). Am unbeliebtesten war der niedersächsische Slogan „Niedersachsen. Klar.“ Der Leiter der Befragung, Markus Voeth, erklärte zur Umfrage: „Nur 24,3 Prozent finden es überhaupt wichtig, dass ein Bundesland einen Slogan hat.“